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Der Israelit · 1903-02-26 · Heft 15-16 (26.2.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 15-16 (26.2.1903)
Date
1903-02-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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843 Bei den Vorstandswahlen wurden die Herren L. Mathiason, I. Katzenstein und I. Gotthelf, die statutengemäß ausscheiden. per Aklamation wiedergewählt. Zu Revisoren wurden die Herren David Rüben und Hermann S. Meyer wieder resp. neugewähli. Jnolvrazlaw, 23. Febr. Die Synagoge als Wahllokal" durfte wohl ein Unikum sein, das natürlich auch nur im Osten Vorkommen kann,, dort, wo es Orte gibt, die ein zur Vornahme der Ländtagswahl auch nur halbwegs geeignetes Lokal nicht aufzuweisen haben. Es war ein unwillkürlich zur Heiterkeit reizendes Intermezzo, als dieser Tage der 87jährige Abg. Seer im Abgeordnetenhüuse die Schwierigkeiten und Leiden schilderte, welche die Vornahme einer Abgeordnetenwabl im Wahlkreise Jnowrazlaw-Strelno,Schubin verursache. Die Wahl wird nicht etwa in einem der genannten drei Kreisorte, namentlich nicht in Jnowrazlaw, einer Stadt von 25,000 Einwohnern, vorgenommen, sondern in dem kleinen Städtchen Labischin, das nicht einmal an einer Bahn liegt, sondern nur durch Fuhrwerk zu erreichen ist. Diese Anordnung datiert noch aus der Zeit, als es noch keine Bahnen gab, während sie heute nicht die geringste Berechtigung mehr hat, um so weniger, als es in dem Oertchen nicht mal einen Saal gibt, auch nicht in der Schule, der groß genug wäre, um die Wahlmänner sammtlich aufzunehmen. Deßhalb fand lange Jahre hindurch die Wahl in der protestantischen Kirche statt, bis diese vor etwa 20 Jahren zu diesem Zwecke nicht mehr hergegeben wurde. Seitdem wurde die Wahl in der Synagoge gethätigt, die aber, wie der genannte Abgeordnete erklärte, die Juden künftighin auch nicht mehr zur Verfügung stellen wollen. Das Schönste ist nun aber, daß in dieser Nothlage der Minister des Innern nicht einmal kurzer Hand Abhilfe schaffen und einen anderen Ort als Wahlort bestimmen kann. Denn wie die letzteren durch Gesetz festgesetzt sind, können üe nur durch Gesetz geändert werden. Wird ein solches für den genannten Wahlkreis nicht noch in dieser Session gemacht, so kann es Vorkommen, daß im Herbst in Labischin die Abgeordnetenwahl unter freiem Himmel stattfinden muß. FeSberg, 17. Febr. (Ein pietätvolles Werk.) Etivas Schönes, Herrliches soll geschehen, drei Gemeinden rüsten sich, ihren Friedhof mit einer Schuhwehr zu umgeben. Doch mehrere Tausend Mark werden dafür gefordert und die Gemeinden sind wenig leistungsfähig, und es ist so dringend nöthig. Ein Aufruf ist bereits an alle Diejenigen ergangen, deren Angehörigen dort auf dem Friedhof gebettet liegen. Ja, etwas Herrliches, Schönes soll unternommen werden, ein lang gehegter Wunsch geht seiner Erfüllung entgegen. Und es ist auch dringend nothwendig! Jene Klageweisen Nehemias, wenn auch in etwas veränderter Form, steigen unwillkürlich beim Betreten des Friedhofes in unserem Gedächtniß auf:. „Warum sollte ich nicht weinen, da die Stijtte, wo meine Väter . und Mütter begraben liegen, der Verwüstung preisgegeben, die zum Tummelplatz der Heerde und des Wildes geworden, die der Rohheit so leicht zugänglich ist?" Und jener Friedhof, der jetzt die Aufmerksamkeit so Vieler auf sich ziehen wird, ist wohl einer der ältesten seiner Art. Viele Grabsteininschristen sind im Laufe der Zeit verblichen, viele zeigen dem Beobachter, daß hier Jahrhunderte hinter ihm liegen; viele Grabsteine sind ..unter ihrem Drucke bis zur Spitze in's Erdreich' gesunken. Und es sind so viele Grabsteine! Eine einen Hektar umfassende Fläche ist von ihnen bedeckt, und einer steht am andern, von der ältesten grauen Zeit bis zur jüngsten Gegenwart. Eine große Gemeinde hält hier' ihren Todesschlaf. Soll doch diese Stätte des ewigen Friedens schon vor ca. 600 Jahren als eine solche ge-- kannt und benutzt worden sein. Ein edler Menschenfreund, ein Rittergutsbesitzer, hat den Platz zum Friedhof den Juden zum Geschenk gemacht. Zur damaligen Zeit soll der Ort Haarhausen, in dessen unmittelbarer Nähe sich der Friedhof befindet, eine große Kehillo gehabt hoben. Hebräische Inschriften an den Häusern vcr jetzt nur ausschließlich der christlichen Konfession angehörenden Bewohner sind Zeugen jener Zeit. Die verschiedenen Gemeinden, die ihre Todten hierherbrachten, sind bis auf die drei znsammengeschmolzen: Borken i. H., Zimmersrode und Jesberg. Letztere Gemeinde hat vor kurzer Zeit ihren eigenen Friedhof eingeweiht, hatte man doch einen ca. 12. Kilometer weiten, bei ungünstiger. Witterung sehr beschwerlichen Weg, zu machen, auch ist kaum noch ein Plätzchen zum Bergen irdischer Ueberreste frei. Und dieser Platz liegt nun so ganz isolirt, ca. :Va Stunden von der nächsten Gemeinde, in einsamer Gegend, auf fremdem Gebiet, ganz frei und offen. Die Heerde kann beliebig darauf sich tummeln und ihn verunreinigen,, das Wild des unmittelbar daran stoßenden Waldes beliebig die Gräber beschädigen, Insulten jeglicher Art ist der heilige Ort ausgesetzt, und Niemand sicht es und kann ihn schützen. Was wird erst aus ihm werden, wenn er nicht mehr benutzt wird? Ja, darum weine ich, da die Stätte, wo unsere Lieben zum ewigen Schlummer gebettet liegen, so schutzlos preisgegeben ist. Edle Glaubensbrüder! Trage Jeder ein Scherflein dazu bei, daß es genannten Gemeinden ermöglicht wird, eine Schuhwehr um den heiligen Ort zu' ziehen, daß Niemand verwüsten, beschädigen und verunreinigen kann die Stätte des ewigen Friedens. Gott wird es Euch lohnen! Etwas Schönes, Gottgefälliges soll geschaffen werden. Wer wollte sich nicht daran beiheiligen. Fürwahr, es ist ein großes, pietätvolles Werk. Lehrer Höxter.« (Zur Entgegennahme und Ablieferung der Spenden ist Unterzeichneter, ebenso die Redaktion dss. Bl. gern bereit.)

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