Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1903)
- Date
- 1903-02-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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hier zwei Emgennamen ' las: Ja-ah-ve-ilu und Fahu-um-ilu, das ist ^rrr' ist Gott. Daß diese Lösung richtig sei, ist sofort von berufener Seite bestritten worden und dargethan, daß mindestens gerade so möglich Lesungen wie Ja-a-pi-ilu, Ja-a-mi-ilu u. s. w. seien, womit n»in hier verschwände, und daß, auch wenn man mit Delitzsch lese, die Erklärung: Gott ist wirksam u. dgl., ebenso berechtigt sei. Ja. auf dem Orientalisten-Kongreß in Hamburg wurde die Lesung und Deutung von Delitzsch als die allerunwahrscheinlichstr hingestellt. Aber geben wir wirklich einmal zu, daß der Name den Babyloniern schon bekannt gewesen sei. Nehmen nicht auch manche Forscher schon feit 20 Jahren an, Mose habe den Namen nicht erst neu verkündigt, sondern von den Midianitern entlehnt? Schließlich betrtzist der Name an sich noch gar nichts, es kommt vielmehr alles auf die Gedanken an, die man mit ihm verband. In Babylon Ware nun dieser Gott nva einer unter vielen gewesen, ohne jede besondere Bedeutung, etwa ein Sturm- oder Wettergott, wie vielleicht der kanaanäische Jahu. Delitzsch freilich ist auch hier mit. einer 'ganz besonderen Schlußfolgerung schnell bei der Hand. „Also iwn der Seiende, der Beständige, der nicht, wie wir Menschen, schon morgen ein Gestern ist, sondern über dem in ewiger Gesetzmäßigkeit prangenden Sternenzelt lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dieser rrori, ein uraltes Erbtheil der kanaanäischen Stämme."' Man fragt sich verwundert; aus welcher Quelle Delitzsch die Kenntniß des soeben frisch , entdeckten babylonischen Gottes schöpft, und die Antwort lautet: einzig und allein aus der Bibel. .Mit solcher Methode läßt sich allerdings alles beweisen.. Wir kommen zum letzten Argumente. Nach Delitzsch lehrten 'in Babylon freie und erleuchtete Geister, offen, daß Nergal und Nebo, Mondgott und Sonnengott, der Gott Ram.man und andere Eins seien in Marduck, dem Gotte des Lichtes. Bis jetzt wußte man nur, zum ersten, daß die Babylonier in ihrem.bunten und weit ausgedehnten Pantheon einen Hauptgott als Herrscher., kannten, wie auch die Griechen und Römer in dem ihren, Marduck. den Sonnengott, den Stadtgott von Babylon. Daß das alles andere eher ist, als Monotheismus, bedarf keines Beweises. Weiter beobachtete man auch in der babylonischen Litteratur, wie in der indischen und anderen, daß die Sänger und Be-" ter von Hymnen und Büßpsalmen, so weit sie . sich an eine, einzelne Gottheit wenden, dieselbe so apostrophiren, daß es scheint, als gäbe es neben dieser weiter keine Gottheit. 'Aber, am Schluffe derselben Lieder kehrt.' wer weiß wie oft, die Reflexion auf den unbekannten Gott oder die unbekannte Göttin wieder, die derDich--' ter vielleicht außerdem nojch erzürnt Habe. ^Däs W d'a'nü alsö^ "döch^äberrüals gerade' das Gegentheil von .Monotheismus.^ ''' - .; -;. Endlich wußte man, daß auch in der babylonischen Gestirn-Religion 'die;Gestirne bisweilen/nur als die Offenbarung einer in ihnen sichtbar werdenden göttlichen Macht aufgefaßt wurden, diejenige Offenbarung// an der man ihr Walten und ihre Absichten am/deutlich-, sten beobachten könne. „Wenn der Stern des Mardü«E im Aufgehen ist, ist er Nebo; wenn er anderthalb Doppelstunden hoch steht, ist er Marduck/wenn erhochsteht, ist er Nibiru." Freilich beschränkte sich diese Einsicht auf enge Kreise Eingeweihter, ist nur esoterische Wissen-- schast, nie Gemeingut des Volkes gewesen und gewor-? den, und würde sich schon dadurch fundamental vom' alttestamentlichen Gottesglauben unterscheiden?'/ Aber, ist das überhaupt Monotheismus? DrWÄerwech^. lung ist wohl der schlimmste faux pas von Delitzschs Wer sie sich zu Schulden kommen läßt, kennt doch^kaum/. das A-B-C der Religionsgeschichte. Jenes /ist'' die/ Form, die schon Schelling' und später besonders. Max/ Müller als Henotheismus bezeichnet haben, eine dunkle - Ahnung von der Einheit alles Seins oder eine religiöses Spekulation, die. wir in Indien wie.,sn'EMptew 'hnd/ Griechenland geradeso beobachten, können, .die wM DM'' philosophischen Pantheismus oder zumMigiysen'Polh.^ theismus, nie-und nirgends aber ein Volk zum Monotheismus geführt hat. Dieser ist . der Glaube, daß der eine Gott gerade außerhalb der Natur und ihr als der Schöpfer und Herrscher gegenüberstehe. Daher HäI jene Keheimlehre auch die Babylonier nie vom Polytheismus' aufwärts ziehen können; vielmehr' ist das Rad ber Geschichte über dieselbe hinweggegangen, . während der! biblische Monotheismus, damals der Glaube' «heP kleinen und verachteten Volkes, .sich, wenn schon in neuer.. Vertiefung und Begründung, bereits fast die.Hälfte der/ Erde erobert-hat." ... X So sieht es in Wirklichkeit aüs mit der Begrsin^' düng dieser neuen Hypothese, die als spielendeLöschngi der schwierigsten und wichtigsten Aufgabe aller. Reli-I gionsforschung in die Öffentlichkeit hinausging Und/ sofort , bald antikirchlich, bald antisemitisch in wirrem/ Durcheinander ausgeschrotet wurde. Ängesichts dieser!/ Lage der Dinge wird man es begreiflich 'finden^, bereits'der erste Vortrag von Delitzsch in den Kreisens der engeren und weiteren Fachgenoffen nichts/die/Bögeisterung geweckt hak, mit der ihn die breile Oeffent-, lichkeit aufnahm, daß er vielmehr, in mancher Beziehung/ peinlich, berührt" hat.. Es ist zwar vielfach vertuscht ^worden, daß nicht nur. weh/ konservativ gerichtete pro^/ "testantische Theologen" wie König, Oettli und Kittels nicht nur ausgesprochen liberal-kritische sine Bäntsch,/ Gunkel Und Budde' in' voller Uebereinstimmung ^mit? chnen, nicht nur Orientalisten.wie^ Barth/-'iMörtMÄ/ ßrsch. '. gegen' M"skch Mtzlich IbreitMichMLüHiMWbW loüismus.protestiert haben,! ddß .vielmehr Delitzsch? ebenso starken Widerspruch von Seite seiner engsten/- Fachgenöffen,. wie Hommel, Jensen, Vezöld./Hilprechk ' u. a., erfahren hat. Auch die wenigen, die ihn mit ihrem-