Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1903)
- Date
- 1903-02-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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welche um einen Kurplatz im Karlsbader Jsraelitenhospital einkommen, bei weitem den geringen zur Verfügung stehenden Belegraum, sondern an 500—600 arme, gänzlich mittellose und kranke Israeliten kommen alljährlich nach Karlsbad in der Hoffnung, durch irgend einen Zufall die Kur kostenlos durchmachen zu können; fie stützen sich auf die Mildthätigkeit der israelitischen Gemeinde und auf die Wohlthätigkeit jener besitzenden Glaubensgenossen, die in Karlsbad als. Badegäste weilen. Die Zahl solcher unbemittelter fremder Israeliten wächst nunmehr von Jahr zu Jahr und veranlaßte schließlich den Herrn Rabbiner Dr. H. Ziegler zu einem denkwürdigen Entschlüsse. Er richtete an den zur Kur in Karlsbad weilenden Baron Hirsch ein Memorandum, in welchem er die Verhältnisse schilderte und derselbe nahm den Vorschlag, sich mit einem größeren Betrage an die Spitze eines Gründungsfonds für die Errichtung eines neuen israelitischen Kurgebäudes zu stellen, günstig auf. Leider fiel die gute Absicht durch den Tod des Baron Hirsch in's Wasser. Dr. Ziegler wandte sich nunmehr an die Frau Baronin Hirsch in derselben Angelegenheit, und diese erklärte sich bereit, den Betrag von 80,000 Kronen zum Baue des israelitischen Kurhauses zur Verfügung zu stellen, wenn auch von österreichischer Seite mindestens derselbe Betrag gespendet würde. Die israelitische Kultusgemeinde zu Karlsbad faßte nunmehr den Entschluß, ein den Verhältnissen entsprechendes Kurhaus zu errichten, welches mit Allerhöchster Bewilligung, den Namen „Kaiser Franz Joseph-Regierungs-Jubiläums- Hospiz für arme Israeliten" und den Zweck verfolgen sollte, jedem wirklich Kranken die nvthwendige Verpflegung gratis zu gewähren, dagegen jede Geldunterstützung in Zukunft einzustellen. Nun handelte es sich um die Frage, wo jene 80,000 Kronen in Oesterreich aufzutreiben seien, welche nach der Bedingung der Baronin Hirsch herbeigeschafft werden mußten. Diese Schwierigkeit fand jedoch dadurch ihre Erledigung, daß die Barone Rothschild ebenfalls 80,000 Kronen zur Verfügung stellten. Als Rabbiner Dr. Ziegler durch Berechnungen zu der Erkenntniß kam, daß die Beschaffung der nothwendigen Fonds besondere Maßregeln erfordere, begann er die wichtigsten Städte Europas zu dem Zwecke zu bereisen, um für das israelitische Hospital in Karlsbad Propaganda zu machen. Er besuchte Paris, London, Frankfurt a. M., Berlin und andere Orte, um die regelmäßigen, wohlhabenden Besucher von Kalsbad für das Unternehmen zu interessiren. Es gelang ihm, außer den bereits gesammelten 80,000 Kronen von Frau Baronin Clara Hirsch und den 80,000 Kronen der Freiherren Nath. und Alb. von Rothschild in Wien, noch 40,000 Kronen von Freiherrn und Freifrau Wilhelm von Rothschild in Frankfurt a. M. zu erhalten; 20,000 Kronen widmete Herr David Ritter von Guttmann in Wien; 20,000 Kronen Freiherr Alex Popper de Podhragy in Wien; 20,000' Kronen Baron von Rosenthal in Amsterdam; 10,000 Kronen Herr Chärl. L. Hallgarten in Frankfurt a. M.; 10,000 Kronen Baron Gustav. Springer in Wien; 10,000 Kronen Herr Hippolit Wawelberg in Petersburg; vom Maison Rothschild in Paris gingen 10,000 Francs ein, weitere größere Beträge von Baronin Adolphe de Rothschild in Paris, von Baronin de Rothschild in Paris u. s. w. In den letzten Tagen hat die Familie des verstorbenen Bankiers Gottlieb Lederer in Karlsbad weitere 10,000 Kronen gespendet. Durch die Spenden wurde es nun möglich, daß das Unternehmen in Angriff genommen werden konnte und der Beginn des Hauses nicht weiter verzögert zu werden brauchte. Das neue Kaiser Franz Josephs-Regierungsjubiläums- Hospiz für arme Israeliten ist nach den Plänen des k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny in Wien erbaut und kostet sammt dazugehörigem Baugrunde 450,000 Kr. Das Gebäude ist von einem ziemlich ausgedehnten Gartenkomplex umgeben und wird nach seiner vollständigen Ausgestaltung monatlich 160 armen Israeliten, die der Karlsbader Kur bedürftig sind, vollständig freie Verpflegung gewähren. Das Gebäude ist drei Stock hoch und enthält außer dem Eiskeller Vorrathskammern, Desinfektionsräume, Waschküche, auch eine eigene Bäckerei, um die für die Passahtage vorgeschriebenen Gebäcke herzustellen. Im Tiefparterre befindet sich ein geräumiger Betsaal, ein Sammelbav und. ein Speisesaal für 300 bis 400 Personen. Im Hochparterre sind die Wohnungen des Verwalters, Hausbesorgers, Räumlichkeiten für den Primär- und Sekundärarzt, Badezimmer mit Gaswärmung, Konferenzzimmer und die Kanzlei. Im ersten, zweiten und dritten Stockwerk befinden sich die Krankenzimmer, und zwar besitzt jedes Stockwerk 18 Räume für Kranke und Badezimmer, so daß im Ganzen 54 Räumlichkeiten, mit einem Fassungsraume für etwa 160 Personen, vorhanden sind. Die Erhaltung eines Bettes pro Saison stellt sich auf 400 Kronen. Am 1. Mai d. I. wird vorläufig der erste Stock mit 36 Personen Belagraum eröffnet werden. Durch die zu erfolgende Eröffnung dieses Kaiser Franz - Joseph - Regierungsjubiläums- Hospizes folgt die Israelitische Kultusgemeinde zu Karlsbad jenem edlen Vorbilde, welches ihr der Stgat, die Gemeinde und andere Religionsgenossenschafien und Völker durch Schaffung humanitärer Institutionen und Stiftungen gezeigt haben, und die Israeliten in Karlsbad können mit Stolz auf die geschaffene Institution blicken, welche ein dauerndes Denkmal humanitärer jüdischer Gesinnung bildet. Arthur Schorr, Teplitz. Ungarn. Budapest, im Sch'wat. In der N. Madaer Schochetfrage ist eine Wendung insoferne eingetreten, als der Koßoner Rabbiner Josef Rottenberg nunmehr