Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1903)
- Date
- 1903-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Wohls gethan. Za, da begreift man die Entrüstung Dr. Luthers über die unehrlichen Kaufleute. Angesichts dieser Verhältnisse sollen wir dulden, daß man uns unsere Väter, die Märtyrer des Blutes, angreift? Welche Kulturmission hat der jüdische Hausirer erfüllt! Gustav Freitag hat ihm ja ein Denkmal gesetzt. Aus dem.Hausirer sind die großen Finanziers geworden, die Wohlthätigkeit übten ohne Unterschied der Konfession. 'Wie uneigennützig hat das Haus Rothschild Mrirkt.-W-irn man es nicht in Urkunden vor sich hätte, würde man es kaum glauben. Im ÄorgenrsHdes 19. Jahrhunderts hat es manche Großmacht vor dem Bankerott gerettet. Namentlich mit Preußen hielt das Haus gute. Freundschaft. Eine herrliche Kette jüdischer Kunstgönner entstand. Was hat das Judenthum nun zu so idealer Höhe gehoben? Rabbiner Dr. Grunwald führt dies auf Talmudvorschrifien zurück. Ter Talmud verbietet z. B. das Glücksspiel, weil es eine unproduktive Thätigkeit sei. Eine Vorschrift hätte beinahe das Termingeschäft unmöglich gemacht, wenn nicht der Schulchän Aruch einen Ausweg gefunden hätte. Der unlautere Wettbewerb ist ebenfalls vom Talmud untersagt. Man darf da z. B.. Kinder nicht durch Bonbons in-ein Geschäft locken, ja eine alte Sache darf nicht neu angestrichen werden. Selbst die Waarenhäusfrage kennt der Talmud schon. Der Kornwucher ist durch die Vorschrift verboten, daß der Produzent selbst in schlechten-Zeiten nur Vorrath für sich auf ein Jahr aufspeichern dürft. Im Geschäftsverkehre soll nur ja. ja, nein, nein gelten. Es wird ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Judenthums , bleiben, daß der jüdische Kaufmann aus allen Quälereien und Mühsalen heraus sich den Schild seiner Ehre spiegelblank gerettet /S: ^Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende der Versammlung dankte und wies auf die Kriminalstatistik hin, die in der That für die Juden günstiger sei, als für die christlichen Mitbürger. Aber angesichts der Thätigkeit der Antisemiten, wo sogar die eigenen Glaubensgenossen anfangen, zu meinen, cs stände um die jüdische Ehre faul, war es einmalnöthig, die kaufmännische Ehre der Juden zu beleuchten. . Aus Baden. Frau- Baruch Dukas Wittwe, Ernestine geb. Bloch in Freiburg, hat aus Anlaß des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs und zum ehrenden Andenken ihres verewigten , Mannes, des Vezirksältesien. .und . Synodalmitzliedes Baruch Dukas,' eine "Stiftung von 26,000 Mk. unter' dem .Rauten- DnkLs-SWun'g* gemacht, deren.Zinsen zur''Heranbildtlüg'praktischer und theoretischer Unterweisung und Erziehung isr. Jünglinge und Mädchen CL^HrrzogthuM Badens, für Landwirthschaft und M2rLer^2ü, sywie'zur Gewährung, von Unterstützungen an.,gehörig' aus'grbildete i badische Israeliten' behufs ftlbstMudiger Äusubüng der genannten' Brrufszweige zu verwendm sind. Jpnge Leute aus Sulzburg, Jhringen und Freiburg sollen vorzugsweise berücksichtigt werden. Nur wenn keine badischen Bewerber vorhanden sind, dürfen auch junge Leute,^ welche die badische Staatsangehörigkeit nicht besitzen, bedacht werden. Die Stiftung steht unter der Verwaltung des Großherz. Oberrathes. Die staatliche'Genehmigung dieser Stiftung ist bereits eingetrofsen. v; v; Hu gar n. : - * V* Budapest, im Jan. (L i b e r a l i s m u s i m Kind e^.e i m.) Der Budapester Magistrat' beschloß jüngstens,'an' jeder Kommunalschule der Hauptstadt ein Kinderheim zu errichten.s Hier sollen nämlich jene armen Kinder während des ganzen Tages beaufsichtigt werden und die Kost gratis erhalten, deren Eltern tagsüber in der Arbeit sind. Es sind aber unter den Kleinen sehr viele Juden, die auf Wunsch ihrer Eltern nur Koscheres essen wollen. Der Magistrat ordnete nun an, diesem gerechten Verlangen strengstens nachzukommen. Frankreich. Paris, 21. Jan« Es zogen drei Burschen . »;. . nicht über den Rhein, sondern über den Pregel, denn es war an der Stätte, wo einst die Wiege Kant's gestanden. Mit zwei Bekannten gondelte ich lustig in einem kleinen Kahne. Einer dieser jungen Männer war eben aus einer russischen Jeschiba gekommen, wollte die europäische Bildung mit Löffeln essen und machte sich eine Spezialität daraus, alles, was ihm bisher heilig war, in geradezu brutaler Weise lächerlich zu machen. In Folge dessen kam es unter uns gar oft zu recht lebhaften Diskussionen. Als wir nun im Kahn: saßen, wollte ich unsere religions-philosophische Unterredung fortsetzen. Doch mein Bekannter sagte mir ganz blaß vor Angst: „Wenn ich auf dem Wasser bin, will ich über Gott nicht sprechen. Wir werden über dieses Thema sprechen, wenn wir erst auf trocknem Boden sein werden." Einige Jahre sind seitdem verflossen; ich habe Männer kennen gelernt, die den verschiedenartigsten philosophischen Richtungen angehören, und ich kann niemals ein ironisches Lächeln unterdrücken, wenn ich^ an diesen jüdischen „Atheisten" denke, der auf Senf Wasser die Strafe des Gottes fürchtet, dessen Existenz er auf trockenem Boden mit solcher Energie zu verneinen suchte.. .... Pi. Türkei. Konstantinopel, im Jan. (E i n R a b b i n e r - Seminat in der Türkei.) Der Suktan hat . das im Vorort von KonftaNtinopel (Haskiöi) seit einigen Jahren bestehende Rabbiner-Seminar. .durch, ein! kei zu verdanken. Der Direktor des RabLiner-Semi- I nars ist seit dessen Bestehen der Rabbiner Abraham ‘"jDaiiön.*