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Der Israelit · 1903-02-05 · Heft 10 (5.2.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 10 (5.2.1903)
Date
1903-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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206 ~ thungen, Hypothesen in die Oeffentlichkeit hineingewor- . fen hat, die nicht nur von seinen engeren-und weiteren Fachgenoffen nicht getheilt werden, deren Haltlosigkeit ihm vielmehr bereits bewiesen ist, sondern daß er auch, wo er sein Fachgebiet verläßt, bisweilen mit einer Oberflächlichkeit und Methodelosigkeit verfährt, welche die Wissenschäft schließlich nur diskreditieren kann. .Es soll hier natürlich in keiner Weise über Einzelheiten gerechtet werden, wir wollen gleich auf das Zentrum der Sache kommen. Schon bei dem ersten Vortrage war es offenkundig, daß Delitzsch, der doch das Thema „Babel und Bibel" gewählt hatte, nicht etwa. als ein objektiv denkender Richter die mancherlei Beziehungen zwischen beiden aufdeckte, und die verschiedenen Institutionen, Vorstellungen, Traditionen u. s. w., die beide in gewisser Verwandtschaft darbieten, auf ihren verschiedenen Werth und Gehalt hin prüfte, sondern daß er einfach die Rolle eines Advokaten übernahm, der für sein Klientel Babel Prioritätsansprüche verfocht. Dies war natürlich meistens leichte Arbeit, die babylonische Litteratur beginnt etwa seit dem Jahre 3000, die biblische etwa 1000. v. d. g. Z. Nun ist es aber sonst ein. allgemein anerkannter Grundsatz in der Religionsgeschichte, daß, so interessant und werthvoll es auch ist, die geistigen Verbindungslinien zwischen den Völkern, ihren gemeinsamen Besitz an Ideen, sowie sie Entlehnungen äufzuzeigen,. der Platz, dem man einem bestimmten Volke einzuräümen hat, nicht durch das bestimmt wird, was es mit anderen Völkern'gemeinsam hat, sondern was sein eigenartiger geistiger Besitz ist. Hiervon aber schwieg Delitzsch fast völlig. Immer wieder hörte man:.die und die Erzählung, diese und jene Vorstellung im alten Testament ist babylonisch; es wurde , aber mit keinem Worte angedeutet, daß sie. alle, wenn auch wirklich, angenommen einmal, zum guten Theile babylonischen Ursprunges, in Israel eine vollständig andere Gestalt, ein total verschiedenes Gepräge angenommen haben. Einige Beispiele mögen es kurz illustrieren. Kein Wort hörte mau bei Delitzsch davon, daß in dem biblischen Schöpfungsbericht von 1. Mose 1 die ganze Theogonie des babylonischen, an der Spitze .des Schöpfungstzierkes, der Kampf mit dem Chäosungehe'uer ü. s. w. verschwunden seien, daß es der Einzige Gott ist, der hier durch sein gewaltiges Wort das. All in's Dasein ruft, und alles schafft bis hin auf den Menschen, der als. Sein Bild auf Erden dasteht. Nicht die leiseste Andeutung, ..wie Beginn und Abschluß der großen Fürth in der Bibel rein, sittlich-religiös motivirt jmb;., während, in Babylon Göttergezänk .die Geschicks Hc MensMeii-bestinlmt. .Ww..Hmweis Darauf, dast der Sabbat. rn^ Israel, etwas.total anderes ^gewördeU ist," als in Babylon, ein Nachbild, der göttlichen Schöpsungsruhe. ein Tag der Bethätigung der Humanität. Kein Wort endlich davon, daß nicht das 5. bis 7. Gebot in ihrem zufälligen und auch bei anderen 1 Völkern beobachteten. Zusammentreffen, sondern die alles umfassende Verbindung der kurzen, religiösen und ethischen Gebote im Dekälog das eigentliche und sonst von keinem antiken Volke — auch im neugefundenen Gesetzbuche Hammurabis nicht — erreichte Wesen dieses? Grundgesetzes ausmachen. Wo bleibt die Wissenschafti liche Gerechtigkeit, wenn man das alles verschweigt? Aber auch das ist schließlich noch nicht das innerste j Zentrum. Bereits seit 20 bis 30 Jahren war es ein 4 -Allgemeingut" der Wissenschaft geworden, nicht nur 4 der orientalischen, sondern auch der theologischen, daß die Wurzeln jener Erzählungen und Institutionen zum i Theile in Babylon ruhten, und daß dieselben in Israel j nur in einzigartiger Weise geläutert und vertieft feien. f Das eigentlich Neue, was der Vortrag brachte, war ß etwas anderes. Delitzsch verstieg sich dazu, darzuthun. | daß das, was Israels ganz spezielles und ureigenstes \ Besitzthum in der antiken Bölkerwelt ist, was die welt- 1 geschichtliche Bedeutung des alten Testaments aus- 3 macht, der Monotheismus, ebenfalls aus Babylon \ stamme. Diese neue Erkenntniß hat nun nicht nur überj rascht, sie hat einfach verblüffend gewirkt. Bon einem < Monotheismus der Babylonier hatten auch die gewieg- > testen Kenner der Religion dieser noch nie etwas ver- ] spürt. Delitzsch suchte ihn seinen Hörern auf einem 1 dreifachen Wege zu beweisen. . . ‘ j Zunächst verwies er auf die bekannte Thatsache. j daß die um 2500 v. d. g. Z. in Babylonien eingewan-; derten kanaanäischen Stämme bereits viele mit „Gott", *\ das ist el. ilu, zusammengesetzte Eigennamen besitzen. j Die Grundbedeutung dieses Wortes war nach ihm. im Anschluß an de Lagarde „das Ziel". „Da dies Ziel - des menschlichen Herzens Naturgemäß nur eins sein \ kann, so haben wir also bei jenen Stämmen bereits I monotheistische Eigennamen." Diese Argumentation ist nicht nur fehlerhaft, sie ist geradezu naiv. Daß el ursprünglich das Ziel bedeute, glaubt außer Delitzsch eigentlich kein Mensch mehr; der Sinn des Wortes ist Macht oder Stärke. Doch übertroffen wird diese falsche Etymologie noch .durch, die religionsphilosophische j Schlußfolgerung, daß das Ziel des menschlichen Her- -1 zens naturgemäß nur eins sein könnte. Das ist ja i ganz neu, und, wenn wirklich richtig, so wären überhaupt alle Semiten Monotheisien gewesen, denn diese Gottesbezeichnung findet man bei Sabäern und Pho- ' niziern so gut, wie bei Israeliten und Babyloniern. Thatsächlich aber bekennt sich, was Delitzsch freilich j nicht sagt, gerade die Familie Hammurabis, der jener Monotheismus vindizirt wird, in ihren.Eigennamen ^ausdrücklich zum. Polytheismus. .... ... ) 7 - Doch Delitzsch hatte einen ganz neuen zweiten Pfeil 'auf der Sehne. Auf. drei kleinen Tontafeln, glaubte cxm sogar für jene Zeit den israelitischen Gottesnamen cnvr fctb in Babylon Nachweisen zu können, indem er,,'

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