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Der Israelit · 1903-11-02 · Heft 87 (2.11.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 87 (2.11.1903)
Date
1903-11-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1896 alles auf die einfachste Lebensführung beschränkte. Auch das planlose Älmosengeben an in- und ausländische Schnorrer müßte aufhören. A. M. S i m o n, Hannover. Ungarn. Tzobrancz (Ungarn). Folgender empörender Vorfall spielte sich am zweiten Rosch-Haschanah-Tage dahier ab. Es erschien nämlich an genanntem Tage der hiesige Gendarmeriepostenführer bei sämmtlichen jüdischen Kaufleuten und forderte dieselben unter Androhung einer empfindlichen Strafe auf, sofort ihre Geschäftsläden, welche anläßlich der Feiertage gesperrt waren, zu öffnen und den Geschäftsbetrieb aufzunehmen. Unter den in der Synagoge versammelten, strenggläubigen Juden verursachte dieses gesetzwidrige Eingreifen des Herrn Postenführers, der sich auf eine angebliche ministerielle Verordnung berief, große Bestürzung. Die Szobranczer Juden haben gegen diese Verletzung ihrer persönlichen Freiheit bei der Regierung Beschwerde erhoben. Wahrscheinlich handelt es sich hier um die Ausführung der berüchtigten Lukacs'schen Verordnung gegen die jüdischen Trafikanten. Doch auch in diesem Falle wäre der Uebereiser des Herrn Postenfiihrers gesetzwidrig, weil Herr von Lukacs selbst die drei hohen Feiertage in seiner Verordnung respektirte, und von einem Gesetze, welches den Juden verbieten würde, ihre sonstigen Geschäftslokaliiäten an ihren Feiertagen geschlossen zu halten, ist uns vorläufig nichts bekannt. Rußland. Kischinetv. Die Anklage gegen die Plünderer und Mörder von Kischinew ist nun gestellt und die Voruntersuchungen über den Judenkrawall sind nun definitiv abgeschlossen. Die Anklageschrift wird in wenigen Tagen in einzelnen Exemplaren im Druck erscheinen. Dieselbe besteht aus einer vom Staatsanwalt Goremikin verfaßten, allgemeinen Einleitung und 22 Kategorien von Anklagen. Von den 330 Angeklagten werden 250 wegen Demolirung fremden Eigenthums und 100 wegen Verwundung, Mord und Nothzucht verfolgt. Von den gleich nach dem Krawall verhafteten 816 Personen sind 746 inzwischen freigelassen worden, darunter auch ein Jude, der den Knaben Grigori Ostapow erschossen hat, da der Untersuchungsrichter anerkennen mußte, daß die That in erlaubter Nothwehr geschehen war. Neuerdings werden zahlreiche Angeklagte, die auf Bürgschaft aus der Haft entlassen wurden, wegen Fluchtverdacht und Verdunkelung wieder in Haft genommen. Leider ist es in zahlreichen Fällen bereits zu spät erfolgt, da einer großen Anzahl von Räubern und selbst Mördern es inzwischen gelungen ist. ihre Freiheit zu benützen, um alle Spuren ihrer That gründlich zu verwischen. der Einleitung zur' Anklage läßt die Anklagebehörde unter der Wucht der beschworenen Zeugenaussagen die von Herrn von Plehwe verbreitete Fabel von der jüdischen Provokation gänzlich fallen und bekennt rückhaltlos, daß die Hetze Kruschewans an dem Krawall den hauptsächlichsten Antheil hat. Daß die Ereignisse eine solche Ausdehnung gewonnen und einen so traurigen Verlauf genommen haben, wird ausdrücklich der Kopflosigkeit der Polizei zugeschrieöen, welche keine generelle Anordnung getroffen und mit den einzelnen Stadttheilen nicht schriftlich, sondern blos per Telephon verkehrt hat. Auch das Militär konnte nicht die gehörige Wirksamkeit entfalten, da der Commandirende der Kischinewer Truppen, General-Leutnant Beckmann, vom Gouverneur keine schriftliche Vollmacht zur Unterdrückung der Unruhen hatte und sich daher begnügen mußte, an einzelne gefährdete Stellen Patrouillen zu senden, welche in der Regel zu spät kamen, um das betreffende Haus vor Demolirung zu schützen. Im Ganzen wurden vom 6.—9. April in Kischinew und Umgegend getödtet 41 Juden und 2 Christen. Verwundet wurden 394 Juden und 62 Christen. Außerdem wurden 2 Offiziere und 5 Soldaten leicht verwundet. Auch die Polizei will 68 verwundete Schutzleute gehabt haben. Von den verwundeten Juden sind 213 Männer-gewesen. Schwere Verwundungen sind nur 6 Mal vorgekommen. Fälle von Nothzucht sind nur 3 gemeldet worden. Von den 68 verwundeten Christen batten 8 Schuß-, 11 Schnitt- und 38 schwere Schlagwunden erhalten, 6 Christen wurden durch Begießen mit Schwefelsäure verwundet. Sehr groß ist die Zahl der demolirten Häuser, welche in manchen Stadtgegenden über 68 pCt. erreicht hat. Im Ganzen sind 1480 Häuser und 600 Läden demolirt. Ebenso wurden in den Vorstädten und Vororten Kischinews 167 Häuser demolirt und 11 Juden ermordet. Die Verluste während des dreitägigen Kischinewer Krawalls beziffern sich für die angegriffenen Juden demnach auf 52 Todte, 394 Verwundete. Ferner wurden 1647 Häuser und über 600 Läden demolirt und ein Schaden von bis 2 Millionen Rubel verursacht. Feuilleton. IM %m tob Hum heller. 121 Bon Heinrich'Lebermann. XI. Alle Jntriguen und Cabalen, alle Anliegen und Interessen, innerhalb und außerhalb der Prager jüdischen Gemeinde, alles wurde für eine Zeit lang in den

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