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Der Israelit · 1903-02-26 · Heft 15-16 (26.2.1903) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 15-16 (26.2.1903)
Date
1903-02-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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„Eines der ältesten Heiligthümer auf Erden ist der Tempel des Wolkenherrn Bel in der mittelbabytonischen Stadt Nippur. Die Ruinen dieser Stadt, heutzutage Nuffar genannt, und speziell die riesigen Ucberreste dieses Tempels bildeten das Ziel und den Schauplatz der hohen (!) wissenschaftlichen Errungenschaften der drei Expeditionen von Philadelphia, welche unter der Leitung von P. Peters, Hermann Hilprecht und I. H. Haynes seit 1886 bis heute auf jener ausgedehnten Trumme cstätte graben und unausgesetzt finden. Zwei Tempelarchive sollten binnen weniger Jahre die Arbeiten der amerikanischen Forscher belohnen . . . Bis zum Jahre 1896 waren aus den Ruinen von Nuffar nicht weniger als 2000, weiter 8000 und endlich 21,000 Thontafeln und Thontafel-Fragmente, beschriebene und gestempelte Backsteine, Stein- und Thonphasen gewonnen, aus der vorsargonischen Zeit, wie aus allen späteren Perioden der babylonischen Geschichte. — ... Die Ausbeute an gefundenen Schriftdenkmälern wurde schon 1896 auf 12 Bände zu je 2 —3 Thcilen (bisher hat Professor Hilprecht drei davon herausgegeben) gerechnet."- Im Jahre 1898 war also Hilprecht nach drei Ausgrabungs-Campagnen für den Professor Delitzsch bereits ein erfolgreicher -Forscher, und besonders sachverständiger Fachkollege, dem ja von der Expedition die Sichtung und Herausgabe der gemachten wissenschaftlichen Funde anvertraut worden war. Seitdem hat Hilprecht sogar nach dem Zeugniß des Delitzsch von 1903 eine weitere (4.) erfolgreiche Campagne in Nippur gehabt. Trotzdem hat Delitzsch heute den verzweifelten Muth, demselben Hilprecht die Qualifikation eines durchaus ebenbürtigen und sachverständigen Orientalisten in einer öffentlichen Erklärung abzusprechen. Mit einem gewissen Ekel wird jeder ehrliche Mann den Schlußsatz der Delitzsch'schen Erklärung lesen: „lieber die 4. Campagne liegen noch keine wissenschaflich beglaubigten Angaben vor, doch hat Professor Hilprecht sicher dgran nicht länger als etwa 4 bis 3 Monate iheilgenommen —, in welcher Stellung, ist uns unbekannt." Bermuthlich als Koch oder Kellner oder gar als wohlbestallter Nachtwächter, mein guter, vortrefflicher Herr Professor! Uns scheint, daß es das Beste ist, den Herrn Professor Delitzsch nach dieser letzten „großartigen kritischen Leistung" nlhig zu den Bibelstürmern früherer Zeiten zu legen. Gott hat die Leute von Babel zerstreut, einige zerstreute Professoren scheinen bis heute davon übrig geblieben zu sein. Zeitungsnachrichten und Corrcsponverrzerr Deutsch l a n d. Berlin, 24. Febr. Die jüdische Arbeiter-Kolonie in Weißensee hat in dem ersten Jahre ihres Bestehens die Probe auf ihre Lebensfähigkeit und Nothtvendigkeit ii-i günstigsten Sinne bestanden. Es wurden 12,067 Verpflegungstage geleistet, wofür an Menage 3672 Mark ausgegeben wurden, das ist pro Kopf und Tag etwa 47 Pfg. excl. Verwaltungskosten. Arbeitslohn wurde von den Unternehmern 5774 Mk. bezahlt. Gegenwärtig ist die Kolonistenzahl 60. Es können jedoch noch viel mehr untergebracht werden, wenn sich genügende Beschäftigung findet. Aus verschiedenen Gründen ist eine Vermehrung des Verwaltungsapparates erforderlich geworden; daher hat sich ein Wohlfahrtsausschuß aus acht Personen gebildet. Frankfurt a. M., 23. Febr. Ein Mitglied des hiesigen israelitischen Vereins „Edle That" wurde durch Beschluß des Vorstandes desselben von der Mitgliedschaft ausgeschlossen, weil es wiederholt ohne Grund die Gebetsversammlungen versäumt hatte. Das ausgeschlossene Mitglied bestritt die Rechtsgiltigkeit dieses Beschlusses und beantragte dessen Aufhebung auf dem Klagewege, weil gemäß der Paragraphen 5 und 16 des Statuts nur die Mitglieder - Versammlungen und nicht der Vorstand zum Erlaß desselben berechtigt sei. Das Amtsgericht als erste Instanz trat dieser Auffassung des Klägers bei und erkannte nach dem Klageantrag. Das Landgericht dagegen, welches sich in )er Berufungsinstanz mit dieser Sache zu beschäftigen hatte, hält gemäß der Statuten den Vereinsvorstand zum Erlaß des von ihm gefaßten Beschlusses an sich für zuständig und ordnet durch Veweisbeschluß an, Zeugen darüber zu vernehmen, ob der Klager öfters Gebetsversamnilungen versäumt und sich auch geweigert habe, einen Stellvertreter zu denselben^zu bestellen. Hamburg, 22. Febr. Der „Verein zur Gesundheitspflege schwacher, israelitischer Kinder" (Ferienkolonien) hielt dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung im Bureau der Herren Magnus & Friedmann, unter dem Vorsitze des Herrn L. Mathiason, ab. Dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein im verflossenen Jahre 140 Kindern den ihnen ärztlicherseits verordneten vierwöchentlichen Kuraufenthalt gewähren konnte, und zwar waren 130 in Döse und 10 an anderen Plätzen untergebracht. Der Verein hat außerdem einer Anzahl schwächlicher Kinder in den Knaben- und Mädchenschulen nach ärztlicher Vorschrift Milch und Eier verabfolgen lassen. Der Vorsitzende theilte dann noch mit, daß der langgehegte Wunsch des Vorstandes, die Errichtung eines eigenen Seehospizes, jetzt der Verwirklichung entgegengehe. Außer der bei der Depositenkaffe der Deutsch- JsraelitisiAn Gemeinde in der Höhe von 20,000 Mk. belegten „Karl und Dora Tannenbaum-Stiftung" sind noch durch freiwillige Beiträge 40,000 Mk. eingegangen; außerdem stehen dem Vorstand für das Seehospiz noch 10,000 Mk. zur Verfügung, also insge-' sammt über 70,000 Mk. Unter diesen Umständen hat der Vorstand den Ankauf eines größeren Terrains in Duhnen abgeschlossen, und es soll mit dem Bau demnächst begonnen werden. Im Sommer 1904 soll das! neue Seehospiz seiner Bestimmung übergeben werden.

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