Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1903)
- Date
- 1903-02-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Schilde zu decken suchten, wie Winckler und Jeremias, haben mehr entschuldigt, als seine Position vertheidigt; ihre Schriften liefen vor allem auf die Erspahung von Bloßen hinaus, die sich die Gegner von Delitzsch hie und da in ihrer Polemik gegeben hatten. Eine ganz spontane Kundgebung auf dem Orientalistenkongresse anläßlich des Vortrages von Merx zeigte, welches die allgemeine Stimmung unter den Gelehrten sei. Nun hat Delitzsch dem ersten einen zweiten Vortrag folgen lassen, ist dabei auf die inzwischen wider ihn erhobenen sachlichen Einwände fast taub geblieben und auf der einmal betretenen Bahn noch weiter gegangen. Ein abschließendes Urtheil wird man natürlich aufschieben müssen,-bis auch dieser Vortrag gedruckt vorliegt. . Aber das wird man schon auf Grund der bis jetzt in die Oeffentlichkeit gedrungenen Einzelheiten sagen können, daß die wissenschaftliche Bedeutung des Vortrages, sobald derselbe das engere Fachgebiet verläßt, keine größere zu-sein scheint, als die des ersten. Wer gegen das Faktum einer göttlichen Offenbarung in der Bibel mit dem Hohenliede, mit vermeintlich blasphemischen Stellen .in dem (dramatisch aufgebauten) Buche Hiob und mit dem Zusammenwachsen der Ueberlieferung aus verschiedenen -Quellen argumentirt, der ist wohl gerade hundert Jahre zu spät aufgetreten. . Es gab eine Zeit, in der derartige Argumente am Platze. waren, seitdem sich aber die gläubige und die „wissenschaftliche" Theologie streng geschieden haben, und selbst letztere den „ewig-göttlichen Kern" von der ihrer Meinung nach „menschlichen Schale" unabhängig macht, haben solche Argumentationen ihren Werth verloren. Und wenn Delitzsch, plötzlich sogar zum Dogmatiker werdend, auf die Offenbarung in seinem Herzen verwiesen hat, die eine geschriebene unnöthig mache, so hat er wohl nur in dem Augenblicke vergessen, woher ihm jene stammt.. Wir stehen äm Schlüsse. Die großen Verdienste Delitzsch', den ich als Lehrer hoch verehre, sollen gewiß nicht verkleinert werden, er ist und bleibt auf seinem Gebiete eine der hervorragendsten Koryphäen. Und auch diesen seinen Vorträgen muß nicht nur der Bekennermuth nachgerühmt werden, sondern auch das Verdienst, die geistigen Schläfer einmal gründlich aus dem Schlafe geweckt zu haben. Ebensowenig kann ein vernünftiger Mensch die -großen kulturellen Beeinflussungen, die Israel durch Babylon erfahren hat, leugnen. . - - ' . . Mer das innerste Geheimniß der Religion dieses Volkes erklärt der Versuch von Delitzsch ebensowenig, wie die früheren, jetzt schon fast vergessenen Versuche, den Mcnotheismus auf,. die. Reform Chuenatens in Egypten zurückzuführen und anderes. Schließlich läßt vielmehr jeder derartige Vergleich und Versuch immer . erst recht die Religion der Bibel in ihrer einzigartigen Stellüng erscheinen. Was ist die ganze religiöse Litteratur Babylons gegen ein einziges Buch eines Propheten wie Jesaja! Der felsenfeste Glaube an den einen heiligen und gnädigen Gott des Himmels und der Erde, der sich zu dem Menschen Herabgelaffen hat, welcher uns hier auf jeder Seite entgegentritt, Babylon hat ihn wohl gesucht, aber trotz seiner unendlich weit überlegenen Kultur nicht gefunden. Es wäre traurig um die biblische Religion bestellt, wenn sie derartige Kritiken und wissenschaftliche Versuche ihrer Herleitung nicht vertragen könnte. Aber eine größere Vorsicht, Gründlichkeit und methodische Besonnenheit in der Aufstellung solcher Hypothesen, welche tief in Vorstellung:» hineingreifen, die Millionen von Menschen heilig find, wäre allerdings künftighin dringend wünschenswerth. Widrigenfalls würde sich die so hochbedeutfäme Affyriologie von neuem dem Vorwurf aussetzen, der gegen sie schon einmal vor dreißig Jahren erhoben wurde — damals allerdings vom entgegengesetzten Standpunkte aus -— daß sie nämlich zu einer Sensationswissenfchaft ausarte, die nicht immer und überall ernst zu nehmen sei. „ Prof. Dr. Ernst Sellin. ZerLrmgZAsHrtHLeK «Kd Corresporrderrze«. Deutschland. " Frankfurt a. M. Dem neunten Jahresbericht des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" zu Frankfurt a. M. (1902) entnehmen wir: . ‘i; Erst wenige Wochen sind vorübergegangen, seitdem wir die Vollendung -und die Eröffnung unseres Schwesternheims in einfacher Weise gefeiert haben. In dem abgelaufenen Jahre unseres Vereinslebens wurde die regelmäßige Arbeit in unserer bisher gewohnten ersprießlichen Weise fortgesetzt. Aus. den stets in großer Zahl an uns gelangenden Anmeldungen von Schülerinnen können wir mit Freuden ersehen, daß die Zwecke unseres Vereins das Interesse immer weiterer Kreise' erwecken. Zur Ausbildung kamen während des Verwaltungsjahres acht Schülerinnen. Leider sahen wir uns genöthigt, zwei dieser Schülerinnen vor. Vollendung ihrer Lehrzeit zu'entlassen, die eine aus Gesundheitsrücksichten, die andere, weil das Ergebniß und der Fortschritt ihrer Ausbildung unseren Anforderungen nicht genügte. Drei Schülerinnen vollendeten zu unserer Befriedigung ihre Lehrzeit und wurden auf Grund des ihnen ausgestellten Reifezeugnisses in die Zahl unserer Schwestern ausgenommen. Drei Schülerinnen sind noch in der Ausbildung begriffen, von denen eine im Krankenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg unter der Leitung unserer dortigen Oberin und der.Aerzte des Krankenhauses ausgebildet, wird, während die beiden anderen, wie bisher die übrigen