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Der Israelit · 1903-02-09 · Heft 11 (9.2.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 11 (9.2.1903)
Date
1903-02-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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von Staat und Kirche als von zwei gesonderten und sich gegenüberstehenden Anstalten zu sprechen, solange der erstere die zweite verwaltet und unter seine Aufgaben rechnet, auch für die Ausübung des Kultus und alles dessen, was die religiöse Gesinnung und das religiöse Gefühl seiner Bürger verlangt, zu sorgen. Nun aber kommen ganz außerordentlich wichtige Gründe praktischer Natur in Betracht, die gegen eine Ausscheidung des Hebräischen aus dem Normalstundenplan sprechen, ja, die es rein unmöglich machen, daß das Hebräische „außerhalb der dreißig Wochenstunden zu seinem Rechte gelangt." 1) Woher soll der isr. Volksschullehrer, der ja so mancherlei „Nebengeschäfte" hat, amtliche und nichtamtliche, Zeit, Kraft und Aufmerksamkeit zu diesem außerhalb der dreißig Wochenstunden zu ertheilenden Unterrichte hernehmen? 2) Durch diese Verweisung wird ja deutlich ausgesprochen, daß das Hebräische nur „Nebensache" sei, das Interesse und der Eifer hierfür werden in Folge dessen bei Eltern und Kindern sofort ganz bedeutend herabgemindert werden. Auch Herr Spatz weiß von seinen Vorsängerkollegen in den Städten, woselbst Real- und Gymnasialanstalten von den isr. Kindern besucht werden, ganz genau, wie sehr der Religionsunterricht, sogar derjenige in Sittenlehre und Bibel, zu leiden hat unter dem Mangel, daß er nur außerhalb der allgemeinen Unterrichtszeit gegeben werden kann; und dieser Umstand ist fast noch schlimmer, als derjenige, daß eine obligatorische Verpflichtung dazu nicht existirt. Es kann also von einer Verweisung des hebr. Unterrichts keine Rede sein, soll nicht die Religiosität der isr. Bürger in Gefahr kommen, stark gefährdet zu werden. Wir werden aber zeigen, daß der hebräische Unterricht gar nicht die schlimmen Wirkungen hat, welche Herr Spatz ihm zuschreibt. Diese müßten doch in allererster Linie von den Schulinspektoren wahrgenommen und zur Kenntniß der Behörden gebracht worden sein. Davon hat man aber noch nichts gehört, vielmehr nur davon, daß die Ergebnisse der Prüfungen in den isr. Volksschulen zumindest nicht hinter denen der christlichen zurückstehen. Daß weiter die bestehenden isr. Volksschulen in ihrer Schülerzahl abnehmen — aber nicht, „daß es mit den isr. Volksschulen bergab geht" — hat in Folgendem seinen Grund: Die Generation, welche seit anderthalb Jahrzehnten die Schüler hätte Hervorbringen müssen, hat sich zum allergrößten Theile in die Städte verheiratet, so daß die Schulen in den Dörfern natürlich nicht mehr die frühere Schülcrzahl. erreichen können. Und daß in den Städten keine isr. Volksschulen errichtet werden, kommt nicht von einer mangelhaften Organisation der Volksschule, sondern aus dem Bestreben der isr. Eltern, ihren Kindern Real- oder höhere Töchterschule-, zumindest aber Mittelschul-Bildung angedeihen zu lassen, ein Bestreben, das sogar Kreise haben, die von der Hand in den Mund leben. Es wären also für Volksschulen gar keine Schüler vorhanden, selbst wenn das Hebräische ganz aus denselben verbannt wäre. Uebrigens ist die geringe Zahl der Schüler, von welcher Herr Spatz spricht, doch ein Moment, das hervorragend geeignet ist, den von ihm behaupteten Mangel an Zeit für den Unterricht der nicht hebräischen Fächer durch geeignete Klassen-, Zeit- und Stoffvertheilung und Methoden etc. wieder gutzumachen. Ueberdies kommt dem isr. Lehrer zu Statten, und in gar nicht geringem Grade, die Hilft und Unterstützung, welche ihm die Eltern und Angehörigen seiner Schüler leisten, die nicht nur .ihren Kindern die Zeit für ihre Schulaufgaben durch Aufbürdung von Haus- und Feldgeschäften nicht nehmen öder beschränken, sondern eifrigst und «angestrengt bei der Anfertigung der Hausarbeiten Mitarbeiten. , -I Noch weiter ist anzuführen, daß wenn schön der Religionsunterricht überhaupt ein eminent bildendes Fach ist, so der Unterricht im Hebräischen eine Masse von Kenntnissen in der Sprachlehre und den Realien vermittelt. Allerdings muß er in der richtigen Weift und mit dem erforderlichen Neiße gegeben werden. Es ist also die für. denselben aufgewendete Zeit für die weltlichen Fächer nicht verloren, im Gegentheil, diese haben Gewinn von jenem.' Bei den vorstehenden .Ausführungen stehe ich nicht allein, sondern kann mich berufen auf einen Herrn Spatz sehr nahestehenden Mann, nämlich Herrn Spatz selbst! Derselbe schreibt in einem-im Dez. 1896 abgegebenen Gutachten, das Schreiber dieses s. Z. Vorgelegen hat, wörtlich: „Darum ist die Zeit, welche auf den Religionsunterricht verwendet wird, für die Zwecke des bürgerlichen Lebens, das Anspruch auf charakterfeste Menschen macht, nicht verloren,__seine formale Ausbildung erleichtert die Aneignung anderer, weltlicher! Kenntnisse und Fertigkeiten. Darum ist es mir unmöglich — entgegen den Bestrebungen mancher Kreise des Lehrerstandes — einer wesentlichen Verminderung der Stundenzahl des isr. Religionsunterrichtes zuzustimmen. Das „religiöse Drittel" der Stundenzahl entspricht der Wichtigkeit des Stoffes als Gesinnungsstoff und kennzeichnet die Volksschule als Erziehungsschule." „Das Pentäteuchübersetzen muß zur Vertiefung gewonnener ethischer (!) Wahrheiten ..benützt werden." In. der Einleitung zum Kapitel „Gebetübersetzen" schreibt Herr Spatz: „wir gewinnen aus dem Gebete unsere Gesinnungen gegen Gott. Unsere Gebetssprache ist das Hebräische. Daraus ergibt sich die Wichtigkeit des geistigen und gemüthlichen Erfassens der Gebete und des Ueberfthens derselben. Das wichtige und' eigenartige Gebetübersetzen tritt so in den „Mittel-.

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