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Der Israelit · 1903-02-09 · Heft 11 (9.2.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 11 (9.2.1903)
Date
1903-02-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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239 Graf v. ZedlitzTrühschler, wünschte in kurzer Ansprache der Gesellschaft weiteres Blühen und Gedeihen, indem er gleichzeitig den hohen ethischen und sozialen Zielen der Gesellschaft Anerkennung zollte. Schwerz. Basel, im Febr. (Werth der Zeit, die man n i ch t h a t.) Die der Verbreitung des Christenthums ' unter den Juden gewidmete Monatsschrift „Zionsfreund" bringt von hier folgende Notiz: „Professor Dr. Heman sagte in seinem diesjährigen Berichte der von ihm geleiteten Arbeit: Die Missionsarbeit unter den Juden umfaßte eine Reihe von Ländern und Provinzen. In der Schweiz, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen wurden 76 Orte besucht, wo Juden wohnen. Die Arbeit unseres Missionars war keine leichte. Denn gerade in diesen Ländern haben die Juden ihre religiöse Gesinnung meist eingebützt, sind nur noch aus Gewohnheit der Synagoge zugethan; viele sind ganz irreligiös und ungläubig, und auch die, welche noch dem Judenthum anhängen, sind in jüdischen Dingen und in der Bibel ganz unwissend, so daß es außerordentlich schwer ist, ein religiöses Gespräch mit ihnen zu führen und ihr Herz dafür zu erwärmen__ Aber Gott sei Dank hat unser Missionar doch auch viel Erfreuliches zu berichten gehabt, wo sein Wort auf ein gutes Land und auf fruchtbaren Boden fiel. Wie manches Herzerquickende könnten wir da erzählen, wenn cs schicklich wäre und die Zeit reichte." Der Herr Professor bekundet, indem er das. was sein Herz erquickt, als nicht schicklich bezeichnet, eine so rührende Naivität, daß man auch das, was er über das Unzulängliche seiner Zeit sagt, nicht auf die Goldwage legen wird. Wer diese unsere Nachsicht nicht theilt und etwa fragt, wenn man in einem Berichte über die bisherige Thätigkeit keine Zeit zu berichten findet, wo und wann man sie dann finden soll, der kennt die einschlägigen Verhältnisse und die darüber beliebte Berichterstattung schlecht. Wenn der Himmel Herrn Professor Dr. Heman jeden Tag eine Stunde mehr Zeit schenkte, als anderen Sterblichen, so hätte er doch nicht mehr zu berichten, als er bei seiner knappen Zeit berichtet. Nicht nur aus Schicklichkeitsgefühl, sondern weil es eben nichts zu berichten gibt. Deßhalb erfährt man auch nie die Namen der getauften Söhne und Töchter Israels aus diesen Missionsberichten. X<,mina «unt odiosa. Der einzige Name, der in dieser Notiz genannt wird, der Herr Missionar Laub, genügt, um einem den Geschmak nach den übrigen zu verleiden. Es ist ein Meschumed aus Sniatyn (Galizien), woselbst sein Vater als Chosid lebt. Wenn man dieses sauersüße, gottselige Gesalbader dieses Herrn liest, bekommt man eine Ahnung von der Seelenstimmung,. wie sie Friedrich den Großen erfüllt haben mag, als. er seinen bekannten Ausspruch that: „Und mit diesen Maine-: luken muß ich mich herumschlagen."-; Aber lernen kann man doch Manches aus •, den wenigen Zeilen dieses Referats. . 1) Wenn nach dem Sprüchwort, Zeit —- Geld ist, so braucht deßhalb doch noch nicht Geld — Zeit zu fein. Denn Geld haben die Herren, sie bekommen es von allen Seiten, und sie haben trotzdem keine Zeit,, darüber zu berichten, was sie alles Herzerquickendes von ihren Missionaren mitgetheilt bekommen. 2) In der mir vorliegenden Nummer sind die cingelaufenen Spenden eines Monats für Mffion und den Zionfreund verzeichnet. Ich habe 110 Spender und Spenderinnen gezählt, darunter Pastoren, Schneidermeister , Jnstitutslehrer, Generale, Gräfinnen u. a. m. Die höchste Spende beträgt 53 Mk. 75 Pfg., und die niedrigste 20 Pfg. Welche Vorurtheile, welche schiefe Ansichten über Judenthum und Christenthum müssen in den Kreisen, aus welchen diese Spenden stammen, noch herrschen, wenn sie für die Bekehrung der Juden zum Christenthüm noch so viel Geld übrig haben! Das Merkwürdige aber ist, daß nicht einer der 110 Spender und keine der Spenderinnen mit Namen genannt ist; sie figuriren nur mit den Initialen ihrer Namen. . Ob sie ebenfalls keine Zeit haben, ihre Namen auszuschreiben, ob sie für das, wofür sie ihr Geld hergeben, auch nicht für schicklich halten, oder ob es zartsinnige Verschämtheit ist,' die mit ihren Namen nicht prunken will, das bleibt dem Ermessen desjenigen überlassen, der diese Gaben und Geber aufmerksam mustert. 3) Die Unkenntniß ihrer eigenen, heiligen Schriften, auf die man bei vielen Juden in hiesiger Gegend stößt, ist eine so betrübende Erscheinung, daß ich ihr. bislang auch nicht den leisesten Schimmer einer Lichtseite abzugewinnen wußte. Die Lektüre dieses Berichts zeigt jedoch, daß auch diese Unwissenheit ihr Gutes hat. Wenn diese Unwissenheit zur Folge hat, daß Prädikate von dem Kaliber des Herrn Laub und Genossen, solche Herzen nicht zu erwärmen vermögen, so sieht man, daß selbst Irreligiosität und Unglaube ihre Vortheile haben können. Aber es gehört eine große Dosis gutmüthiger Gläubigkeit dazu, dieses Geflunker ernst zu nehmen. In der Bibel heißt es: „Siehe, die Kinder Israel hören nicht auf Mich, wie wird mich Pharao hören?" Wären die Herzen der Wissenden und Gläubigen leichter zu erwärmen, als diejenigen der Unwissenden und Ungläubigen, so müßte es umgekehrt heißen. Vor Jahr und Tag kam Herr Laub in der Schweiz einmal in einen Kreis religiöser und unterrichteter, jüdischer, junger Leute, und gab sich bei ihnen für einen geborenen Christen aus. Er erzählte ihnen, daß er auch Talmud studirt habe. Auf die Frage nach dem

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