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Der Israelit · 1903-02-16 · Heft 13 (16.2.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 13 (16.2.1903)
Date
1903-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Und nachdem sich die beiden Herren verständigt hatten, wurde zur Wahl geschritten/ Der bisherige Richter, der Jude Salomon Hacker, der dieses Amt bereits zwölf Jahre ausübt, und nach . dem eigenen Ausspruch des Oberstuhlrichters der beste Richter seines Bezirkes war, hatte neuerdings kandidirt, neben diesem aber auch drei christliche Kandidaten. Für zwei dieser Kandidaten fanden sich überhaupt keine Wähler, und so standen sich blos der jüdische und ein christlicher Kandidat gegenüber. Es wurde durch Erheben der Hände abgestimmt, und da ergab es sich, das; der bisherige Richter, nämlich der Jude Salomon Hacker, die überwiegende Majorität erhalten habe. Damit konnte.sich nun der Oberstuhlrichter nach den Intentionen des Forstmeisters nicht zufrieden geben. und er ordnete die namentliche Abstimmung an. Diese ergab 60 Stimmen für Salomon Hacker und 30 Stimmen für den anderen Kandidaten. Da war also lolebcr der Jude gewählt worden, folglich mußte man weiter gehen. Man fragte den Oberstuhlrichter, ob auch durch Vollmachten abgestimmt werden könne, was der Stuhlrichter bejahte, trotzdem es ungesetzlich ist, da die Vollmachten schon vor der Wahl deponirt werden müssen, wie dies auch von der Partei Hacker's geschehen ist. Da aber Herr Molnar die Erlaubnis; ertheilte, ging man im Hofe an die Herstellung von Vollmachten, die man ganz einfach auf Papierfehen schrieb. Ein Mensch schrieb alle Vollmachten, unterschrieb die Namen der Vollmachtgeber, ebenso die Namen der Zeugen, und diese Papierfetzen galten als vollwerthige Stimmen. Die Vertrauensmänner Hacker's protestirtcn fortwährend, sie baten den Oberstuhlrichter, doch nur einen Blick in den Hof zu werfen, damit er sehe, wie da vorgegangen wird, aber er ließ sich nicht bewegen, er meinte nur immer, sie könnten ja rekuriren, und nachdem .25 Vollmachten abgegeben waren, und sich so eine Majorität von einer Stimme für den christlichen Kandidaten ergab, wurde die Wahl rasch geschlossen. Es waren noch einige Wähler für Hacker da, die aber wurden nicht mehr angenommen, sie wurden barsch abgewiesen, und so wurde denn der Gegenkandidat Hacker's, als mit einer Stimme Majorität gewählt, zum Richter deklarirt. Ueberflüssig zu bemerken ist. daß der rare Forstmeister, der bei Juden bedienstet, die Seele dieser Wahl war und als Vertrauensmann fungirte. So werden in Ungarn heute, in der Zeit von Recht, Gesetz und Gerechtigkeit. Wahlen gemacht. Allerdings handelt es sich da blos um einen Gemeinderichter, aber trotzdem ist der Fall interessant genug, denn er liefert ein krasses Beispiel dafür, wie die ausübenden Organe unseres Ministers des Innern seinen Intentionen gerecht zu werden versuchen." Und Solches geschah im freiheitlichen Ungarn, in einem von einer ritterlichen Nation bewohnten, großen Königreiche, das bislang gegen jedwede Antisemitenseuche immun geblieben. Doch wo liegt denn eigentlich dieses Oedenburg? Knapp an der. österreichischen Grenze. Jst's da ein Wunder, wenn der Antisemitismus über die nahe Grenze herübergeschmuggelt wird? D. H. S. Eperjes, im Febr. Ein Schrei des Jammers durchzieht die ungarisch-jüdische. Gemeinschaft der Gesetzestreuen! Der ungarische Finanzminister, der Minister eines humanen Staates der freien Konfessions- Ausübung, hat die drakonische Verordnung erlassen, die den israelitischen Trafikanten die Heiligung des Sabbats unmöglich macht. Die Licenzinhaber einer königl. ungarischen Trafick müssen ihre Ladenthüre auch am Samstag offen halten, wenn sie ihres Brodes, nicht verlustig werden wollen. Am Sabbat müsse der Jude sein Tabakgeschäft ganz so betreiben, wie es der Christ am Sonntag thun muß. . Begreiflicher Weise hat diese, das alte Judenthum so hart auf's Haupt treffende ministerielle Verordnung nicht verfehlt, die größte Bestürzung im gesetzestreuen Lager hervorzurufen, und diese Gesero war es hauptsächlich, die die Durchführungs-Kanzlei der ungarischen Orthodoxie bewog, eine allgemeine Rabbiner-Konferenz nach der Hauptstadt einzuberufen, die denn auch in großem Stile diese Woche in Budapest tagte. (Die .Berichterstattung über diese, wichtige o’jnn'.nb'e» sei .hiermit Ihrem Pester Correspondenten Überlassen.) Auch exponirte sich die jüdische Presse mit begeistertem Eifer für eine radikale Stellungnahme gegen diese Verletzung eines der Grundpfeiler des Judenthums, .des L'-np nzv und brachte unter anderem die „Ungarische Wochenschrift" die Mittheilung, daß Herr Abgeordneter- Dr. Soma Wisontay energische Schritte eingeleitet hat, um die Vollziehung dieses ministeriellen Erlasses, gänzlich aufzuheben oder wenigstens hintanzuhalten. Während aber in Budapest alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden und nach Mittel und Wegen zur Abwehr dieser drohenden Gefahr des Schabbos u. der jüdischen „Parnose" gedacht und gefahndet wird, trat die gefürchtete Verordnung dieser Tage in Kassau gesetzlich in Kraft. Sämmtliche israelitische Trafikläden, die sich weigerten, Samstags ihre Geschäfte offen zu hatten, wurden behördlicherseits geschlossen und der Licenz für verlustig erklärt. Unzähligen Familien droht das Gespenst der Vrodlosigleit, und unzählige jüdische' Seelen laufen der Gefahr — wegen der Parnose der Gewalt des Gesetzes sich beugend — in zu verfallen. Da thut dringende Hülfe schleunigst Noth, wenn es noch eine.Rettung gibt. Greifet ein, Ihr Männer des Einflusses, und geht somit der Hülfe Gottes, die sich ganz gewiß auch hier bald zeigen wird, entgegen. - Greifet ein, solange die Verwirklichung der Verordnung noch leine weitere Dimensionen annimmt, denn Verzögerung ist Verschlimmerung.

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