Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 15-16 (26.2.1903)
- Date
- 1903-02-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nachfolger. Öder war es vielleicht ein Ausfluß der grenzenlosen Liebe, als man den Rabbiner bei den Behörden denunzirte und am Kolnidre-Abend seinen Eintritt in die Synagoge mit Gendarmeriegewalt verhinderte? Auch der Koßoner Rabbiner hat nicht im Zeichen der grenzenlosen Liebe die Gemeinde in Mada verlassen. Und bei aller Werthschätzung für den Artikelschreiber können solche Reminiszensen bei gewissen Anlässen nicht unterdrückt werden. Betr. 6. Wollen wir aus Ritterlichkeit koncediren, ',T27! bv rxxaa V"N' c"X ps*. Jedenfalls hat die Folge das Vertrauen in die Unbestechlichkeit der galizischen Rabbiner nicht erschüttert. Betr. 7. Beruht auf einem Mißverstä'ndniß. Nicht Rabbiner Brach, sondern der in weitesten Kreisen als pnsi px: verehrte ehemalige Ujhelyer Rabbiner, der an der Installation des neugewählten Rabbiners theilgenommen, hat aus Grundlage persönlicher Ueberzeugung die Gemeinde schriftlich verständigt, daß die Qualifikation des Schochet eine mangelhafte sei. Betr. 8. Laut unseren Informationen wollte gerade Rabbiner Brach, sowohl im Interesse der Gemeinde, als auch zur Bequemlichkeit der Familien, einen Bezirksschochet desianiren, daß er in die Gemeinde komme , und zu bestimmten Zeiten die nöthigen Schechita-Funktionen ausübe. Allein der Vorsteher habe dies verhindert, um auch dadurch die Unhaltbarkeit der von ihm selbst geförderten Situation zu demonstriren und den Rabbiner zu schädigen. Betr. 9. Es ist doch merkwürdig, daß ein Vorstand, der doch hierzu von amtswegen keinerlei Befugniß hat, die religiöse Entscheidung eines Rabbiners, in einer eminent religiösen Sache überprüfen will, um dieselbe entweder gnädigst gutzuheißen, oder aber mit überlegener Gewalt zu verwerfen. In jüdischen Reformgemeinden ist eine solche Verschiebung der Kompetenz ckv jure eingeführt. In wahrhaft jüdischen Kehillos kann nur eine zeitweilige Verirrung solche Rechtsbegriffe zeitigen. Betr. 10. Diese Rechtfertigung steht im Widerspruch zur früheren -Ausstellung, wie überhaupt das ganze Hin- und Herlaviren eine gewisse Selbstanklage verräth. In Merito wurde diese Behauptung vom Präsidium der orthodoxen Landeskanzlei in einem offiziellen Schreiben an den Madaer Rabbiner schon vor zwei Monaten als falsche Unterstellung deklarirt. „Jeder gerechte Beurtheiler muß einsehen," heißt es am Schlüsse dieses Schreibens, „daß Ew. Ehrwürden keine Schuld trifft wegen Verzögerung des Schiedsgerichts, daß Sie diesbezüglich frei vom Verdachte sind." Betr. 11. Die Zumuthun'g, daß den rabbinischen Zierden des ungarischen orthodoxen Judenthums durch allerlei Vorstellungen ein iiL-x entlockt wurde, ist so geheuer, daß wir uns es füglich ersparen dürfen, die * Leser des „Israelit" mit derartigen Auseinandersetzungen noch weiter zu belästigen. Doch wollen wir konstatiren, daß bis heute scr* z-pban -rs zvy <L7!'N? weder der Szigeter Rabbiner mit dem fünfgliedrigen Beth-Din, noch einer der übrigen Gedaulim, weder mittelbar, noch unmittelbar den ---- reoozirten. Auch vorige Woche wurden die Rabbiner zu Földcs, Bonyhad und Samson um Intervention angegangen, doch wurde verlangt, daß der Koßoner Rabbiner zuerst die Schechita des geafferten Schochet einstellen lasse. Es ist ja selbstredend, wenn der Koßoner Rabbiner seinen Jrrthum öffentlich widerrufen wird, auch die Konsequenz des p pr£ für ihn aufhört. Bisher ist dies aber nicht 'geschehen. Betr. 12. Die rabbinischen Sympathiekundgebungen für den Koßoner Rabbiner hätten nur dann irgend welche Bedeutung, wenn dieseMn nicht so dis cret behandelt würden. Nicht Rabbiner Brach, sondern seine Gegenpartei hat diesen traurigen Gemeindestreit durch den Druck zu allererst in die weite Öffentlichkeit getragen. Auch die entfernten Anhänger des Koßoner Rabbiners haben sich durch Flugschriften zur Sache legitimirt. Warum gerade die Sympathiekundgebungen der Rabbiner hinter das Scheffel stellen?? Zum Schlüsse wollen wir nur noch eines bemerken: Nichts lag uns ferner, als den Koßoner Rabbiner mit Geringschätzung zu behandeln. Im Gegentheil. Wir haben feine Vorzüge nx^. rmrz mit geziemender Werthschätzung hervorgehoben und der verständnißvolle Leser wird in den Ausführungen auch unser tiefes Bedauern herausgelesen haben, daß ein als drrie«2 anerkannter Rabbiner ein Öpfer der Verirrung wurde. Die traurigen Thatsachen, die wir angeführt haben, waren schon viel früher in verschiedenen hebräischen Druckschriften veröffentlicht. Doch erst nachdem die Entscheidung eines au.s hervorragenden Gedaulim zusammengesetzten Beth Din, durch den Druck publizirt wurde, haben wir uns entschlossen, den ganzen Sachverhalt 'auch im „Israelit" zu veröffentlichen. Zit welchem Zwecke? Nun, die Aufschrift unseres Artikels, sowie der ganze Tenor desselben geben darüber Aufklärung Es kommt leider nur zu häufig vor. daß Rabbiner durch Uebergriffe des Vorstandes, gerade in religiösen Dingen, den größten Kränkungen ausgesetzt sind. Und wehe dem Rabbiner, wenn sein gegnerischer Kultuspräses sich auch noch auf die Autorität eines fremden Rabbiners berufen kann. Q, wir könnten über dieses Thema haarsträubende Geschichten erzählen. Derartige Erscheinungen sind aber nicht Spezialitäten eines Landes; sie haben vielmehr wegen ihres antiken Charakters leider universelle Bedeutung. Der Rabbiner -einer Reformgemeinde muß sich freilich im besten Falle damit begnügen, wenn er dem Herrn Vorsteher in sehr höflicher Form den religiösen Standpunkt in irgend einer rituellen Frage angedeuiet hat. Der Mohr hat dann auch schon seine Pflicht gethan. Das