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Der Israelit · 1903-02-26 · Heft 15-16 (26.2.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 15-16 (26.2.1903)
Date
1903-02-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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44/ Jahrgang. TO „Unser guter Professor." Die Vabel-Vibel-Hypothese des Professors Friedr. Delitzsch nimmt allmählich für den unparteiischen Zuschauer komische Formen an. Die Tendenz-Wissenschaft des autokratischen Herrn kann keinen ernsten Widerspruch ertragen, und darüber fängt Professor Delitzsch an, nervös zu werden und in den Zeitungen „Erklärungen" zu veröffentlichen. Eine dieser „Erklärungen", erschienen in liberalen Blättern, ist besonders kostbar, weil Herr Delitzsch darin den komischen Versuch macht, einem gelehrten Assyriologen, welcher in der Babel-Vibel-Frage durchaus anderer Meinung ist, als Delitzsch und seinem Jünger, nämlich dem Professor Dr. Hilprecht aus Philadelphia, das Recht abzusprechen, in diese Frage sich einzumischen und ein ernstliches Wörtchen mitzureden. Herr Hilprecht, ein Deutsch-Amerikaner, hat sich seit langen Jahren mit Assyriologie beschäftigt und sogar an den Ausgrabungen der Amerikaner in Babylonien (in Nippur) selbstthätig wiederholt theilgenommen, ist von evangelisch-orthodoxen Kreisen Berlins darum angegangen worden, in Berlin über die interessante Materie Vorträge zu halten. Professor Hilprecht, ein gläubiger Mann, hat der Bitte gerne Folge gegeben, und am 17. Januar und später öffentliche Vorträge über die Ausgrabungen in Babylonien gehalten. Diese Vorträge Hilprechts erfreuten sich der besonderen Aufmerksamkeit der Berliner Hofgesellschaft unter Protektion der Kaiserin, und auch der Kultusminister Dr. Studt fehlte nicht; der Kaiser indeß blieb fern. Hilprecht streifte in seinen Ausführungen natürlich auch die bibelfeindlichen Konjekturen und Phantasien seines Kollegen Delitzsch, und kennzeichnet diese als das, was sie in Wirklichkeit sind: als mehr oder minder geistreiche Einfälle und Kombinationen eines in eine bestimmte Idee verliebten Gelehrten, denen jede reelle Beweisunterlage fehle. Dieses Urtheil, obwohl es sehr schonend und sorgsam in Seidenpapier eingewickelt, vorgebracht worden, und obgleich Aehnliches sogar noch schärfer von Professor Dr. Kaulen und anderen namhaften Assyriologen über Delitzsch gesagt worden war, hat Herrn Delitzsch arg gewurmt und ihn schier um die schöne Fassung gebracht. In dieser Gemüthsstimmung hat er jene schon erwähnte Erklärung gegen Hilprecht losgelassen, in welcher er dem Deutsch-Amerikaner vorwirft, er, Hilprecht, habe nach den Zeitungsberichten in den Vorträgen von „seinen 14 Jahre hindurch betriebenen Ausgrabungen in Babylonien (Nippur)" gesprochen. Daraus sei in der Presse vielfach der Schluß gezogen worden, daß Hilprecht ein besonders erfolgreicher Leiter von Ausgrabungen und berufener Beurtheiler einschlägiger Fragen sei. „Demgegenüber (!) müßten die Unterzeichneten Vertreter der Assyriologischen Wissenschaft in Berlin" erklären, daß von den vier amerikanischen Ausgrabungs-Campagnen (seit 1889) Hilprecht nur an zweien persönlich betheiligt gewesen sei, an der ersten und an der vierten; das eine Mal 2 Monate, das andere Mal 4—5 Monate." Unter diesen sonderbaren Erguß setzt dann Delitzsch, im Verein mit vier anderen Berliner Doktores, seinen Namen. Im großen Publikum aber fragt may sich lachend, was Delitzsch und die anderen Herren eigentlich durch diese „Erklärung" beweisen möchten? Wollen sie etwa damit, sagen, daß ein Mann, der nur im ganzen 6—7 Monate mitten im babylonischen Schutt herumgekrochen, von der Assyriologie keine rechte Ahnung haben könne, oder wollen sie gar, wie ein Brandfuchs, die Wissenschaftlichkeit des einzelnen Gelehrten nach den praktischen Ausgrabungs-Semestern gleichsam mit der Elle bemessen? „Je gelehrter, desto verkehrter!" Herr Professor Hilprecht hat diesen Vorstoß vornehm ignorirt und erquickt die Frommen des vornehmen Berlins ruhig weiter mit seinen gegen die Delitzsche Tendenz-Wissenschaft gedichteten Babylonischen Vorträgen. Von Delitzsch aber kann man mit Beziehung auf den bevorstehenden Beginn des Purimmonats sagen: Du vermagst nichts an ihm, sondern Du wirst vor ihm fallen. (Esther 6,13.) Wie eine Bombe ist mittlerweile der Brief Kaiser Wilhelms auf das Haupt Delitzschs .niedergeplatzt. Denn die Wahrheiten, die er da zu hören bekam, werden ihm wohl niemals aus dem Gedächtnisse schwinden. „Der Theologe ist mit dem Historiker auf und davon gegangen," meint Se. Majestät. Das ist schlimm, namentlich, wenn man kein Theologe ist. „Herr Delitzsch möge uns verschonen, er beging schwere Fehler. Er hat vielen seiner Zuhörer das Fundament ihres Glaubens erschüttert. Daher ist es meine Auffassung, daß unser guter Professor hinfürder lieber die Religion als solche bei seinen Vorträgen in unserer Gesellschaft anzuführen und zu behandeln vermeidet." Nach alledem scheint es ausgeschlossen, daß der Kaiser jemals einem weiteren Vortrage des „guten Professors" beiwohnen wird, ja ob überhaupt noch ein solcher je wieder stattfindet. Das Schönste kommt aber noch! Derselbe De-, litzsch, der heute mit Zuhülfenahme von Assistenten seinen Spezialkollegen Hilprecht vor der Welt als wissenschaftlichen Schlachtenbummler oder halbwegs angehenden Dilettanten hinstellen möchte, strich noch im Jahre 1898, also vor fünf Jahren, die amerikanischen Ausgrabungen in Nippur und und dabei auch den Professor Hilprecht in ehrenvollster Weise als besonders erl folgreich heraus. Friedrich Delitzsch schrieb damals:

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