Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1903)
- Date
- 1903-02-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Glückwunschadresse nebst schönem Geschenk überreichen lassen. — Gemeinden und zahlreiche Privatleute aus der hiesigen Gemeinde und von auswärts, sandten Glückwünsche und theils kostbare Geschenke. Auch vom Herrn Regierungspräsidenten zu Aurich und dem hiesiegen Oberbürgermeister, Herrn Fürbringer, gingen Glückwünsche ein. Am Mittwoch Nachmittag wurde der Herr Jubilar vom ersten Vorsteher, in Begleitung anderer Herren des Schulvorstandes, in das Schullokal geführt, woselbst die Lehrer mit den Schülkindern versammelt^ waren, um ihn in seiner Eigenschaft als Kreisschulinfpektor zu beglückwünschen. Nach Gesang und Ansprache dankte der Jubilar tief gerührt für diese Aufmerksamkeit und bemerkte, daß diese Feier ihm noch die liebste sei. Am gestrigen Sabbat nahm Herr Dr. Löb Veranlassung, von der Kanzel herab der Gemeinde für die Liebe und Verehrung nochmals zu danken. Möge es Herrn Dr. Löb vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren in Rüstigkeit seines Amtes zu walten. .-.-2' "px’ *n Halbcrstadt, 18. Febr. Der jüdische Turnverein in Halberstadt feierte am Sonntag, den 16. d. Mts., sein drittes Stiftungsfest. Fast die gesammte jüdische Gemeinde, Mitglieder des Rabbinats-Kollegiums, der Bne-Brith-Loge. der christlichen Turnvereine u. s. w., waren erschienen, um an der Turnerfeier unseres Vereins theilzunehmen. und diesem, einem der ersten jüdischen Turnvereine Deutschlands, ihr Interesse zu bekunden. Und wahrlich, wer Gelegenheit hatte, die ausgezeichneten turnerischen Uebungen an Reck und Barren zu bewundern, die von unseren wackeren, jüdischen, jungen Leuten mit einer Eleganz und einer Bravour ausgeführt wurden, die sich den besten Leistungen nichtjüdischer Trunvereine stolz zur Seite stellen dürfen; wer die efffektvollen und stylgerechten Pyramiden vor sich aufbauen sah. die mit ihren sehnig-muskulösen Gestalten einen kraftstrotzenden Beweis für die körperliche Regeneration der Judenschaft bilden, wird freudig dem Inhalt der Eröffnungsworte unseres Vorsitzenden beipflichten, der u. a. betonte, daß wir stolz sein können auf die bisher errungenen Erfolge. Auch die anderen Darbietungen des Abends, ein hübscher Prolog, von einem Mitglied gedichtet und gesprochen. ein kleines Theaterstück, von Damen und Herren flott und ausdrucksvoll gespielt, eine burleske Circus-Parodie, die in ihrem drolligen Humor stürmische Ausbrüche der Heiterkeit entfesselte, hatten sich des lebhaften Beifalls der zahlreichen Gemeinde-Mitglieder zu erfreuen. Bis zum frühen Morgen dauerte die Festlichkeit. Möge der Halberstädter Turnverein fortfahren in feinem Bestreben, eine Jugend heranzubilden, die sich nicht nur freudig allen Wissenszweigen zuwendet, sondern auch der nicht zu vernachlässigenden Pflege des Körpers ihre Aufmerksamkeit widmet, getreu dem schönen und wahren Spruch: „Mens sana iu corpore sano”4. Ruhrort, im Febr. Von allgemeinem Interesse ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, weil durch dieselbe die Frage: „Hat der Ehemann auch zu der Kirchengemeinde, der nur die Ehefrau ange hört, Abgaben zu entrichten?" verneint worden ist. Der Vorstand der Synagogengemeinde zu Ruhrort hatte einen Prokuristen A., weil seine Ehefrau zur Zeit der Heranziehung zu 88,32 und 88 Mark für das Etats fahr 1898/99 noch der jüdischen Religion angehörte, verklagt, doch hatte der Bezirksausschuß zu Düsseldorf nach der Zurückweisung der Reklamation des Klägers am 16. Januar 1901 dem bei ihm angebrachten Klageanträge des Kaufmanns entsprechend, auf gänzliche Freistellung des Verklagten erkannt. Gegen diese Entscheidung hatte der Vorstand der genannten Synagogengemeinde Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, ist aber damit kostenpflichtig abgewiesen worden, indem das Erkenntniß des Bezirksausschusses zu Düsseldorf als zu Recht bestehend anerkannt wurde. In den Gründen erklärte das Oberverwaltungsgericht das vom Kläger behauptete Bestehen einer Observanz bezüglich des vorliegenden Falles für nicht nachgewiesen. Es erweist sich auch die verspätete Heranziehung des Klägers zu Beiträgen an die Synagogengemeinde zu Ruhrort für das Etatsjahr 1898/99 als eine unzulässige Nachforderung, da derartige Beiträge nach dem Gesetz über die Verjährungsfristen bei öffentlichen Abgaben vom 18. Juni 1840 im Falle gänzlicher Urberge hung nach dem Ablauf des Kalender-, jetzt Etatsjahres nicht mehr nachgefordert werden dürfen. In den Vorschriften über die Beitragspflicht, namentlich auch eine Bestimmung, daß nicht jüdische Ehemänner solcher Frauen, welche Mitglieder der Synagogengemeinde Ruhrort sind, zu Beiträgen.herangezogen werden dürfen oder sollen, weist das Statut nicht auf; somit fehlt es der Forderung des Beklagten auch an einer rechtlichen Grundlage, woraus sich die. Bestätigung der Vorentscheidung und damit die Entscheidung über die Kosten ergibt. Rnrubcrg, 15. Febr. (Israelitische Lehrkräfte an der Simultan-Volksschul e.) An der hiesigen Simultan-Volksschule muß nach der seinerzeit getroffenen Vereinbarung der Religionsunterricht durch Geistliche ertheilt werden; bei Anstellung der übrigen Lehrkräfte sehen die städtischen Kollegien, denen das Präsentationsrecht für diese zusteht. nicht auf Konfession, sondern auf Tüchtigkeit. So kam es im Laufe der Jahrzehnte, daß auch israel. Lehrkräfte der Regierung präsentirt und von dieser auch angestellt wurden. Gegenwärtig befinden sich nun unter den etwa 700 Volksschul-Lehrkräften ein Lehrer und eine Lehrerin israelitischer Konfession, deren Präsentation, da die Qualifikation eine sehr gute war, von der