Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1903)
- Date
- 1903-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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' Wir mußten, wie alle Vermitielungs-Vereine, einen regen Briefwechsel mit ca. 850 hiesigen und auswärtigen, am Sabbat geschlossenen Firmen, unterhalten und verwenden dazu fast unseren gelammten Etat. Wir plazirten im Jahre 1902 99 Personen, und zwar: 81 männliche und 18 weibliche Bewerber. Hiervon entfielen: 86 Stellungen auf Berlin, 13 auf Auswärts. Dem Berufe nach vertheilen sich diese auf: 71 kaufmännische und 28 gewerbliche Stellungen. Es waren gegen Stellenlosigkeit 19 Mitglieder, mit einem Versicherungkapital von Mk. 10,440, und jährlichen Policenbeitragen von 174 Mk., versichert. Von diesen traten 7 im Laufe des Jahres aus,.während 2 neue Versicherte hinzukamen. . Herr Jlia Ber hat auch in diesem Jahre feine unschätzbare Kraft unserem Verein gewidmet, wofür wir ihm wiederum zu ganz besonderem Dank verpflichtet sind.— s . Der Vorstand besteht aus den Herren: M. Dorn, Vorsitzender, Dr. Ed. Biberfeld, 2. Vorsitzender, Naph. Gradenwitz, Schriftführer, I. Ber, Schatzmeister, Eli Lazarus, 2. Schriftführer, M. Merzbach, Beisitzer, Hermann Rosenbaum, Beisitzer. Die Commission für die Stellenvermittelung fetzt sich, zusammen aus den Herren: I. Ber,'Vorsitzender, Louis Becker, Zahnarzt Ad. Caro, Max Schneller und Sälly Struck. Berlin, im Jan. Die „kaufmännische Ehre der Juden" wird noch immer nicht genügend gewürdigt, wie der Rabbiner Dr. Grün Wald aus Hamburg am 15. d. Mts. im „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens",, darlegte, der bereits 100,000 Juden in Deutschland umfaßt, und dessen nunmehr stattgefundene Versammlung in der Viktoriabrauerei wohl von 600 jüdischen Männern und Frauen besucht war. Chamberlain hat in feinen Grundlagen die alten Juden als Roßtäuscher, gemeine Wucherer. Kaufleute ohne kaufmännische Ehre geschildert, und dies war für den Rabbiner Dr. Grunwald ein Anlaß, die kaufmännische Ehre der Juden einmal in's rechte Licht zu sehen u. zu behaupten, daß nicht die Juden, sondern im Gegentheil die arischen Völker den Titel der gemeinen Wucherer und Kaüfleute ohne kaufmännische Ehre, verdienten. Dies sei ja auch ganz erklärlich, denn schon an der Wiege der arischen Kultur begegne man einem Gotte des Geldes, Indra, der die Herzen, wie man wünschte, nach Geld gierig machen sollte. Der König David dagegen bat bekanntlich nicht um Geld, sondern um ein weises Herz. Die Hellenen waren Krämer durch und durch; weniger, als 10 pCt. nahmen sie nicht. Die Tempel der Götter wurden geradezu zu Depositenkassen. Hier zeig! sich schon die Verbindung zwischen Kirchbau und Bankgeschäft, die freilich heute etwas an „Kredit" verloren hat. Auch den Typus Terlinden-findet man schon, der zur rechten Zeit verschwindet. Selbst Plato, Griechenlands idealster Denker, hat nebenbei so manches Geschäftchen gemacht. In Rom beginnt die Geschichte gleich mit eitlem großen Wucherskandal. Hier findet man bereits einen ganz, merkwürdigen Typus von „Junker und Agrarier", der zugleich Schlotbaron ist. Der sittenstrenge Cato sagt:. „Geld verdienen ist die erste Aufgabe des Menschen," und unsterblich geworden ist das Wort des Römers: Non ulet! Im römischen Pantheon sitzt ein Gott der Kaufleute und der Spitzbuben, der Hauptgott, auch^ bei den Germanen, wie Tacitus sagt. Wo aber erfahrt man etwas von jüdischen Wucherern? Ackerbauer sind sie gewesen, das von der Vorsehung erkorene Volk. Später wurde es freilich anders, und überall begegne-. ten die Völker jüdischen Handelsleuten, die. eifrig im Dienste der völkereinenden Kultur thätig waren. Als•. Vasco de Gama Indien betrat, begrüßte ihn ein polni-- scher Jude. Die Verdienste der Juden um Handel, Industrie, Kunstgewerbe werden überhaupt nicht genug. gewürdigt. Juden sind die Gründer der venezianischen Glasindustrie, Juden haben sich bewährt als Rheder - und Seefahrer, die Konkurrenz der Juden in Ältona. hat Hamburg angestachelt und dadurch zur Blüthe unserer größten Seestadt beigetragen. Ein Jude hat den. Tabakbau erfunden, ein Jude hat uns den Kaffee zuerst gebracht, ein Jude in Brasilien zum ersten Male das Zuckerrohr gepflanzt. Juden haben, die höchsten Verdienste um die Kupfer- und Seiden-Jndüstrie. Juden haben gewisse Zweige des Kunstgewerbes geradezu monopolisirt. Und wie traten die Juden als Kaufleute auf? Bis zur Mitte des elften Jahrhunderts Haben sie. garnicht gewuchert. Da war dies Sache der Orden,.: Klöster, Geistlichen. Aus den Gesetzen, der arischen, Völker erkennt man, daß der Wucher so recht ein Geschäft der arischen Völker war, und alle die Eigenschaften, die man dem jüdischen Schacher auf Rechnung setzt, findet man bei ihnen ganz genau: Betrug im Pferdehandel, Münzfälschung, falsche Kriegsgerüchte im Dienste des Kornwuchers, Unterschlagung von Depositen, ja selbst Betrug im Handel mit alten Kleidern. (Große Heiterkeit.) Die Juden wurden erst auf eine niedrige Stufe gedrückt durch die Metzeleien des. 14. Jahrhunderts. Die Fürsten zwangen sie,'.Geld zu haben, und^weil sie Geld hatten, schlug man sie todt. Aber dann rief man sie zurück, um sich der christlichen Wucherer zu erwehren. Man benutzte sie zu Geldgeschäften, und. im Vatikan ist es bis auf den heutigen Tag so. Als die Universität Krakau begründet. wurde, ließ sich. Kasimir sofort eine Anzahl .Juden kommen, damit die Studenten vor den Wucherern geschützt seien. Die Hanseaten haben die Völker furchtbar ausgebeutet, die Welser haben die nothwendigsten Lebensmittel vertheuert, die Fugger Haben gewuchert, daß es sprüchwörtlich wurde, die Juden, aber haben mit ihrem Gelde schöne Thaten des.Patriotismus und des Menschen-