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Der Israelit · 1903-02-02 · Heft 9 (2.2.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 9 (2.2.1903)
Date
1903-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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D.ic „Lidopd Nopiny-', das Organ desObmcknn-Stell- . Vertreters des reichsräthlichen Jungczechenklubs Dr.! ' St-ransky, hat eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, jvelche eine mit den Beschlüssen' des erwähnten Klubs' nicht im Einklänge stehende Tükjik propagierten. .Dieses .Vorgehen veranlaßte die „Narodni Listy"' zu meiner 'Polemik gegen das Brunner Blatt, wellhes seinerseits.die. Antwort nicht schuldig blieb und den vermeintlichen Verfasser der bstreffenden Polemik in den Marodni Miy" persönlich angrifs, indem es "ihm vornxrrf, er seifrüher in einer .ültczechisihen: Redaktion thätig gewesen. ' . Die „Narodni Lisch" wenden sich-nun mir heftigem Eingriffen gegen Dr. Stransch,. indem sie hervorheben, - daß er in der gesummten ezechischen Oeffentlichkeit, ins-' besondere chei den jungezechrschen Reichsrath-Äbgeordneten, grosses Entsetzen hervorgerufen habe. Ein solches Vorgehen sei beispiellos und bei .anderen Parteien unmöglich,-und um so bedenklicher, weil es die Haltung der gesummten czechischen Politik im wichtigsten Augen- ' Miete berührt und den-Klub, dessen Obmänn-Stellver- . t-reter Dr. Stransky ist, dort, wo - dK czechrsche Delc- -gakion und die von ihr vertretene Sache imponirev sollicri, herabgesetzt habe rmd im^ Stande sei, den Klub mehr zu 'schädigen,, als.jede bisherige feindliche Aktion. „Wir untersuchen nicht," .sagen. „Narodni Lisch" zum Schlüsse, „welcher der Redakteure der „Lidove Novinp" früher bei einer-anderen Redaktion gesessen ist; wir untersuchen" auch-nicht, db' es auf der Welt Leute gibt, . welche,- um eine Karriere zu machen, ihren Gott gewechselt haben." ' > England. . -London, 28. Jan... (Der BraNd -in der I r r e n an st a l t Coln e y .Hat ch.) .Ueber einen * Brand in der genannten Irrenanstalt werden folgende Mnzelheiten mitgetheilt: Die Anstalt, liegt im Norden . Londons bei. einem kleinen'.Orte-und bildet einen grossen (üebäu.dekomplex-, mit einem etwas abgesonderten, jüdifcfien Theil. Dieser Theil stand durch einen Korridor, in Verbindung mit der. Hauptanstalt. Er war einstöckig, batte drei' Fuß hohe Mauern, und auf diesen erhoben sich die. eigentlichen Wände, bestehend aus Eisenkonsttuktion. mit Holzfüssung. Das Licht wurde von oben in,.düs Gebäude eingelassen,, und die Htizung bestand, aus Wasserheizung, deren Rphre unter dem Boden des langgestreckten Gebäudes sich hinzogen. . An den langen . Korridor stießen'rechts und links, die Tbüren von sechs Sälen, die dieser Flügel-der Anstalt enthielt, und von denen drei als Schlaf-, gnd drei als Tagessäle dienten. Die Zahl der Insassen dieses Anstalttheiles bestand am Tage der Katastrophe aus 244, meist polnischen Jllbinnen, zum großen Theil recht schwere Kranke, die nickt nur geistig, sondern auch^körperlich litten. Gestern Morgen gegen halb sechs Uhr bemerkte bei: Brandwächter des sieben Meilen von der'Brandstätte ’ ^entfernten Wgchthurmes der. Metropolitan-Feuerwehr,! dass aus-dem Gebäude Flammen aufschlugen. Er gab^! sofort das Feuer-Signal, und die'Wehr machte sich, zum Ausrücken fertig; konnte aber, da die Anstalt Colneh . Hatch nicht mehr zu dem Metropolitan-Bezirke gehörte, üicht ’ sofort zur BrandstMe eilen, sondern mußte, ab-' warten, bis sie gerufen würde. Etwa gleichzeitig batte, auch die Feuerwache der Anstalt-selbst'den Brand entdeckt" und "war sofort, an die Rettungsarbeit gegangen. -Es'^alt natürlich, die Knmken zu retten,-die sich zum . Theil sofort -in den Korridoren" drängten, züm Theil» aber^on Schreck gelähmt waren, oder auch das Feuer ^höchst ^interessant- 'und amüsant fanden.. Leider blies ^eir^staiker Sturm, sodass die Flammen ,Mit der Ge-. schwindiakeit eineswgaloppirenden Pferdes'," "wie. ein Augenzeuge schreibt, das ganze -Holzgebäude ergriffen, das nun lichterloh brannte, „wieein Kartenhaus".. Die Hitze war so unerträglich,, daß nach wenigen Minuten kein Mensch auch nur hundert Meter von der Brandstelle sich . aufhalten konnte. Die Kranken der 'Haupitanstalt .wurden von der furchtbaren Panik, die sich per geflüchteten Irren bemächtigt hatse, ebenfalls ergriffen, und es bedurfte der grössten Anstrengung des Personals der Anstalt, un) grösseres Unheil zu'verhüten. Aus den benachbarten Londoner Vorstädten waren" mittler weile am löblichen Eifer die Feuerwehren hcrbeigeeilt, ohne auf den Hülferuf zu warten,,aber sie kamen trotzdem zu spät. Die'Holzwände des brennenden Gebäudes hatten den Flammen eine so größartige Nahrung geboten, und der Korridor dcjzu in so vorzüg- »licher Weise als Lustschacht gedient, /daß sie nur noch' rauchende Trümmer vorfanden. Nach einer Stunde wardas schauerliche Unglück geschehen. Sobald-die Hitze dies gestattete,'ging man daray/,. festzustellen. wie . viele der Insassen verbrannt " seien. .!Man, fand wenige Leichen/ die man hätte-als Menschenleichen erkennen können, sondern nur noch in den geschmolzenen, eisernen Bettstellen verkohlte und dampfende Massen. Zum Theil lagen diese,aber auch bezeichnender Weift, an den Stellen der Wände, wo früher Fenster gewesen waren, die man später zu beseitigen für nöthig gehalten hatte, Juch auf dem Korridor lagen solche Haufen rauchessder Massen,, die man dem neugierigen Auge durch Wellblech entzog. Es galt nun festzustellen, wer verunglückt war. Dies konnte nur durch eine Verlesung her Üeberlebenden geschehen. - Da zu diesem Zweck die unglücklichen Wesen, die, unartikulirte Töne aüsstossend, auf dem ganzen Anstaltsgebiete herumgerast warep,. zusamMngesucht werden mußten, dauerte es esstte Mraume?Weile, ehe man Klarheit schaffen konnte. Die/'meisten der^ Wahnsinnigen, die nur in ihren Hemden charen, hatten sich verkrochen. Es sind 61 K r a n k.e um ge - kommen. Der Arzt des Flügels und per Vorsteherder Anstalt sollen nicht unerheblich bei dejn Rettungsversuchen verbrannt sein. , ' |

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