Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1903)
- Date
- 1903-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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147 Ke « ill e t ö rr. Von Mobevt Känkern. 112 „Also," meinte der Graf, „lassen wir diesen Punkt zunächst auf sich beruhen, und wenden wir uns d»rrr zweiten zu. Hier stehst Du nicht so allein; nach .dieser Seite hast Du rmterdem hoben Adel viele Schicksalsgenossen. Aber diese denken darüber in der Regel anders, als Du. Weil sie keinen Erben haben, so genießen sie selbst das Leben mit vollen Zügen, und machen sich, so lange sie da sind, keine Sorge darüber, was mit ihrem Gelde nachher geschieht." „lieber den Leichtsinn, der zu solcher Denk- und Handlungsweise erforderlich ist, verfüge ich nicht, und glaube auch nicht, daß Du mir im Ernst rathen würdest, ihn mir zuzulegen. Aber wer wie Du ein glücklicher Vater von drei Kindern ist, der ahnt nicht die Größe der himmlischen Strafe, welche die Kinderlosigkeit bedeutet. Wie beneide ich jeden armen Mann um den Kindersegen, den ihm Gott mit vollen Händen in's Haus schüttet, und für mich reichen, armen Menschen hat er keine Seele übrig, ist das nicht hart?" Die Freunde schwiegen. Nach einer kurzen Pause griff der Baron den Faden des Gesprächs wieder auf, indem er fortfuhr: „Wie oft habe ich schon daran gedacht, ein Kind zu adoptiren, aber ich bekomme keines. Wenn ich mich an eine standesgemäße Familie wenden wollte, sie würde mich abweisendste würde mit Recht in dem Verlangen eine unberechtigte Zumuthung - erblicken, und wenn sie bereitwillig darauf einginge, so würde ich sie abweisen, denn sie wäre der Stamm nicht, dem ich ein Kind entnehmen könnte, durch das ich nach dem Tode weiterlebte. — Ich würde gern ein armes Kind adoptiren, aber damit stoße ich auf Widerstand bei meiner Frau, und ich kann ihrer Abneigung nicht jede Berechtigung absprechen. Sie meint, die armen Eltern, die ihr Kind verkaufen, böten keine Garantie, daß das uns so überlassene Kind wirklich nach unserem Herzen ist. Dann hätten wir uns einen ganzen Anhang des Bettelvolkes in's Haus gezogen, und das. ist auch nicht Jedermanns Geschmack. Ein Kind ohne solchen Anhang gibt es nicht, und . ich finde auch aus diesem Jammer keinen "Ausweg."-5'/; V . „Freund," . unterbrach der Graf sein Gegenüber, „in diesem Punkte kann ich Dir vielleicht helfen. Ich -Habe.heute Änen Knaben kennen gelernt.deralle Be-, dingungen besitzt, die Du an ein Adoptivkind stellen kannst, hem keine der von Dir erwähnten Schattenseiten anhaften; ich glaube, das wäre etwas; mir kommt der Gedanke wie eine Art Erleuchtung vor. Wenn es sich verwirklicht, dann, weiß ich, was mich heute in . den dichten Wald gelockt und nach dreißigjähriger Trennung uns unter so merkwürdigen Umständen zusammen geführthat." C •; v1"-;,;; „Wie heißt der Knabe?" - /;~V:, „Das weiß ich nicht, und es ist ein Gluck, daß.ich's nicht weiß; denn wüßte ich's, so hätte er schon , wieder einen Anhang, der ihn Dir und Deiner Frau verleiden würde. Ich weiß nur, daß er Abraham heißt/ einen andern Namen hat er nicht." i ^DUi^machst mich im hohen Grade neugierig;, er- ^aM'doch etwllS von Deinem Wunderkinds" - „Lieber Freund," entgegnet« der Graf, -„heute Abend kein Wort mehr! Die Idee, die mir da'plötzliche gekommen ist, kann noch zehnmal als schillernde Seifenblase zerfließen, sobald wir sie in die.Hand nehmen wollen. Zudem ist der größte Theil der Nacht bereits verplaudert; die Stutzuhr hier in der Ecke zeigt auf drei Uhr.' Einige Stunden Schlaf gehören uns nach den Beschwerden und Aufregungen des heutigen Tages^. wenigstens macht bei mir die Natur ihr Recht geltend. Auf die Sache werden wir zurückkommen. — Einver-. standen?" ‘; „Gewiß, entschuldige nur die Unachtsamkeit und den Egoismus Deines Wirthes, der über der Freude mit seinem Gast an dessen Ruhe vergißt. Gute Nacht! lieber Dundukoff; also Fortsetzung folgt morgen früh oderrichtiger morgen spät;. denn Du hast-keine. Ahnung, welchen weiten Ritt Du. heute gemacht hast.' WaS meinst Du, wie weit wir hier von der galizischen Grenze sind?" . „Das zu erfahren hat's auch noch bis morgen Zeit; gute Nacht, lieber Kurt!" - ...^ . - ix.";r.ff/ Acht Tage nach dem Zusammentreffen des Grafen Dundukoff mit Herrn Baron von Korff erhielt Feiwel von seinem Gutsherrn einen Brief des Inhalts, der Verwalter möge demnächst einmal den Grafen besuchen. Solche Aufforderungen waren nichts Ungewöhnliches, aber diesmal war noch als Nachschrift, beigefügt:' ' ' V „Bringen Sie Ihren Abraham mit, ich bin noch'in seiner Schuld, und möchte sie gerne abkägen." ^?^'-^ Feiwel war es nicht geheuer,- daß sein GütMrr durch ihn in das Geheimniß eingeweiht Wörden war; aber er glaubte, .nicht anders Händeln-zu konnen^Äs er gehandelt hatte. Noch -beunruhigter war,feine; Frölu, die, seitdem sie davon erfahren hatte, den Gedanken) Wht. los wurde, der Grast werde es nicht dulden,- dä^z ein -christliches' Kind in einem' jüdischen, Hause bleibe; tx werde kein Mittel unversucht lassen^ das Kind anderswo unterzubringen. , - \ v > , y