Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1903)
- Date
- 1903-02-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44. Jahrgang. eitage zu M 14 des ■Yfi üi Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 18. Febr. Im preußischen Landtage bemerkte der Abgeordnete Funk von der preußischen Volkspartei, gelegentlich der Berathung des Etats der Handels- und Gewerbe-Ordnung: „Diese Vörsengesetzgebung ist ad irato gemacht worden. Wer die Verhandlungen liest, die seinerzeit im Reichstag bei der Berathung des Börsengesetzes und spater bei der Erhöhung der Stempelsteuern geführt worden sind, der kann sich der Wahrnehmung kaum verschließen, daß auch ein gewisses konfessionelles Moment mit in die Sache hineingespielt hat. Dieser Auffassung gegenüber ist es doch interessant, die Krisis des Jahres 1901 zu betrachten. Unter allen Banken, die damals verkracht sind, ist nicht eine einzige jüdische Bank. Es waren sämmtlich christliche Banken, zum Theil sogar sehr fromme Banken. Ich erinnere nur an Sanden und Exner, der sich ausdrücklich immer als judenrein gerühmt hat. Ich habe mit einem Herrn der hohen Finanz darüber gesprochen und der meinte, daß von den 250 Millionen, die vom nationalen Vermögen verwirthschaftet worden sind, über 200 Millionen — das Uebriae mag gestohlen sein — lediglich aus Dummheit verwirthschaftet worden seien, und das hätten die Juden wahrscheinlich nicht fertig gebracht. (Heiterkeit.) Das ist doch charakteristisch." ' Bremen, 17. Febr. Am 15. d. Mts. hielt der Großherz. Landrabbiner, Herr Dr. Mannheimer aus Oldenburg, in unserem „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" einen Vortrag über das Thema: „Erziehung, Bildung, Charakter einst und jetzt." Man sieht hier alljährlich mit besonderer Spannung dem Vortrage dieses hochbegabten Redners entgegen, der durch seine Originalität stets die Aufmerksamkeit zu steigern versteht. So war auch diesmal der Saal bis auf den letzten Platz dicht besetzt, und die Anwesenden begrüßten schon bei seinem Auftreten den beliebten Redner durch stürmischen Beifall. Herr Dr. Mannheimer entwarf eine wunderbare Charakterstudie aus dem jüdischen Volksleben vergangener Zeiten, im Vergleiche mit der Gegenwart, zog Parallelen zwischen dem einstigen herrlichen Thorastudium und dem heutigen Streben nach Kenntniß der jüdischen Geschichte unp Litteratur, zeichnete die verschiedenen Begriffe von Bildung, die ja heute bei den Juden oft so falsch verstanden würden, indem man Bildung mit Aufgeklärtheit.? und Abfall identifizirt, und schilderte den jüdischen Volkscharakter im. Gegensätze zum Einzelcharakter. Dabei zog sich ein feiner Humor 'und ein beißender Sarkasmus durch den ganzen Vorträg, der^ seine Wirkung nicht verfehlte. Das ganze schöne Gemälde war mit einem Baume verglichen, dessen Würzet'; Erziehung, dessen Stamm Bildung, und dessen Krone; Charakter sich nennt. Der herrliche Vortrag wird noch lange in den Herzen der Zuhörer nachhallen. ' . Emden, 15. Febr. Am xro nz& konnte unser allverehrter Landrabbiner, Herr Dr. Lob, auf eine. 25jährige, segensreiche Wirksamkeit als Rabbiner zurückblicken; denn vor 25 Jahren hielt er auf seiner ersten Stelle in Samter (Posen) an diesem Schabos seine Antrittsrede. Obgleich Herr Dr. Löb hier erst neun' Jahre als Landrabbiner wirkt, hat er sich, um die Hebung der religiösen Institutionen so verdient gemacht, und ist in den Gemeinden derartig beliebt, daß sich auf Anregung der hiesigen Gemeinde, sämmtliche Gemeinden des Bezirkes zusammenschlossen, um durch Festlichkeiten, Ovationen und Geschenke ihm ihre V6r< ehrung zu bekunden. Als jedoch der Jubilar erfuhr, daß eine größere Feier in Aussicht genommen sei, ' lehnte er entschieden eine solche ab, und suchte sich durch eine Reise allen -Ovationen zu entziehen. Indessen hatte es sich die Gemeinde nicht nehmen lassen, den Jubilar in Anerkennung seiner Verdienste, nach seiner Rückkehr die ihm zugedachten Ehrungen zu Theil werden zu lassen. Am Mittwochden 11.' dieses Monats, erschien eine Deputation des Gcmeindevorstandes, unter Führung des Herrn Jakob S. P e l s; und überreichte dem Jubilar eine kunstvoll ausgestattete Adresse, nebst sinnigem Geschenk. Der Herr Jubilar war im höchsten Grade überrascht, und dankte auf die schwungvolle Ansprache des Herrn I. S. Pels in. tief-' bewegten Worten für die ihm zu Theil gewordene Ehrung, und wies in bescheidener Weise darauf hin, daß das, was er gethän und gewirkt habe, nicht mehr als seine Pflicht gewesen sei. Sodann überreichte Herr Hauptlehrer Selig Namens der Mitglieder des Vorstandes und der Vaukommission des für den Land-- rabbinatsbezirk Emden hier bestehenden Waisenvereins Esrath-Jessomim, dessen Vorsitzender Herr. Dr.- Löb ist, eine Glückwunschadresse, und. hob.bei: dieser Gelegenheit hervor, welche Verdienste der Jubilar um das Aufblühen des Vereins sich, erworben habe, wierastlos er bestrebt war, überall innerhalb des Bezirks, wie auch in den größeren. Gemeinden Deutschlands,.' durch Sammlungen das Vermögen des Vereins auf eine* solche Höhe zu bringen, dass in. kurzem der Bäu des, Waisenhauses in Angriff genommen werden kann, Der Lehrerverein der. Rabbinatsbezirfe Emden- Oldenbura-Bremen hat durch seinen Vorsitzenden,' Herrn Hauptlehrer L e v Y - Norden, .. ebenfalls eine