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Der Israelit · 1903-01-29 · Heft 8 (29.1.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 8 (29.1.1903)
Date
1903-01-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Mann ausgesandt wurden, die dünn auch Josef besiegten, worauf sich dieser in's Meer stürzte. (528.) Mit der Macht dB Judenthums war es vorbei. Bald trat der Islam auf und Jemen wurde eine arabische Provinz. Noch heute beherbergt Jemen eint große, jüdische Bevölkerung. Nordarabien ist niemals vor dem Islam M einem einheitlichen Staatsverkehr . gelangt. Juden waren dort schon früh, und . von großer Bedeutung. Aber seit 634 gibt es dort keine mehr. Durch Mohammed verfolgt,. gelobtet und ausgeplündert, wurden sie von Omar des Landes verwiesen.' Am 12: Jan. besprach Dr. G. K a r p e l e 8 von Berlin den „Einfluß der Juden auf die deutsche Literatur." Das älteste deutsche Buch (Ulfilas Mbelübersetzung) und das älteste deutsche Gebet (das sog. Wessobronner Gebet, aus Versen aus der Genesis bestehend), sind jüdischen Ursprunges.' Was wir sonst von der alten, deutschen Litterätur besitzen, ist gleichfalls auf die Bibel gegründet, wie die Geschichten von König Sälomon und von der Judith. Dann brachten die : Kreüzzugler eine Menge von Legenden und Geschichten rabbinischen Ursprunges mit. Hierauf folgten die Minnesänger, unter denen sich der Jude Süßkind von Trimberg befand. Es erregte großes Aufsehen, als Rudolf Hildebrand auf der Germanistenversammlung im Jahre 1860 erklärte, daß die Juden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert hervorragenden Antheil an der Entwickelung der deutschen Nationallitteratur genommen haben, und Theodor Creizenach mit den Beweisen äüftrat. Sie wiesen nach, daß gerade die Juden mit Vorliebe Namen aus deutschen Heldensagen wählten, und bis auf den heutigen Tag beibehalten haben. Was die Minnesänger betrifft, so sangen sie auch Rügelieder, und dies Fach hatte Süßkind vorzugsweise bebaut.^ Es ist auch ein Mmnelied von ihm erhalten, welches aber die Frau, im Sinne der . Sprüche Salomon's feiert. Schließlich ist es ihm indessen gegangen, wie-seinen Glaubensgenossen vorher und nachher. Er sah sich gezwungen, den Minnesang auf den Burgen aufzugeben, und zog sich stolz in ein'unbekanntes Judendasein zurück. An der. Schwelle des Ueberganges von Minnesang zum Meistersang' steht die Geschichte von König David, mit der ganzen Reinheit der alten Nibelungenstrophe. Die Erhaltung dieses. Liedes verdanken'wir einer Jüdin, Litte von Regensburg. Die Juden, sagt Hildebrayd, finden , wir auch später noch, namentlich im 14. und 15. Jahrhundert, als die. eigentlichen Träger der deutschen Kultur'nach dem Osten--: wohin sie. ausgewandert sind, und den jüdisch-deutschen! Dialekt - nennt er.ein Produkt des Patriotismus/ der, Kchen.^ Zunder That treffen wir gerade in Wischen'" Kreisenmlle, die-schönen. Volkslieder und Volksbücher; besser erhalten,' als in deutschen; denn. die Juden 'tonnten alle hebräisch lesen, die Deutschen aber nicht:'' Mit! Bewunderung haben unsere Historiker gesehen, daß in. diesem verachteten?Dialekt alles hochdeutsche und' mittel- - hochdeutsche Sprachgut sich erhalten hat, welches bei uns mit Bedauern vermißt wird, : da es kräftige und . inhaltsreiche Worte sind. —- Die Schatzimg dyr Juden. in der Litterätur Nimmt von Jahrhurwrrt zu Jahrhundert ab. Eine kleine Wandlung tritt erst mit der' Reformation ein. Die lutherische Wbelübersetzung bewirkte das: Eindringen jüdischer Ideen — eine der größten Wohlthaten für das deutsche Volk. Auf der Bibel stehen alle unsere großen Klassiker. In der sog.-... Neuzeit war eine Vetheiligüng der Juden nicht möglich,: . denn sie wurden mehr wie je gedrückt mch gefoltert.?; Sie konnten nur rezeptiv Antheil nehmen, indem sie die geistigen Schätze wohlbewahrten und vererbten. Für das JndenthuM begann die Renaiffance erst mtt Mendelssohn. Da. fingen die Juden wieder an, sich aktiv en- - betheiligen; es machte gar nicht den Eindruck, als ob zwischen Süßkind und Mendelssohn sechs Jahrhunderte lägen. Moses Mendelssohn war der Schöpfer eines populär philosophischen Stils; er. war so sehr echter Deutscher, und dabei so. ganz Jude, daß er, der ' Sohn des armen Thoräschreibers, die Deutschen er-' mahnte, sie möchten auf ihre Litterätur und ihre Poesie; etwas mehr Stolz haben.. Es war kein Zufall, daß aufdie Herausforderung Friedrichs d. Gr . , die einzige Aniwert, welche dem König imponirte, von einem Juden herrührte, von Ludwig Gomperz, und es war auch, kein Zufall, daß ein scheinbar wilder, polnischer Jude, Sälo- ' mon Maimon, eines Tages nach Berlin ging und einen? - vollständigen Plan zur Reorganisation der Akademie der Wissenschaften vorlegte; die Juden brauchten nicht mit den alten Traditionen,' wie die Deutschen, aufzuräumen, um sich in die neuklassische Periode hineinzü-? leben. Der Redner erwähnte noch die ungerathene ' Tochter Mendelssohns, Dorothea Schlegel, dann Henriette Hertz und Rahrl Varnhagen, dieVerkünderinnen der deutschen Klassiker, die aber das Judenthum vrrräthen haben. Aus dem Salon Varnhagens ging nicht nur ' die Anerkennung. Göthe's,. sondern auch des Dichters: der Zukunft, Heinrich Heine's hervor, der in seinen .' ' guten Tagen das. Judenthum nach seiner vollen? Größe gewürdigt hat, und in seinen letzten Tagen?..! bei höchster Klarheit des Geistes, seine' Rückkehr- : zum Judenthum in bestimmtester Mise' verkündet'; hat. Kein Dichter hat das deutsche Volkslied so' gekannt und benutzt, wie Heine; er hat bewrefen, daß?! ein Jude in dem deutschen Volksthüm wohl ohne. Rest'?! anfgehen kann. Nun beginnt eine Periode,' in welcher^ 1 die Juden an allen Entwickelungen? des' deutschen''! Gersteslebeys thaügen Antheil genommen haben: an der^ Kritik Ludwig Börne,' 'an.dem deutschen Volksröman^ . .! Verth. Auerbach,? an den' deutschen' Frauenromanen?'!FännyLewald, änEdramatischmHöesie Mich. VrA?!Mosenthal, FelMann? Beck, Hartmänn, Frankl, Lorm u. v. A. Immer und überall sehen wir Juden in den >

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