Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1903)
- Date
- 1903-02-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Säften'Ven Rucken und glaubte, daß sich deren Erregung leichter legen werde, wenn er sie einige Minuten sich selbst überließ. Er trommelte leise auf den Scheiben und suchte sich über die Situation und über die Rolle, die' er darin hatte, zu orientiren. Ob ihm eine Ahnung davon durch die Seele ging, wie thurmhoch der Gesinnungsadel seiner beiden Gäste seine Denk- und Handlungsweise überragte? Oder ob er den Gedanken an d^ Möglichkeit gar nicht aufkommen ließ, daß ein Graf einem J:.den und seinem Pflegling an Charartergröße nachstehen könne? Ein Jude, fein Verwalter, schlägt 40,000 Rubel aus, die ihm sein Herr offerirl! Das ist jüdische Impertinenz und Anmaßung! Wie hat er das christliche Kind mit seinem abergläubischen, jüdischen Spuck berückt, daß es sein Judenthum allem Anschein nach den Korff'schen Millionen vorzieht. Seltsam, seltsam!" Während der.Graf diesen Gedanken nachhing, fuhr eine Kalesche vor; es war Baron von Korff. Der Baron war also auch um einen Tag vorgekommen. Der Graf klingelte rasch einem Lakaien und beauftragte ihn, den Verwalter in's Viireau zu führen. Er gab sodann Befehl, dem Knaben die Haarte schneiden zu .lassen, damit ihn die Schläfelocken nicht mehr so jüdisch erscheinen ließen, ihn zu baden und ihm den neuen Anzug anzulegen, den der Graf für ihn vorbereitet hatte. Dann eilte er die Treppe hinab und flog seinem Freunde in die Arme. „Ich denke," rief der Baron dem Grafen entgegen, „Du hast nichts dagegen, wenn ich einen Tag früher komme. Der heutige Tage gehört dann uns und den morgigen wollen wir unserem Geschäft widmen. Es ist doch alles in Ordnung?" „Vollkommen, sogar mehr als das. Der Knabe ist schon in meinem Hause und der Jude auch, der ihn erzogen hat." - „Der zittert wohl für seine 40,000 Rubel? Die soll er haben, wenn der Knabe recht ist. Aber Du halt Dir doch Vorbehalten, daß der Knabe zuerst einige Wochen bei uns zur Probe sein soll, fällt diese zur Zufriedenheit aus, so kann der Jude sein Geld ha^n." „Was glaubst Du. der Jude will ja für seinen Pflegling keine Kopeke nehmen." Der Baron lachte laut auf und meinte: „Eine Kopeke nimmt er wohl nicht, aber für Rubel wird er schon empfänglich sein." Als Graf Dundukoff seinem Gaste mittheilte, daß sein Verwalter ganz entschieden jede Bezahlung anzunehmen sich weigere, wurde der Baron zuerst unwillig, dann aber fing die Sache doch an, ihm intereffant zu werden. Er wollte den Juden kennen lernen. Feiwel trat ein und seine höfliche aber entschiedene Ablehnung jeder Summe imponirte dem Baron ganz gewaltig. Er ließ sich nun den Knaben vorführen, der in seinem kurzen Haarschnitt und mit dem kleidsamen neuen Anzug einen ungemein günstigen Eindruck auf den Baron machte. „Hätte ich es nicht meiner Frau fest versprochen." sagte er leise zu dem Grafen gewendet, „keine endgiltige Abmachung zu treffen, bis der Junge einige Zeit bei uns im Hause war, ich würde sofort den Juden bezahlen und den Knaben definitiv nehmen." Zu Feiwel gewendet, sagte er: „Ich nehme also den Knaben mit nach Hause, um ihn wieder zum Christen zu machen und ihn dann an Kindesstatt anzunehmen. Aber ich behalte mir vor, ihn Euch zurückzuschicken, falls er schlechte Eigenschaften des Gemüths und Charakters an den Tag legen sollte. Im andern Falle erfolgt die Auszahlung der 40.000 Rubel durch Herrn Grafen Dundukoff. Solltet Ihr die Annahme des Geldes verweigern. so deponire ich die Summe bei Gericht zur Auszahlung an Euch. Ihr habt dann allerdings zu riskiren, daß Euer ganzes Gebühren ruchbar wird, wie Ihr ein christliches Kind, ohne Anzeige zu erstatten, in Euer Haus heimlicher Weise ausgenommen und es zum Juden erzogen habt." (Fortsetzung folgt.) Der ..Israelit" erscheint wocheutlicl« zveimul, MonUg« nud Donnerstagg, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv Vuchhaudrl verkehrt durch V. jfF- Strinarkrv, Leipzig, Notzplah jb.— Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametherl 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Österreich 14 Reichs-Mar? oder 1« Kronen österr.. für's Ausland 18 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1815. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende ^Kleine Aufgabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnsertionSbetragS au außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt lHauptblatt): Di*?» bei her CncnBrtv.mg — D'T*?s* Beute. — Zeitungsnachrichten u»dEorrekvonde»-"N: Deutschland- Berlin. Posen. Bromberg. Ezarnika». Danzig. Cannsratt. Srraschurg. Uhqiuu: WaUien. tlinsäund: Petersburg. Türkei: Smyrna. — Feuilleton: Der Findling. (Fortseljung). Inhalt der ersten Beilage: Die Hungersuoth unter den russischen Fnden. — Zeitungsnachrichten und Cnrresvon>.e,uen: Dentsckland: Berlin, Nürnberg. Audi. Erankreich: Baris. Englund: London. — Zn innerem Bilde. — Personalien: München. — Bermischtes. Inhalt der »weiten Beilaae: Nationalindentdnni ein Watmmdenthnm! (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten u. Corresvondenze»: D-utschland: Berlin. Hamburg. Schrnmn. Persiein Haiiiadan. Pädagogische Beilage: Zinn Berdands-üanen-Streir. — Text der Oberstufe gehobener Retigionsschulen und in Präpuiaildieeil. — Srtra-Beilaae: ..Ainscunin" von Dr- M. Lebmann. Entwurf flir drei Unterrichtsstunden nn Gebetübersetzeu auf TTD'TS nUO. Verantwortliche Redaction: Qftcox Lehmann in Mainz. — Expedition deS ^JSraÄit". Schottstrage Nr. L Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'scheu Hofbuchdruckeret Actien-Gesellschaft ln Mainz. Hierzu vier Beilage».