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Der Israelit · 1903-02-05 · Heft 10 (5.2.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 10 (5.2.1903)
Date
1903-02-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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A4. Jahrgang. Zweite Aeikags zu Jß IQ des „Israelit.^ Aetturrgsnachrichte« unv Eorrefpottdenzen. Deutschland. Breslau, im Jan. (Gründung einer Ortsgruppe Breslau des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.) Wollten wir darauf ausgehen, eine jede Niederlage der Zionisten zu einer Polemik gegen -diese zu benutzen, so dürfte uns der Verlauf der dieser Tage hier stattgehabien Versammlung des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" Stoff ge- -nug dazu bieten. Allein unsere Devise ist es nicht, Streitigkeiten aufzulesen und zur Erweiterung einer Kluft zwischen Juden und Juden beizutragen. Wozu dies auch? Im Gegentheil, die Pflicht eines jeden Juden: nach Frieden zu streben und denselben zu erhalten, suchen auch wir zu erfüllen. So wollen wir uns denn bemühen, einen durchaus objektiven Bericht über die bereits genannte Versammlung zu geben. Der Hauptzweck derselben war die Gründung einer Ortsgruppe Breslau des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Herr Dr. Carl Reich eröfsnete die Sitzung, begrüßte zunächst Namens des Komitees' die aus Berlin erschienenen Herren, Rechtsanwalt Dr. Horwitz (den Vorsitzenden des-Vereins) und General-Consul Eugen Landau, und wies sodann in längerer Ansprache die Nothwendigkeit des Fortbestehens des Vereins nach, indem er. das Unwesen des Grafen Pückler, den Fall Könitz und die Person des Justizministers Schönstedt zum Gegenstände seiner Ausführungen machte. Darauf ergriff Herr Rechtsanwalt Horwitz - Berlin das Wort. Nachdem er sein Bedauern darüber ausgesprochen hgtte, daß in Folge der hochgehenden Wogen des Antisemitismus die Miffion des Vereins immer noch nicht beendet sei, erzählte er uns Einiges von der Thätigkeit desselben. Da nannte er verschiedene Antisemitenblätter, die durch den ständigen Nachweis der Haltlosigkeit ihrer lügenhaften Behauptungen durch den Vorstand des Staatsbürgervereins, ihre Bedeutung mehr und mehr verlören, da besprach er den Fall des Amtsrichters Mahler in Hessen, der wohl noch allen Lesern deutlich in Erinnerung sein dürfte (M. hatte einen Juden im Eisenbahncoupee ohne Grund gröblich beleidigt), in welchem er die Einleitung des Strafverfahrens gegen M. und so seine Verurtheilung herbeiführte. Als in Berlin vor mehreren Jahren ein kleines Mädchen plötzlich vermißt wurde und die Antisemitenpresse die Gelegenheit benützte, um das Märchen vom Ritualmord wieder zu verbreiten, war es der Verein, der durch die zuständigen Behörden die Widerrufung" der antisemitischen Meldungen veranlaßt- und offiziell feststellen ließ, daß dieselben vollständig auf Erfindung beruhten. Anläßlich des deutsch-russischen Handelsvertrages habe er Schritte gethan, um den Juden das Ueberschreiten der Grenze zu erleichtern, in der Schächtfrage werde er sein Möglichstes thun, um zu verhindern, daß das Schächten auch nur stellenweise verboten werde. In einem Spezialfalle stehe, der Verein zur Zeit mit dem Oberverwaltungsgericht und dem Ministerium in Verbindung, von welch' letzterem er die Zusicherung erhalten habe, daß von seiten der Regierung nichts gegen das Schächten unternommen werden solle. Dies ein Auszug aus der rastlosen Thätigkeit des Centralvereins. „Aber wir wollen Alles als Juden durchsetzen," fügte Herr Rechtsanwalt Horwitz unter dem tosenden Beifall der Versammlung hinzu, „die Taufe zeugt von einer Charakterlosigkeit, deren wir uns. nicht schuldig machen werden. Wir werden Pietät gegen unsere Eltern bewahren und fordern, daß man uns die in der Verfassung zugesagte Religionsfreiheit auch ferner lasse." Nachdem der Referent geendet, ergriffen die Herren . Generalkonsul.Eugen Landau-Berlin., und-Dr..Alfred. Goldschmidt das Wort, von denen letzterer sich über Professor Sombarts Statistik der Juden verbreitete, sodann aber gegen die Ausführungen des . Rechtsanwalt Horwitz entschiedene Stellung nahm. In einem scharfen Protest wandte er sich gegen die Regierung, welche dem wahnsinnigen Treiben eines Pückler keinen Einhalt thue. Indem der Redner auf den Zionismus, zu sprechen kam, meinte er, wir müßten gerade den Zionisten zeigen, daß wir im Stande seien, auch in Deutschland geordnete Verhältnisse zu schaffen. Nach einer Pause von 10 Minuten wurde einem Herrn Pelz, einem Zionisten das Wort ertheilt. Obgleich ich mir die denkbar größte Mühe gab, dessen Ausführungen zu folgen, ist es mir leider nicht möglich, auch nur einen seiner Geistesblitze wiederzugeden. Herr Pelz sprach viel vom jüdischen Glauben und andern. Dingen, im allgemeinen aber so unreif und unverständlich, daß ihm, nachdem er von der Versammlung, die offen gegen seine „Rede" protestirte, wiederholt unterbrochen worden war, schließlich vom Vorsitzenden das Wort entzogen werden mußte, worüber die anwesenden Zionisten ihrem Unwillen Ausdruck zu geben versuchten.' Darauf bestieg ein anderer Anhänger dieser Partei, Herr Zahnarzt S ch a ch t e l. die Rednertribüne, dessen, durchaus sachlich gehaltene Eröterungen, . wenn auch keinen lauten Beifall (natürlich mit Ausnahme seiner in ziemlich starker Anzahl vertretenen Gesinnungs-

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