Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 13 (16.2.1903)
- Date
- 1903-02-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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keil), und kannte besser die übrigen Theile des Prozesses." — - ' . Eötvös kam sodann auf einen anderen Theil des Fachurtheils der Professoren über den Leichnam zu sprechen, aus'welchem nicht zu ersehen war, daß die Leiche 79 Tage im Wasser und nachher ein halbes Jahr im Sandboden vergraben liegen konnte. Er wies auch die Lückenhaftigkeit dieses Theiles des Gutachtens nach und schloß sodann seinen Vortrag mit folgenden Worten: „Der große Prozeß weist auch viele Geheimnisse von ärztlichem Standpunkte auf; einige Fragen hat er aber für die gerichtsärztliche Medizin gereist. Kein zufälliges Verdienst ist es, daß auch ich in diesem großen Prozeß die Wahrheit gesucht habe. (Stürmischer Beifall und Applaus.) Ein großer Theil der Zuhörer versammelte sich nach dem Vortrag in der Restauration Klivenyi zu einem Bankett, welches einen animirten Verlauf nahm. Bei dieser Gelegenheit brachte der Vizepräsident des Kasinos, Dr. Jakob Schulhof, einen schwungvollen Toast auf ELtvös aus; Dozent Dr. Arthur Schwarz ließ die in Begleitung Eötvös' erschienenen Gäste hochleben. ELtvös toastirte auf die Aerzte, Dozent Dr. Max Schächter brachte einen geistreichen Trinkspruch auf Eötvös, den Schöpfer der großen Gedanken, aus, Dr. Ignaz Lang toastirte auf ELtvös, den einstigen Führer der ungarischen Jugend, Reichstagsabgeordneter Ludwig Olay auf die Aerzte, Tencer auf Eötvös und Dr. Eduard Reiner auf die ärztlichen Kollegen. ZettrmgSrrachrrHLen und Corresporrderrzerr. Deutschland. Affaltrach, 10. Febr. Ein anonymer Einsender übt in Nr. 11 des „Israelit" eine sehr verspätete Kritik an meinem Aufsätze in Nr. 92 des „Israelit" . vom v. I. und Nr. 47 des „Lehrerheim" v. I. 1902. Dabei will der Einsender gefunden haben, daß meine Ausführungen in genannten Blättern sich nicht decken mit einem amtlichen Gutachten, das ich 1893 abzugeben hatte. Ich habe 1895 den großen, erzieherischen Werth des Pentateuch- und Gebetsübersetzungsunterrichts in begeisterten Worten anerkannt. 1902 nahm ich aber dieselbe Stellung hinsichtlich des Werths dieser. Fächer ein. . Im Lehrerheim schrieb ich: „An diesen:' Unterricht hat nur die isr. Kirche ein Interesse, „das wir durchaus nicht unterschätz e n." .„Wir wollen diesem Unterricht auch gar k ein e n Ab - bruch thun." . Im „Israelit" Nr..92 ist z«. lesen: „Damit soll über dem Unterricht in „Hebräisch" durchaus kein Abtrag gethan werden. „Wir wären die Letzten, die einer Einschränkung des Hebräischen das Wort reden würden." „Es handelt fidi auch nicht um eine Prinzipienfrage.. sondern um eine uns von den Verhältnissen aufgedrungene Organisationsfrage." Mein - Gegner unterschiebt mir erst durch Verdrehung des Thatbe-. standes eine Prinzipienfrage. - .; v 1895 habe ich mich gegen eine wesentliche. Verkürzung der Stundenzahl des Religionsunterrichtserklärt. 1902 verlange ich je nach Bedarf Vergrößerung der Pflichtstundenzahl (durch kirchl. Machtwort), um genügende Zeit für den Unterricht im Hebräischen-., zu gewinnen. . * > - 1895 erklärte ich: „Das religiöse Drittel, der Stundenzahl entspricht der Wichtigkeit, des Stoffes.". Nun soll aber 1903 st a a t l i ch e r s e i t s dieses religiöse Drittel gekürzt werden. Nach dem allgemeinen Dafürhalten dürften höchstens sechs Wochenstunden für den Religionsunterricht künftig zu erhalten sein, bq. einige Fächer für die Volksschule ' neu hinzukommen. und Zeit bedürfen. Mein Gegner behauptet allerdings, schlaükweg: „Die Verhandlungen haben dargethan, > daß die Mehrheit der Abgeordneten keine Beschränkung des Religionsunterrichts will." Wahrheit ist, daß sowohl der Kultusminister, als auch Prälat v. Sandberger auf die. Resolution Heiber-Schmidt eine Verkürzung des sog.'religiösen Drittels z u g e s a g t ha-, ben. Nur das Zentrum , stimmte gegen , besagte, Reso-.. lution. Und das Zentrum ist die Minderheit. .Unter solchen Umständen wird es doch angängig sein, die. Frage zu erörtern: Wie kann die nöthige Zeit für den. hebr. Unterricht gewonnen werden? Und man darf doch denjenigen, der für alle Fälle für diesen Urn'errichi - Zeit beschaffen will, nicht als Feind des hebr: Unterrichts ausgeben? Lieber Herr Gegner! Lesen.Sie. also künftighin deutlicher! Konstruiren Sic keine Widersprüche, wo solche thatsächlich nicht vorliegen! Aber noch eins hätte ich mit meinem Herrn Gegner auszufechten. Er sagt: Die Abgeordneten Hildenbrand' und Geller wollten die. „Religionslehre" durch „Sitten-! lehre" ersehen, und auf diesen Standpunkt stellt sich. Herr Spatz.. Ist mein Gegner thatsächlich so naiv,- daß er nicht heraussinden konnte, daß mein Standpunktein wesentlich anderer ist, oder war er so boshaft, •. mir diesen Standpunkt aus gewissen „Zwecken" zu: unterstellen? Nun, wir wollen die beiden Standpunkte , einmal vergleichen! Hildenbrand sagt: Der Staat hat. ein weitgehendes Jptereffe an der sittlichen Bildung seiner Bürger, und erreicht dieses Ziel durch .Unter-', richt in der Sittenlehre.. (Moral.).. Ich sagte: „R e l U; gionsunterricht" (nicht Mora!!!) wird.an -der. Volksschule ertheilt, soweit der .Staat Interesse 'an deri religiös-sittlichen Bildung seiner Bürger hat." - (^Jsr ralit" Nr. 92.) Und im „Lehrerheim": „Die Volks-, schule ist Staatsanstalt, in der aus Staatsinteresse Religionsunterricht ertheilt wird." „Die sittliche Bil-