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Der Israelit · 1903-02-05 · Heft 10 (5.2.1903) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 10 (5.2.1903)
Date
1903-02-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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genossen), so doch keinen offenen Widerspruch bei der Versammlung fanden. Allen Angriffen erwiederie sodann Herr Rechtsanwalt Horwitz in einer längeren Auseinandersetzung. Zunächst bemerkte er zu dem Referat des Herrn Dr. Goldschmidt, daß der Vorstand des Vereins den Behörden gegenüber durchaus keinen Salonton Zuschlägen, sondern die Schärfe der Tonart stets der Sachlage entspreche. Mr fordern überall unser Recht, das uns gebührt, betonte Herr Dr. Horwitz, und bitten nicht etwa darum. In rein sachlicher Weise setzte der Redner darauf nochmals den Zweck und die Ziele des Vereins auseinander und kam schließlich Huf den Zionismus zu sprechen, für dessen gute Seiten er Worte der Anerkennung hatte, jedenfalls, um auch den anwesenden Zionisten mit Freundschaft zu begegnen. Allein dessen ungeachtet wurde er wiederholt unterbrochen, da die Zionisten stch befleißigten, die Versammlungso oft als möglich zu stören, bis schließlich ein Anhänger dieser Partei wegen ungebührlichen Betragens und gröblicher Verletzung des Anstandes vom Vorsitzenden aus dem Saale gewiesen werden mußte. Zum Schlüsse betonte Herr Rechtsanwalt Horwitz noch, gegenüber den Ausführungen der Zionisten, daß wir im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" doch zunächst dafür sorgen wollen, daß an uns Recht geübt werde. Erst wenn dieses voll und ganz geschehen, wäre es uns möglich, solches auch für unsere Glaubensbrüder im Auslande zu erstreben. Hierauf wurde ein Antrag auf Schluß der Diskussion angenommen, worauf man unverzüglich zur Tagesordnung überging. Die Bildung einer Ortsgruppe Breslau wurde einstimmig beschlossen und die vom vorbereitenden Komitee ausgearbeiteten Statuten eil bloc angenommen. Als Vorstandsmitglieder waren in Vorschlag gebracht worden: Die Herren Stadtrath Pringsheim, Dr. Carl Reich, D. R. Schlesinger, Rechtsanwalt Felix Hirschberg. Dr. Alfred Goldschmidt, Dr. Carl Alexander, Professor Dr. Benno Badt, Rechtsanwalt Kalisch, Fabrikbesitzer Em'anuel Breslauer, Kommerzienrath Ledermann und stud. Steinitz, welche sämmtlich einstimmig gewählt wurden. Ueber die Wahl des letztgenannten Herrn stud. Steinitz entspann sich eine lebhafte Debatte. Herr St. ist Zionist, und in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins jüdischer Studenten, von welchem überhaupt die Anregung zur Gründung einer Ortsgruppe ausgegangen war, aufgestellt worden. Noch einmal wollten die Zionisten, die anscheinend noch nicht kampfesmüde waren, die Frage der Nationalität der Juden zum Gegenstände einer Diskussion machen, wurden jedoch von Herrn Rabbiner Dr. Guttmann gebührend zurückgewiesen. Schon vorher hatte ein Zionist, Herr Dr. Littmann, den Versuch gemacht, einen Vergleich zwischen den streitenden Parteien herbeizuführen, was ihm schließlich glückte, so daß sich nunmehr auch ein Theil der anwesenden Zionisten bereit erklärte, dem „Centralverein deutscher. Staatsbürger jüdischen Glaubens" beizutreten. — Unter den im „Reichsanzeiger" im Monat Januar 1903 veröffentlichten Ernennungen zu Justizräthen finden wir in Breslau: die Rechtsanwälte Bruno Wolfs, Heilberg, Friedenthal, Dr. Karl Sternberg und Ollendorf; ferner die Rechtsanwälte Lustig in Gleiwitz, Rosenthal in Kreutzburg O.-S., Kanther in Liegnitz und Leopold Cohn in Beuthen O.-S. F. Emden, 1. Febr. Der Herr Landrabbiner Dr. L ö b zu Emden feierte am 1. Januar d. I. sein fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Auf Wunsch des verehelichen Jubilars war von einer synagogalen und öffentlichen Feier Abstand genommen worden, und auch die für den 31. Januar und 1. Februar d. I. bestimmte Festlichkeit wurde im letzten Augenblick vertagt. Seitens der Lehrer der Rabbinatsbezirke Emden-Oldenburg- Bremen wurde Herrn Dr. Löb, dem verdienstvollen Förderer der Schule, eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreicht, ebenso ein Geschenk als äußeres Zeichen dankbarer Verehrung und Liebe. Aus Nah und Fern wurden dem Herrn Jubilar manch sinnige Ueberraschungen bereitet. Wie verlautet, beabsichtigt auch die Emder Synagogen-Gemeinde, das Jubiläum des Herrn Landrabbiner in entsprechender Weise zu begehen. Möge es Herrn Dr. Löb vergönnt sein, noch lange zum Segen der Schule, der Gemeinde und des gesammten Judenthums zu wirken. K. Oesterreich. Karlsbad, Ende Jan. (Das neue Kaiser Franz - Joseph - Regierungs-Jubiläums-Kurhaus für arme Israeliten.) Von hier wird geschrieben: Einem seid Jahren bestehenden dringenden Bedürfnisse entsprechend, hat nunmehr auch die israelitische Kultusgemeinde in Karlsbad sich zur Errichtung eines großen Kurhauses für arme Israeliten veranlaßt gesehen, welches soeben fertiggestellt wurde und am 1. Mai d. I. eröffnet werden soll. Die Errichtung des ersten Karlsbader Jsraelitenhospitals ging von Prag aus. Bereits im Jahre 1843 schritten mehrere Mitglieder der Prager Kultusgemeinde zur Gründung eines Stiftungsfonds für ein Judenhospital in Karlsbad, welches sodann im Jahre 1847 eröffnet wurde. Die von Jahr zu Jahr steigende Frequenz hatte zur Folge, daß im Jahre 1885 mit dem Bau eines großen, zweistöckigen Kurhauses begonnen wurde. Gegenwärtig stehen in demselben 31 Betten zur Verfügung. so daß während der Kursaison 160—165 armen Juden, welche beim Direktorium in Prag darum ansuchen, vollständige Gratisverpflegung gewährt werden kann. Seit Jahren erweist sich jedoch die Vorsorge, welche für jüdische arme Kranke in Karlsbad getroffen ist, als unzureichend. Es überschreitet nicht nur alljährlich die Zahl der berücksichtigungswerthen Personen

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