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Der Israelit · 1903-02-16 · Heft 13 (16.2.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 13 (16.2.1903)
Date
1903-02-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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werden wolle. Den dritten Eid mußten die Völker der Erde leisten, daß sie Israel im Exil nicht allzusehr 6e* drücken wollten. Wir haben die beiden ersten Eide bis auf den heutigen Tag treu und gewissenhaft gehalten, jedenfalls treuer und gewissenhafter, als der dritte von den Völkern gehalten wurde und wird. — Unsere Sehnsucht nach Zijaun und Jeruscholajim unterscheidet sich von der zionistisch-nationaljüdischen Schwärmerei und Zukunftsmusik in jeder Beziehung so sehr, daß wir in dem Kopfschütteln der zionistischen Partei angesichts unseres Verhaltens dieser in das materell praktische - Leben und die soziale Läge des gesammtjüdischen Volkes allerdings tiefeinschneidenden Frage gegenüber, nur einen glänzenden Beweis mehr für die im zionistischen Lager über jüdische vulgo orthodoxe Anschauungen und Prinzipien thatsächlich bestehende Unklarheit und Begriffsverwirrung erblicken können. Vielleicht wird es dem offenen Worte, das wir uns zur gegenseitigen Verständigung an die sog. Nationaljuden zu richten erlaubt, haben, gelingen, zur Berichtigung dieser unklar verschwommenen Ansichten über Juden und Judenthum und zur Beseitigung dieser beklagenswerthen Begriffsverwirrung ein Weniges beizutragen. Es liegt uns fern, von Jedem zu v e r l a n gen, daß er sich zu unseren Ansichten bekenne. Wir zwingen keinen. Die jüdische Orthodoxie war niemals fanatisch, und sie ist es auch heute nicht. Sie verlangt nur, daß man s i-r in Ruhe lasse und von ihr nichts verlange, was ihrem innersten Wesen fremd ist. So antworten wir denn auch auf die Frage, die dem orthodoxen Juden in der Gegenwart so oft vorgelegt wird, ob wir mit sog. Nationaljuden an der Lösung irgend einer das Judenthum in irgend einer Beziehung berührenden Frage Zusammenarbeiten können. - und dürfen, selbst auf die Gefahr hin, von Andersdenkenden der Herzlosigkeit, der Intoleranz und des Fanatismus beschuldigt zu werden, mir einem lauten ..nd entschiedenen: Nein! denn ihre Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und ihre Wege sind nicht unsere Wege! * * * In einer vor kurzem erschienenen Agitationsschrift: ..Der Zionismus von Dr. Max Nordau", wird die Mission des Judenthums, die darin bestehen soll, daß . die Juden ewig (?) unter den Völkern in der Zerstreuung leben müssen, um ihnen Lehrer und Vorbilder - der Sittlichkeit zu sein, und sie allmälig zu einem Nationalismus, zur allgemeinen Menschenverbrüde- '.ung und zu einem idealen Kosmopolitismus zu erziehen, als ein seit hundert Jahren in Schwang gekommenes RabbinerundLitteratengeschwätz bezeichnet, über das die neuen Juden dir Achsel zucken, indem sie diesen Missions- D ü n k e l für eine Anmaßung oder für eine Thorheit erklären. — Der neue Zionismus, den man den politischen nennt, unterscheide sich vom alten, religiösen, messianischen darin, daß er aller Mystik entsagt, sich nicht langer mit dem Messianismus identifizier die Rückkehr nach Palästina nicht von einem Wunder erwarte, sondern sie dur.ch eigene Anstrengung vorbereiten will. — Das beschämende Bewußtsein, daß der Antisemitismus der Vater des Zionismus ist, zwingt den Verfasser, einzugestehen, dass mancher gebildete Jude, der nur durch den Antisemitismus zum Wiederanschluß an das Judenthum gedrängt wurde, wieder abfallen würde, wenn seine christlichen Landsleute ihn freundlich aufnehmen würden, verleitet ihn aber auch, zu behaupten, daß bei den meisten Zionisten der Antisemitismus nur eine Nöthigung gewesen sei, über ihr Verhältniß zu den Völkern nachzudenken, und daß dieses, ihr Nachdenken, sie zu Ergebnissen geführt habe, die ihr dauernder Geistes- und Gemüthsbesitz bleiben würden, auch wenn der Antisemitismus gänzlich aus der Welt verschwände — eine Behauptung, deren Richtigkeit man freilich auf Treu und Glauben hinnehmen muß. Es werden drei Arten von Zionisten unterschieden: Gebildete, freie Juden, die aus eigener Krastanstrengung, frei von jedweder „Mystik", das Werk der Erlösung vollbringen wollen; ferner instinktive Gefühls-Zionisten, die nicht ganz frei sind von mystischen Tendenzen, in ihren Zionismus „meffianisch: Reminiscenzen" (!) Hineinspielen lassen, ihn mit religiösen Emotionen (!) durchsetzen, dabei die Nothwendigkeit eigener Anstrengungen begriffen haben, organisationsbereit und opferwillig sind; drittens reinreligiöse Messianisten, die in „gebetseliger Passivität"(!) verharren. Von diesen drei Arten wird die erste als die jüdische Elite bezeichnet. — Gegen Ende der Schrift wird noch einmal betont, daß gerade die Abwesenheit jedes mystischen Elements den Zionismus kennzeichne, daß er seinen Anhängern kein Wunder verspreche, ihnen vielmehr immer einschärfe, daß ihre Befreiung aus einer als unleidlich empfundenen Lage nur ihr e i g e n es Werk, nur die Frucht einer langen, schweren, allgemeinen Anstrengung sein könne. — Wer überzeugt ist. daß die Juden ein Volk sind, der müsse nothwendig Zionist werden, da nur die Rückkehr in das eigene Land das überall gehaßte, verfolgte und unterdrückte Judenvolk vor leiblichem und geistigem Untergänge bewahren könne. Die zionistischen Vereine sorgen, wie der Verfasser selbst erzählt, allenthalben dafür, daß ihre Mitglieder mit der heiligen und profanen Litteratur in hebräischer Sprache vertraut werden. Wenn nach zionistischer Anschauung die „heilige" Litteratur auch die heilige Schrift umfaßt, dann scheinen diese Vereine noch nicht viel geleistet zu haben. Sonst hätte dem Verfasser jene Bibelstelle nicht entgehen können, wo Gott Seinem

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