Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1903)
- Date
- 1903-02-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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bereit erklärt hat, ist Mer auch den weitgehendsten Anforderungen in dieser Beziehung Genüge geleistet. Unserem Unternehmen wird in der Stavt Posen warmes Interesse und volles Verständniß entgegengebracht. Für die Aufnahme von Eleven und die Einrichtung einer rituellen Küche waren Neubauten erforderlich, die binnen kurzem vollendet sein werden; dann wird definitive Aufnahme von Schülern erfolgen können. Verschiedene Anmeldungen sind bereits eingelaufen. Wir wollen nicht versäumen, auch an dieser Stelle zu betonen, daß nur völlig gesunde und kräftige junge Leute Aufnahme in Neuhof erlangen können, wollen wir doch die Grundlage zu einem gesunden Bauernstand legen. Der Verein zählt jetzt 47 Ortsgruppen und 1400 Mitglieder (gegen 34 Ortsgruppen und 1006 Mitglieder im Vorjahre.) Die jetzigen Jahresbeiträge belaufen sich auf 6800 Mk. gegen 3700 Mk. im Vorjahre. Berlin, 16. Febr. (Sitzung der Repräsentanten - Versammlung.) Herr Redakteur Klausner hat einen Protest geg'en die neugewählten Gemeindevorsteher eingelegt. Frau Alwine Lachmann hat der Armen-Kommission 6000 Mk. geschenkt. Das Doppelgrab der Jonas Seelig'schen Eheleute, welche der Gemeinde früher Schenkungen zugewandt haben, ist in Gemeindepflege genommen worden. Ein Antrag von Mitgliedern der Versammlung auf Einsetzung einer gemischten Kommission zum Entwurf Lines Programms für den Bau eines neuen Krankenhauses wurde in die geheime Sitzung verlegt. Der Antrag eines Mitgliedes der Versammlung auf Einsetzung einer gemischten Kommission zur Berathung, in welcher Weise zu verfahren sei, wenn Mitglieder der Verwaltungs-Kommissionen vom Vorstand und den Repräsentanten gemeinschaftlich zu wählen sind, wird in etwas veränderter Form angenommen. Die Petition eines Mitgliedes der Versammlung gegen die Behandlung des Punktes 5 der Tagesordnung vom 1. Februar d. I. wird zurückgezogen. Es folgen Vorlagen betr. die Neubildung von Verwaltungs-Kommissionen. Mit wenigen Ausnahmen bleiben die früheren Mitglieder im Amte. Bei Punkt 9, Waisenhaus-Kommission, bemerkt Herr Oppenheim, daß es wllnschenswerth sei, ein Mitglied des traditionellen Judenthums in die Kommission zu wählen. Von Seiten des Vorstandes entgegnet Herr Landgerichtsrath Löwe, daß man unter Tradition Verschiedenes (! Red.) verstehen könne. Im zweiten Waisenhause in Pankow gehe alles gesetzlich zu. Einen Maschgiach würden sich die Herren nicht gefallen lassen. Herr Geheimrath Blument h a l schließt sich dem Antrag des Herrn Oppenheim an. Es gehe in Berliner Waisenhäusern nicht zu, wie es solle, er wolle keine Namen nennen. Herr Professor B l a s ch k e richtet an Herrn Geheimrath Blumenihal die Frage, ob er das Reichenheim'sche Waisenhaus meine. Da Herr Geheimrath Blumenthal schweigt, so ruft Herr Prof. Blaschke unter großer Heiterkeit der Versammlung aus: „So erkläre ich denn hier vor aller Oeffentlichkeit, daß im Reichenheim'schen Waisenhause Alles gesetzlich zugeht." Hierauf wird die öffentliche Sitzung geschlossen. E. R. . Frankfurt a. M. (Das I u d e n t h u m und die Kultur.) Im großen Saale der Frankfurt- Loge hielt Professor Dr. Cohen aus Marburg am Samstag Abend einen Vortrag über die Bedeutung des Judenthums für die Kultur. Er behandelte die Frage von religions-philosophischen und politischen Gesichtspunkten aus, und legte den besonderen Einfluß des Judenthums und der jüdischen Lehre auf den sittlichen Fortschritt und auf die Kultur dar, wobei er unbedingt an der Originalität der Offenbarung festhielt. Der Redner ging davon aus, daß auch der reformatorische Glaubensbegriff und jeder weitere Fortschritt im Protestantismus im Grunde genommen eng mit dem jüdischen Prophetismus Zusammenhänge und ohne diesen nicht möglich sei, und daß die moderne Kultur der jüdischen Religion nicht entrathen könne. Der Zusammenhang zwischen Religion und Politik und damit auch mit der Kultur überhaupt hat sich im Judenthum namentlich in der Ausprägung der Grundzüge der Freiheit und Gleichheit gezeigt, ebenso auf sozialem Gebiet in der Sonntagsruhe für Herrn wie Gesinde. Die Nächstenliebe war dem Judenthume keineswegs fremd, und statt des bloßen Evangeliums der Armen sei der soziale Rechtsgedanke staatlich durchgebildet worden. Auch das „Auge um Auge, Zahn um Zahn," bedeutet kein bloßes Vergeltungsprinzip, sondern den größten rechtlichen Fortschritt, weil der Herr, der seinen Sclaven körperlich schädigte, dadurch den Besitz des Sclaven verlor; es wurde damit also eine rechtliche Gleichstellung auch für den Sclaven eingeführt. Als das höchste Verdienst des Judenthums um die Sittlichkeit bezeichnete der Vortragende die Schaffung des Begriffs der Menschheit im Sinnbild des Messias, das heißt den Blick auf das Einst, das die Menschheit vereinigt. Dieser Messianismus, der auch die sittliche Forderung der Abschaffung des Krieges in sich begreife, stehe im Gegensatz zu dem Machtstaat, dem Staate des Egoismus, er bedeute die Einheit der Menschheit und werde damit zur Weltgeschichte. Der Wesentlichsteunterschied zwischen Christenthum und Judenthum sei darin zu finden, daß der messianische Glaube an die Zukunft davon ausgehe, daß das Reich Gottes auf Erden zu erreichen sei, die christliche Religion auf das Jenseits und die irdische Erlösung verweise. Nach der jüdischen Lehre müsse der Mensch seine Erlösung selbst vollbringen. Eine Religion mit so tiefen Kulturgedanken, so meinte der Redner in seinen Endbetrachtungen, rönne nicht vom Schauplatz der Kultur verschwinden, und er schloß mit einer Mahnung gegen den Abfall vom Judenthum,