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Der Israelit · 1903-11-02 · Heft 87 (2.11.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 87 (2.11.1903)
Date
1903-11-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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FsZÄMTZKsHiEchLeW «erd Tsrre?Ns«deNts«. 'Deutschland. Berlin. 25. Okt. Da aus den Verhandlungen der heutigen Repräsentantensitzung kein positives Resultat hervorging und die meisten Punkte das Schicksal der Vertagung erlitten. - so möchte ich aus dem einzig Interessanten den Jahres-Bericht und Rechnungs- Abschluß des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde zu Berlin für das Etatsjahr 1902 herhorheben: Das Bilanz-Konto ' ergibt einen Vermögensbestand von Mk. 1,577,262.54, gegen den Bestand des Vorjahres eine Vermehrung von 74,347.97. Diese Kapitals- Vermehrung besteht in der Hauptsache in den neu hinzugekommenen Stiftungen und zwar: Julius u. Margarethe Sandecker-Stiftung Mk. 1000, Sigismund und Jenny Born-Stiftung Mk. 60,000, und den Geschenken der Frau Franziska Ginsberg Mk. 6OO0, des Herrn Dr. Magnus Levy zur Stiftung für Brustkranke Mk. 300, des Herrn Oscar Rathenau Mk: 200, der Frau-Julie Reumann Mk. 100, der Frau Gertrud Eisner geb. Lesser zum Andenken an ihren Gemahl Ml. 2000, den Hinterbliebenen des Herrn Moritz HeßMk. 300. sowie den Legaten des Herrn General-Konsul William Schönlank Mk. 3000, des Herrn Rudolf Blumenthal Mk. 500. Am 1. April 1902 hatte das Krankenhaus 149 Insassen. Reu ausgenommen wurden in der Zeit vom 1. April 1902 bis 31. März 1903 1564, davon waren 968 innerlich und 756 äußerlich krank; zahlend auf allgemeiner Station 369, Kassenkranke 84.7,. Extrakranke 227, fremde Kranke 64, Gemeindekranke 706. Entlassen wurden bis 31. März 1903 1562 Kranke.. Verbleibt am 1. April 1903 ein Bestand von 161 Kranken und zwar 62 Männer, 60 Frauen, 29 Kinder. Hannover, 30. Okt. Von Herrn Konsul A. M. Simon erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 42 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" schreibt Herr Rechtsanwalt Dr. Siegmund Meyer unter dem Motte „Quo vadis?" über die jüdische Hilfsaktion für die russisch-polnischen Juden. Berufenere als ich werden die Ausführungen nicht ohne Erwiderung lassen, wenn trotzdem ich das Wort dazu nehme, geschieht dies nur. weil der Verfasser das Verhältniß der Israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem (deren Vorstand ich angekröre). bezüglich der dort ausgebildeten ausländischen Zöglinge vollkommen unzutreffend wiederaibt. Die Anstalt hatte bei ihrem Entstehen mit den mannigfachsten Schwierigkeiten zu kämpfen; sie wurde derart angefeindet, daß die erhofften und m 2tu..si j gestellten finanziellen Unterstützungen anfänglich sa.. vollständig ausblieben, und die Wetterführung der Anstalt somit in Frage gestellt wurde. Auch unsere Anerbieten an viele Gemeinden, Kinder 'zu einem Pensionssatz aufzunehmen, welcher nicht die Hälfte der von dieser Gemeinde für eine Waise verausgabten Summe ausmacht, hatte anfänglich keinen Erfolg. Der vor kurzem verstorbene Rechtsanwalt Julius P l o t k e in Frankfurt, welcher die ungünstigen Gerüchte über die Anstalt erfuhr, kam eigens nach Ahlem, um die Sache gründlich zu prüfen. Er fand reichlich Gelegenheit, sich von der Haltlosigkeit der Ausstreuungen zu überzeugen, und war in Folge dessen auf das Eifrigste bestrebt, unsere Ziele zu fördern. Das von uns angewandte System, Kinder schon im schulpflichtigen Alter in geeigneter Weise Lust und ^Liebe für körperliche Arbeiten einzuflößen, hielt auch er für das wirksamste Mittel, sie zu Handwerk und Bodenkultur überzuführen. Nachdem die Jewish Colonisation Association begründet, und er Mitglied des Verwaltungsrathes geworden war, bemühte er sich, trotzdem die Statuten dieser Gesellschaft weder für deutsche, noch für französische und englische oder für wesspreußische Juden, sondern nur für ostpreußische Juden Unterstützung gestatten, auf indirektem Wege unserer Anstalt in reichem Maße Unterstützungen zuzuwenden. Die I. E. A. zahlt unserer Anstalt alljährlich eine größere Subvention, wogegen wir uns verpflichten, einige ausländische, uns geeignet erscheinende Knaben aufzunehmen. Nachdem wir solche Knaben ausgenommen hatten, verschaffte uns Plotke von der „I. C. A." ein Darlehen von 250,000 Mk. zu dem minimalen Zinsfuß von 1 pCt. jährliche Nur dieser kräftigen Unterstützung hat unsere Anstalt im Wesentlichen ihr Weiterbestehen zu verdanken. Dieses Verhältniß zur „I. C. A." habe ich Herrn Dr. Meyer wiederholt mündlich erklärt; es ist daher nachgerade unfaßbar, daß Herr Dr. Siegmund Mever bezüglich unserer Anstalt schreibt: „Wir haben nicht den Beruf, die Jugend anderer Länder heranzubilden, wir haben nicht die Kräfte und nicht die. Mittel dazu." Die Bestimmung des Baron Hirsch, wonach die Mittel der „I. C. A." nur zu Gunsten osteuropäischer Juden verwendet werden können, ist unabänderlich. Was übrigens die in der Ahlemer Erziehungsanstalt untergebrachten Ausländer betrifft, so haben wir nur der deutschen Sprache mächtige Knaben ausgenommen. Seit einigen Jahren gestattet uns die „I. C. A." unter die Zahl ihrer Stipendien solche aufzunehmen, deren Eltern, obzwar Russen oder Rumänen, seit Jahren in Deutschland wohnen, und die selbst deutsche Schulen besucht haben. .Diese Knaben würden, sonst den betreffenden Gemeinden zur Last fallen; es werden also durch unsere Aufnahme solcher Ausländer deutsche Gemeinden entlast et. .

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