Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-02-19 · Heft 14 (19.2.1903) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 14 (19.2.1903)
Date
1903-02-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449905--57682-2520404
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6et, u. A. -er Direktor des kaiserl. Konservatoriums, Senator Tscheremissinoff. und der Vize-Direktor der kaiserlichen Bibliothek, Staffow. — Am Nachmittag fand in der von Baron H. Günzbürg gestifteten Waisenanstalt, in der die Zöglinge für den Handwerkerstand erzogen werden, eine Mer statt, bei welcher hebräische und ruffische Chöre meisterhaft vorgetragen wurden. Am Sonntag begann schon am frühen Morgen der Empfang von Deputationen in der Wohnung des Jubilars. Sie alle aufzuzählen, ist rein unmöglich, von ihnen sei nur eine Abordnung der Börsenkammer, unter Führung des Präsidenten Proforoff, erwähnt. Gegen 11 Uhr erschim Finanzminister Witte und überbrachte im Namen des Czars die Insignien des Annenordens erster Klaffe. Baron Günzbur besitzt unter zahlreichen anderen Orden schon von früher her den russischen Stanislausorden erster Klasse, ist wirklicher Staatsrath mit dem Titel „Excellenz". Der Minister theilte mit, Czar Mkolaus II. habe erklärt, er freue sich, dem vielverdienten Manne auch seinerseits ein besonderes Zeichen seiner Anerkennung zu geben. Da im Hause nicht alle angemeldeten Vertretungen von Städten und Korporationen empfangen werden konnten, hatte dir Direktion des Konservatoriums den Konzertsaal zur Verfügung gestellt, wo sich um halb 2 Uhr Nachmittags alle Abordnungen und ein geladenes Publikum einfanden und den herrlichen Saal und die Galerie bis auf das letzte Plätzchen füllten. Das Podium war in eine mit Teppichen und Blumen reich geschmückte Estrade umgewandelt, und im Fond ein Ehrenplatz für den Jubilar errichtet. Links von diesem waren Stuhle für seine Familienmitglieder aufgestellt. In den vordersten Reihen des Parquetts sah man die glänzenden, mit Ordens-Sternen und Bändern reich geschmückten Uniformen von Generalen und hohen Staatswürdenträgern, und weithin bis auf die letzten Bänke saßen Damen und Herren aus der besten Gesellschaft. Ms Baron Horaz Günzburg, gefolgt von der glänzenden Schaar feiner Kinder und Enkel, den Saal betrat, erhob sich ein nicht endenwollender Applaus, von rauschenden Müsikklängen begleitet. Der Jubilar ließ sich auf den Ehrenplatz nieder, Hm zu Seiten der Präsident des Petersburger Festkomitee, Wärschawski, und der Präsident der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung und Aufklärung in Rußland", Halperin. Auf den Stühlen nahmen die sechs Söhne des Jubilars, eine Tochter — Frau Mathilde v. Gutmann aus Wien — die Schwiegertöchter und Enkel Platz. Der Tempelchor executirte einen Hymnus und Herr Warsch'awski eröffnete die Festversammlüng mit einer kurzen. Ansprache. Als er hervorhob. Laß Minister Witte heute persönlich dem Jubilar den hohen Orden uberbrachte, erhob sich ein unbeschreiblicher Jubel. Chor und Musik intdnirten die russische Hymne, die Alle stehend großtentheils mitsangen. Nun begann der Aufruf der Deputationen durch das unermüdliche Komiteemitglied Feinberg, die, etwa 60 an der Zahl, nach einander die Estrade bestiegen, durch ihre Sprecher den Jubilar beglückwünschten und reichverzierte Adressen überreichten, die, in russischer oder hebr. Sprache abgefaßt, auch verlesen wurden. Aus der Zahl dieser Abordnungen seien nur einige erwähnt. Zuerst sprach der ehemalige Minister für Volksaufklärung und gegenwärtige Staatssekretär, Geheimrath Saburoff. als Vizepräsident des Komitees der „Russischen Gesellschaft zum Schutze der Frauen", und verlas ein von der Präsidentin dieses Komitees, der Prinzessin Helene von Sachsen-Altenburg, an den Jubilar gerichtetes Schreiben. Saburoff sprach auch im Namen des „Hauses der Barmherzigkeit." Für die Gesellschaft der Musikfreunde erschienen u. A. die Direktoren Bernhard und Tscheremissinoff, General Kui und der Violinvirtuose, Professor am Petersburger Konservatorium, Leop. v. Auer. Graf Muffin-Puschkin sprach im Namen von vier Gesellschaften, Bildhauer Ginzburg, ein Schüler Antokolski's, im Namen der Gesellschaft der bildenden Künstler, Frau Nitschaieff für die..Cours supörieurs pour femmes‘;: es erschienen ferner Abordnungen der Gesellschaft der Aerzte und der Studenten und Studentinnen der verschiedenen Hochschulen. Baron Günzburg hielt allen Deputationen drei Stunden lang wacker Stand und antwortete jeder in liebenswürdigen, geistreichen Worten. Und als er zum Schluffe nochmals allen zufammen seinen Dank abstattete und-unter anderem sagte, er hörte, daß sich der Antisemitismus auch in die russische Gesellschaft einschleiche, ein Blick aber auf so viele illustre Vertreter dieser Gesellschaft ihn belehre, daß dies nicht wahr sei, da erhob sich, besonders auf Seite der christlichen Gäste, ein rauschender, minutenlanger Applaus. Es seien zum Schluffe noch aus der schier unendlichen Zahl der Depeschen die der Gräfin Adlerberg, der Wittwe des Ministers Alexanders II., Kowalewski, des Staatssekretärs des Ministers Witte, und des Wiener Oberrabbiners Dr. Güdemann erwähnt. Gratuliert haben ferner noch Minister Jermoloff und der Statthalter. des Gouvernements St. Petersburg, Klägels. Am Abend beschloß ein Familiendiner und-hierauf ein Konzert im Hause des Gefeierten, zu welchem hervorragende Vertreter der Generalität und der obersten Hofämter, sowie der obersten Gesellschaftskreise erschienen waren, die Jedem unvergeßlichen Festtage. Dr. A. Kapralik.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.