Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 9 (2.2.1903)
- Date
- 1903-02-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Zionismus bestimmt werden, es mit den gesetzestreuen Anhängern des traditionellen Judenthums nicht zu verderben. Allein Freunde der Orthodoxie suchen wir unter den Völkern und Nationen, in deren Milte wir leben, nicht im eigenen Läger, nicht unter Juden. Wer nicht zu üns gehört, ganz zu uns gehört, der ist gegen uns. Wer da behauptet, er achte die Orthodoxie in ihren aufrichtigsten Bekennern, nur e r s e l b e r wolle nicht orthodox sein, weil er den orthodoxen Standpunkt nicht theile, ihn für einen längst überwundenen halte, der hat, von unserem Standpunkt aus betrachtet, längst mit dem einzigen, wahren Judenthum im Innern gebrochen, er hat sich losgesagt von Hakodäusch Boruch hu und seiner Thauroh, und das Judenthum, das er sich, weil er nun einmal als assymilationsunfähiger Jude ein Judenthum nicht entbehren kann, aus erträumten Idealen einer in weite Nebelfernen hinausgerückten, auf Zion beruhenden Nationalkultur, nothdürftig zusammenzimmert, ist ein — Wahnjudenthum. Was macht uns zu Juden? Die Geburt? Die Erinnerung an vergangene Herrlichkeit des Jüdenthu'ms? Das jüdische Herz? Das jüdische Gefühl?* Nein und tausendmal Nein? Gewiß, die Bestimmung Jude zu sein, verdient kein Jude. Er wird mit dieser Bestimmung geboren. Ob er nun aber aus dieser Bestimmung praktische Konsequenzen für's Leben zieht, oder nicht, ob er sein Leben in allen seinen Beziehungen unter das Diktat der T a u r o h stellt oder nicht, ob er in seinem Genussesleben die von der Thauroh gezogenen Schranken bewahrt oder nicht, ob er Koscherfleisch genießt, ob er Thefillin legt; Schaboßauß und Jomim Tauwim hält, die Gesetze für's eheliche Leben beobachtet, seine Kinder jüdisch erzieht und sie herantreten läßt an die Quellen des jüdischen Schriftthums, auf daß sie Begeisterung daraus schöpfen und Liebe für ihren jüdischen Beruf und ihre nationale Aufgabe — oder nicht —: das und nur das allein entscheidet darüber, ob der mit der ewigen, unvergänglichen und unverlierbaren Bestimmung, Jude zu sein, geborene Jude in Wirklichkeit Jude ist oder nicht. „Judenthum heißt : Thauroh. Jude sein: die Thauroh halte n." . Was sagt der Zionismus dazu? — (Fortsetzung folgt.» ZeiLrmgSnLihriÄterr ur,r» Corresp-ttdenzen. Deutschland. Berlin, im Jan. Einen syrischen Rabbiner bestehlen hat in recht raffinierter Weise ein Berliner Spitzbube. Der Rabbiner S. D. Siiton aus Antab bei Aram Zowah in Aleppo (Syrren) weilt zur'Zeit in Berlin, um hier für feine heimischen Glaubensgenossen — die durch eine große Feuersbrunst um ihr ganzes Hab und Gut gekommen sind, Unterstützungen zu sammeln, nachdem er bereits Oesterreich u. s. w. bereist hat. Rabbiner Sitton war hier in Oberländers Hotel in der Grenadierstraße 32 abgestiegen und hatte einen Koffer in seinem Besitz, dessen Inhalt unter anderem aus zahlreichen Zeugnissen und Beglaubigungsschreiben bestand. Dieser Koffer wurde in einem Augenblick, wo Sitton für kurze Zeit das Hotelzimmer verließ, ohne die Thür zu schließen, gestohlen. Der Rabbiner ist durch den Diebstahl in eine sehr unangenehme Lage versetzt worden, er hat bereits von dem Vorfall der Polizei Anzeige gemacht und stellt für die Wiedererlangung seines Eigenthums eine angemessene Belohnung iN. Aussicht, t >' : '-v > BreSlau, im Jan. Der Freiherr Wolfgang von; Puttkammer, Majorathsherr auf Schickerwitz bei Juliusburg, betrat am 6. Nov. v. I. mit seiner Gattin das Obersky'sche Corsettgeschäft, Ring Nr. 51, weil Letztere .dort ein Corsett bestellt, dasselbe aber, weil es angeblich nicht paßte, beanstandet Hätte. Auf die mehrmalige Aufforderung, das nach ihren Wünschen geänderte Corsett nunmehr abzunehmen, erschien sie jetzt in Begleitung ihres Gatten. Dieser benahm sich von Anfang an sehr geringschätzig, nahm den Hut nicht vom Kopfe, schimpfte über „die jüdische Wirthschaft" in dem' Geschäfte und betrat, seiner Gattin folgend, das Anprobezimmer, obwohl Herren dazu sonst keinen Zutritte haben. Die eine der beiden Geschäftsinhaberinnen, welche das Ehepaar empfangen hatte, ließ dies geschehen, um ihm keinen Anlaß zu weiteren Insolenzen zu geben. Als zu der Anprobe die zweite Geschäftsinhaberin, Fräulein Preuß, erschien, hielt es der Freiherr noch immer nicht für nothwendig, seinen Hut abzunehmen, tadelte verächtlich das „geflickte Conset", i)äs er der Firma lieber gleich schenken wolle, und wagte es sogar, der Dame ein entehrendes Schimpfwort in's Gesicht zu schleudern, als sie ihm bedeutete, daß er als Herr in dem lediglich für Damen eingerichteten Anprobirzimmer nichts zu suchen habe. Als dann der Bräutigam des Fräulein Preuß dazukam, dem Schimpfenden gebot, den Hut abzunehmen und das Lokäl^zu verlassen, hatte.es sogar den Anschein, als ob ' der Freiherr mit den Fäusten weiter zu debattiren beabsichtige. Es bedurfte wiederholter Aufforderungen^ ehe er sich dazu bequemte, die Thüre von draußen zu- ■ zumachen. Als ihm im Abgehew der Bräutigam, der übrigens völlig ruhig geblieben war, nachrief: „Sir haben'ja ein feines Benehmen gegen Damen, ich werde.'. Ihnen das noch beweisen," — spie der Freiherr demonstrativ aus und erwiederte die geschmackvollen Worte:': „Sie können mir einen Dreck beweisen!" Nach einer Weile erschien er nochmals in Begleitung eines Schutz-