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Der Israelit · 1903-02-09 · Heft 11 (9.2.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 11 (9.2.1903)
Date
1903-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ten Mai und Juni sind von den Auswanderern hunderttausend Francs an die Zentrale nach Paris gesandt worden; allwöchentlich fließen weitere 20,000 Francs ab. Das alles wird aus dem ohnehin geldarmen Lande gezogen, von dem wirtschaftlich noch nicht ganz verelendeten Theile der jüdischen Bevölkerung. Nach einigen Jahren werden nur noch die Allerärmsten und die paar Großpächter im Lande geblieben sein, eine hübsche Bescheerung für ein Land, das selber rettungslos dem Bankrott entgegengeht, und ihn durch solche Politik beschleunigt. Vernard Lazare hat in seinem vehementen „Aurora-Artikel über Rumänien den Juden den Rath gegeben, politisch revolutionäre Propaganda zu machen und sich mit den Bauern gegen die gemeinsamen Bedrücker zu verbünden. Die Judenschaft des Landes ist doch zu ortskundig, den heroischen Rath des Pariser Makkabäers zu befolgen. Der rumänische Bauer ist politisch absolut indifferent. Drückendere Steuern können ihn zur Revolte bringen, der Hunger zu tobsüchtiger Verzweiflung treiben; für eine politische Idee läßt er sich nicht in Bewegung setzen. Ja, wer ihm versprechen könnte, daß er das Herrenland erhalte, wenn er marschieren,, oder wer irgendwie seinen grenzenlosen Aberglauben ausnützen würde, könnte ihn zu sinnlosen Gewalthaten verleiten. Eine politische Organisation aber, eine schlagkräftige Partei mit ihm zu schaffen, ist so unmöglich, daß die bloße Erwähnung des Planes schon den Verständigen ein Lächeln entlockt. Man könnte ebensogut gedrückten Knechten rathen, sich, mit den gleichfalls gedrückten Ochsen gegen ihren Herrn zu verbünden. Auf diesem Wege ist das Heil nicht zu finden. Am ehesten ist eine Besserung noch davon zu erwarten, daß die regierende und besitzende Klasse merkt, welche Verheerungen der reißende Strom der Auswanderung an ihrem eigenen Leibe anrichtet, und dann das Loos der noch Zurückgebliebenen erleichtert. Vis dahin muß man zu retten suchen, was zu retten ist, und so grausam es klingen mag, einen großen Theil der Erlösungsarbeit dem Würgeengel des Hungertyphus überlassen. Zeiturrgörrachrichtett und Eorresporrdenzen. Deutschland. Berlin, 6. Febr. Auf Einladung des Oberhofpredigers Dryander, Ephorus des Domstifts, versammelte sich am 2. ds. Mts. im Saale des Domstifts eine glänzende Versammlung, um einen Vortrag des Prof. Dr. Hilprecht aus Philadelphia über die neuesten Ausgrabungen in Rippur. nördlich von Babylon, zu hören. Vom Hofe erschienen Prinz Friedrich Wilhelm, die Herzogin von Albany mit dem Herzog von Koburg und der Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, die Prinzessin Feodora von Schleswig-Holstein, die Gräfinnen Brockdorfs, Keller und Stolärg, Frl. von Gersdorff, die Grafen Eulenburg, Keller und Mülinen, Freiherr v. Mirbach u. a , ferner die Minister v. Wedel, Studt, Freiherr v. Rheinbaben und lhtöller, der frühere Ministerpräsident Graf Eulenburg, Admiral Hollmann, Oberpräsident v. Bethmann-Hollweg, Regierungspräsident v. Moltke,. die Direktoren und Räthe des Kultusministeriums, der amerikanische Botschafter Mr. Tower, Generalstabsarzt v. Leuthold, die Excellenzen Barkhausen, Schöne, v. Perthes, v. Lyncker, die Rektoren der Universität und der lastdwirthschaftlichen Hochschulen Prof. Merke lind Prof. Max Delbrück mit den Professoren Miß, ' Freih. v. Richthofen, Hans Delbrück, Grafen Baüdissin, Seeberg, Kahl, Freih. v. Soden u. a., ‘ die Präsidenten Gaebel, Freih. v. d. Goltz, Dr. Schmidt und v. Meyeren, Graf Douglas, die General-Superintendenten Faber und Braun, Feldprobst Richter u. a.' Professor Hilprecht schilderte die Ergebnisse seiner Forschungen und wies in musterhafter Form auf den weiten Abstand zwischen babylonischem Polytheismus und der nur durch göttliche Offenbarung erklärbaren monotheistischen Gottesanschauung der Israeliten hin. Eine große Zahl von Lichtbildern veranschaulichte die interessanten Ausführungen. An den Vortrag schloß sich ein zwangloser Thee in der Dienstwohnung des Oberhofpredigers, der den anwesenden Professoren zu einem interessanten Austausch ihrer Anschauungen Gelegenheit bot. ■ Bremen, im Febr. Herr Rabb. Dr. R o s enak, der auf besonderen Wunsch des „Deutschen Rabbinerverbandes" von der hiesigen israelitischen Gemeinde zu einer Studienreise nach Galizien beurlaubt, war, ist nunmehr von seiner vierwöchigen Reise zurückgekehrt. Es handelte sich bei dieser Reise um die Studien der sozialen und ökonomischen Verhältnisse der galizischen Juden, um an Ort und Stelle mit den maßgebenden Instanzen zu berathen. wie die ökonomischen Verhältnisse der bedauernswerthen galizischen Juden verbessert werden könnten. In Begleitung des Herrn Dr. Rosenak befand sich der Generalsekretär der Baron Hirsch- Stiftung, Herr Dr. Rotier aus Wien, ein genauer Kenner der galizischen Verhältnisse. Das Referat über diese Reise liegt zwar noch nicht im Drucke vor, aber wir sind jetzt schon in der Lage, mitzütheilen, daß eine größere Anzahl wichtiger Industriezweige. den Anregungen des Herrn Dr. Rosenak ihr Entstehen verdanken wird. Da die Hebung und Aufbesserung der ökonomischen Verhältnisse in Galizien die wirksamste Waffe zur Bekämpfung des Mädchenhandels ist, so hat sich Herr Rabbiner Dr. Rosenak auch in dieser Beziehung Verdienste erworben.

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