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Der Israelit · 1903-02-16 · Heft 13 (16.2.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 13 (16.2.1903)
Date
1903-02-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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44* Jahrgang. zu M 13 des WM mm MtismWtchM ein WutziljukliAiii! €tn Wort zur Verständigung. Bon Raphael Breuer. (Schluß.) Die Sehnsucht nach Zijaun und Jeruscholajim, nach der Wiederaufrichtung des jüdischen Staates und der Wiederherstellung der Selbstständigkeit Israels, ste hat bei uns einen ganz anderen Inhalt, eine ganz andere Bedeutung. Was ist der Ursprung, was ist der Zweck von Zijauns und Jeruscholajims Fall? Und was ist der Zweck unserer Zerstreuung? Genußsucht hat, wie die Weisen berichten, den ersten Tempel, Selbstsucht den zweiten Tempel zu Fall gebracht. Unsere eigenen Sünden und Verirrungen find demnach alleiniger Ursprung des Verlustes unserer politischen Selbstständigkeit gewesen. Der Zweck unseres Falls und unserer Zerstreuung kann demnach Lein anderer sein, als daß wir geheilt werden von unserer Genuß- und Selbstsucht und uns in Ehrfurcht und Gehorsam hinauf erheben zu Gott, der uns die Leiden sendet und uns hinausgewiesen in das tausendjährige. Exil. Unsere staatliche Macht ist gebrochen, der Tempel liegt in Trümmern, gewichen ist Glanz und Herrlichkeit aus Israels Mitte. — ohne jede äußere Stütze, umtost von den brandenden Wogen des Judenhasses, wandern wir durch die Zeiten- und Völkerwüste — und nichts haben wir mitgenommen auf unserem nächtig dunklen Leidensgang, als Gott und Seine Thauroh. So sollen wir lernen, bis wir'S nimmer wieder vergessen können, daß wir kein anderes Gut haben, als Thauroh, keine andere Macht, als Gott, und daß unsere Lebensaufgabe in Glück und Unglück besteht im Gehorsam gegen Gott, in Erfüllung Seiner Thauroh. und daß wir uns gegenseitig lieben sollen als Kinder eines Gottes, als Genossen eines Bundes, als Träger eines Geschicks. Seitdem der Tempel in Trümmern liegt, ist es nicht die politische Macht, nicht die staatliche Organisation und ein völkerrechtliches Dasein, welche Israel vor dem Untergang bewahren — das alles ist längst geschwunden, und nur Gott kann uns die vergangene Herrlichkeit wiedergeben, und Er wird sie uns wiedergeben, wenn wir und die Menschheit hinaufgeblüht sein werden zum Höheziel des jüdischen Menschheitsideals. Der Kitt, der die zerstreuten, von einander gerissenen Glieder des jüdischen Volkskörpers wieder vereinigt und Zusammenhalt, das Band, das uns alle miteinander verknüpft,, wo wir auch sein mögen, und wie sehr auch unsere soziale Lage, unser äußeres Glück, unser materielles Wohlergehen und das Geb'iet verschieden sein mag, auf dem wir uns körperlich und geistig „ausleben" können, wie der ebenfalls einem fremden Anschauungskreise entlehnte, vielgebrauchte Ausdrück lautet, dieser Kitt und dieses Band ist.in unserer tausendjährigen Golusvergangenheit nicht Staat, nicht öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina, nicht „Gliederung und.Zusammenfassung der gesammten Judenfchaft durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen, nach Maßgabe der Landesgesetze", nicht „Stärkung des jüdischen Selbstgefühls und Volksbewußtseins" gewesen, wie. das Baseler Programm die zionistischen Bestrebungen zusammenfaßt — sondern einzig und allein Thauroh - gewesen— und dieser Kitt und dieses Band wird Thauroh bleiben, bis Er, der Allmächtige, Große,, der in Seiner Allmacht und Größe allein unser Golußgeschick von uns nehmen kann, bis Gott Zijaun und Jeruscholajim wieder erstehen lassen wird in alter Pracht und Herrlichkeit. Wir können uns sehr wohl ein jüdisches Volk denken und vorstellen, das gehetzt, verfolgt, gemordet und verbrannt, in elender Knechtesgestalt unter feindselig gesinnten, wuthentbrannten Völkern, ein erbärmliches Dasein fristet, ein jüdisches. Volk ohne jüdischen Staat, ohne völkerrechtliche Existenz und politische Vertretung — und dieses jüdische Volk kann im Innern trotz seines namenlosen Elends in beneidenswerther, geistig-sittlicher Vlüthe dastehen. Wir können es uns deßhalb denken und vorstellen, weil wir in einer Gott- und thaurohlosen Zionssehnsucht entweder die vorübergehende Gefühlsduselei eines plötzlich erwachten Nationalbewußtseins, oder den lächerlichen Humbug eines beschränkten, hirnverbrannten Utopisten sehen, weil, um es kurz zu sagen, unter den charakteristischen Eigenschaften der jüdischen Nation uns Gott und Thauroh das p r i - märe, staatliche Organisation und. materielles Wohlergehen das secundäre sind. Wie wir uns die Wiedervereinigung der zerstreuten Glieder des jüdischen Volkskörpers im heiligen Lande zu denken haben, darüber brauchen wir uns schon deßhalb keiner Spekulation hinzugeben,. weil die Beendigung unserer Golüßzeit nur das Werk Desjenigen sein wird, der uns in die vielhundertjährige Go-. lußnacht hinausgesendet. Drei Eide, so erzählen die Weisen des Talmud, hat Gott auferlegt, als er Israel die große Wanderschaft durch die Völker- und Zeiten-, wüste antreten ließ. Israel mußte schwören, daß.es niemals versuchen werde, sich seine Freiheit^ seine Unabhängigkeit, sein staatliches Sonderdasein aus eigener Kraft u. Machtvollkommenheit zu erringen, daß es ferner niemals den Völkern, die es ausgenommen, untreu

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