Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1903)
- Date
- 1903-01-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Ihr Mann beruhigte sie damit, daß Gott mit ihnen \ sich sonst der Verwalter nie erfreut hatte, die ihn aber und dem Kinde jedenfalls etwas ganz Besonderes vörhabe, das hoch über ihrer Fassungsgabe liege. Man 'könne deßhalb gar nichts besseres thun, als kein Haar- , breit von der geraden Linie des Rechts und der Wahrhaftigkeit abzuweichen, um dann alles Andere beruhigt Gott anheimstellen zu dürfen. ^.Wir sind nicht verpflichtet, wir sind nicht einmal berechtigt," pflegte . Feiwel oft zu sagen, „immer und jedem die Wahrheit mitzutheilen. Aber noch weniger sind wir berechtigt, irgend Jemanden eine Unwahrst zu sagen." . Aber auch von den Rücksichten der Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit abgesehen, erforderten Klugheit und . Vorsicht, dem Grafen die volle Wahrheit zu sagen. Wenn nun doch etwa durch eine Indiskretion des Grotzknechts der Graf von der Sache etwas erfahren hätte, wie hätte Feiwel dagestanden, falls er nicht sofort ohne Winkelzüge die volle Wahrheit gesagt hätte! So aber hatte er sich keinerlei Vorwurf zu machen und fuhr gu- 4 ten Muthes den andern Morgen mit dem Knaben zum Grafen. . r* Dort wurden sie im gräflichen Schlosse besonders herzlich empfangen. Abraham hatte inzwischen auch die Rechenaufgabe richtig gelöst und brachte die Lösung als-Weggeschenk dem Grafen mit, was diesen ganz besonders freute. Als Belohnung gab er ihm-einen goldenen Ring, in den der Name Abraham eingegrabm war, und führte ihn dann der Gräfin und den Kindern zu, mit dem Ersuchen, ' dem Kleinen die Sehenswürdigkeiten des Schlosses zu zeigen, bis die Geschäfte mit dem Verwalter erledigt seien. . An dem Interesse, das die gräfliche Familie an dem Knaben nahm, merkte Feiwel ohne vielen Scharfsinn, daß die Familie in das Seheimniß eingeweihr war^ — - Der Graf nahm Feiwel in sein Privatzimmer mit, wahrend er sonst die Verwalter seiner Güter nur im Bureau empfing, bot ihm einen Fauteuil und eine, feine Havanna-Cigarre an,, lauter Auszeichnungen, deren jetzt mehr drückten, als erfreutem . .7' „Feiwel, Ihr seid ein Glückspilz," hob der Graf. 4 I an. „Ich habe Euch versprochen, für Abraham's Zu- 7 kunft zu sorgen, denn die Bravheit und Menschlichkeit 5 mit welcher Ihr Euch des Kindes angenommen habt, ging. mir nahe, und ebenso das Schicksal des herrlichen, intelligenten Jungen. Daß ich mein Wort so rasch und so glänzend einlösen konnte, hatte ich selber in dem Augenblick nicht gedacht, als ich es Euch gab. Ein guter Freund von mir, der ein Vermögen von sechs Millionen Rubel, aber keine Kinder besitzt, Baron von Korff, achtzig Werst von der Grenze, will den Knaben an Kindesstatt annehmen und offerirt Euch durch mich zehntausend Rubel dafür! . Was sagt Ihr dazu?" Feiwel wurde blaß vor Schreck, schlug die Augen zu Boden und schwieg. Der Knabe war ihm und vor allem seiner Frau wie ein eigenes Kind an's Herz gewachsen. Sie wußten, daß es ein christliches Kind war. sie waren auch redlicher Weise bereit, ihm von seiner religiösen Mündigkeit an die freie Wahl der Religion zu lassen, 'aber andererseits war es ihnen gar nicht zweifelhaft, wie diese Wahl ausfallen werde, ausfallen müsse, und nun sollte er das Kind für Geld fyrtschicken und so die Früchte einer./neunjährigen Erziehung für bloßes Geld hingeben; das konnte er nicht über sich gegewinnen. 7 ' 7- - - . . 7; (Fortsetzung folgt.) Wschm-RslenöM 4 Mittwoch. 28. Januar. 29. Thebet. ',vp 2'^ - Donnerstag, 29. Januar. 1. Schebat, r?3N - Freitag, 30. Januar. 24. Thebet. . . Sabbat-Anfangin Mainz und Frankfurt a. M. 5 Uhr 00 Min. Samstag, 31. Januar. 2. Schebat. «2 Sabbat-AllZgang in Mainz und in Frankfurt a.M. 6 Uhr. 05 Min. — Berlin 5 115c 34 Min. — München 5 Uhr 54 Min.- — Hannover 5 Uhr 52 Min. <— Stuttgart 5 Uhr 59 Min. — Prag . 5 Uhr 40 Min. — Straßburg 6 Uhr 10 Min. — Vasen 5 Uhr . 22 Min. — Stettin 5 Uhr 26 Min. Der „Israelit" erscheint w§cSaeatlfch zweimal, Blontnga und Ooiraerstags, jebeämat In mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — ' Dev Wuchhsudel vrvkehvk durch D. A. Skeinackev, Leipzig, Nohplatzj6. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. 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(Fortsetzung.) - _ - ■;d:r ttilia Jüdische Journalistik. — ZeiUmssnachrichten und Correfpondenzcn: Deutschland: Berlin. Fulda. Syrechsaal: Tokay. - - . ------------ . OcllL^r: Der Jude. (Fortsetzung.) E^tea-BeUage: Spenden-Verzeichnille. ' - ^7 - OcrantzoorLüche NedaeLion: OScar Lehmann ln Main?. — Expedition des »Israelit*. Schottstraße Nr. 2. Mainz. DruL wch DrAag der Job. Oirth'fchen yolbuchdruSerel Aetirn-SelMLaft in Mainz. x 1 } l