Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1903)
- Date
- 1903-01-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Magistrats des Städtchens Krasnikow, laut welchem die Juden für das Weiden ihrer Kühe auf der Gemeindeweide drei Rubel jährlich extra bezahlen sollen, rechtsungültig ist. Durch diese Entscheidung kann zwar die in allen Städten und Städtchen des Ansiedelungsrayons seit zwanzig Jahren üblich gewordene, durch christliche Kommunalbeamte vorgenommene ungerechte SteuereinschLtzung zu Ungunsten der Juden und zu Gunsten der Christen nicht beseitigt werden. Dagegen ist dem Versuch, auf dem Wege lraffester Willkür den Juden eine spezielle „Judensteueraufzuerlegen, ein für allemal ein Riegel vorgeschoben worden. Eine zweite Senatsentscheidung erklärt die vor einigen Jahren in Petersburg errichteten höheren weiblichen Course als Hochschule, durch deren Besuch jüdische Mädchen und Frauen das Recht erwerben, überall in Rußland wohnen zu dürfen. Infolge dessen wurde der Polizei^ Präsident von Petersburg angewiesen, Frl. Wera Rafailowitz, welche diese Course beendet hatte, die nachgesuchte Erlaubnitz zum ständigen Aufenthalt in Petersburg zu gewähren. Petersburg. (Jubiläum des Baron Harare G ü n z b u r g.) Am 8. Februar feiert einer der hervorragendsten und verdienstvollsten Juden Rußlands, der bekannte Baron Harare Günzburg, seinen 70. Geburtstag, der zugleich sein 40jähriges Jubiläum seiner öffentlichen Thätigkeit im Dienste der jüdischen Oeffentlichkeit ist. Die zahlreichen, jüdischen Vereine und Institutionen, an deren Spitze der Jubilar steht, wollen diesen Tag durch die Errichtung einer großen, jüdischen Stiftung feiern. Petersburg, im Jan. (Die Nemesis.) Bekanntlich kann in Rußland ein Jude kein Richteramt bekleiden; ebenso bekannt ist es, daß der Czar aller Reußen es war, dessen Initiative und energischem Eingreifen es zu verdanken ist, daß das Haager Schiedsgericht zu Stande kam. Nun entbehrt es sicherlich nicht einer gewissen Pikanterie, daß der erste Fall, über den das Haager Schiedsgericht zu entscheiden hatte, ein Streitfall war, der sich zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten ergeben hatte. Das jüngst erlassene Urtheil. wurde von dem berühmten holländischen Juristen Dr. Asser gefällt und fiel zu Gunsten Amerikas aus. Rußland hat sich ohne Murren und auch ohne den leisesten Protest dem Urtheile des jüdischen Juristen gefügt. Odessa. (Reform der jüdischen Kolonien SLdrußlands.) Bekanntlich beabsichtigt die russische Regierung, die 32 jüdischen Kolonien in den beiden südrussischen Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw, welche jetzt noch unter spezieller Verwaltung des Domänenministeriums flehen, unter das allgemeine Gesetz zu stellen^ Als Vorbereitung für diesen wichtigen Schritt, durch welchen über 30,000 jüdisches Ackerbauer aus einem sie schwer bedrückenden Ausnahmezustand heraus und unter normale Verhältnisse gelangen sollen, wurde 1899 Siaatsrath Jelatschitz mit der genauen Inspektion aller dieser'Kolonien beauftragt. Das Ergebniß dieser Inspektion war ein Bericht, in welchem der Regierungskommissar aus zwei in den Kolonien herrschende Mißstände Hinwies.deren Beseitigung erfolgen müsse, bevor in den jüdischen Kolonien normale Zustände eingeführt werden könntem In erster Reihe müssen die m ihnen herrschenden, unglaublichen Schulzustände verbessert, dann aber müßte eine anderweitige Regelung der Besitzverhältniffe vorgenommen werden. Bis dahin gab es nämlich in den: 32 Kolonien nur 13. Schulen, deren Lehrer überdies? sehr schlecht besoldet waren. Die Lehrergehälter tyur-. den nun bedeutend erhöht und die Lehrer selbst zu von der Gemeinde unabhängigen Regierungsbeamten erhoben. Dann wurde beschlossen, in den Colonien neunzehn neue Schulen zu errichten, von. denen sieben bereits eröffnet, die übrigen spätestens im laufenden Jahre eröffnet werden sollen.. Die Neuregulirung der Besitzverhältniffe in den Kolonien ist jetzt Gegenstand eifriger Berathung, und die Frage soll in dem. Sinne einer gleichmäßigeren Bertheilung des Bodens der Kolonien unter die einzelnen Kolonistenfamilien gelöst werden. Die Besitzverhältniffe haben sich nämlich im Laufe der Jahrzehnte derart verschoben, . daß zahlreiche alleinstehende Personen große Ländereien be-- sitzen, während manche vielköpfige Familie , fast ganz. ohne Land ist. Der Boden der Kolonien soll nunmehr unter allen Kolonisten männlichen Geschlechts gleich-.' mäßig vertheilt werden. Wilna. (ILdische Antisemitem und Christen als Rabbiner.) Wenn es irgendwie möglich wäre, die von der Regierung den,, russischen Juden aufgehalste Institution der Kronrabbiner noch mehr herabzusetzen, so ist dieses durch die Ernennung des Theaterrecensenten Jakrich zum stellvertretenden Rabbiner in Mohilew geschehen. Dieser moralisch und intellektuell minderwerthige. Mensch versieht seit einigen Jahren die gesammte antisemitische Provinzialpreffe mit judenfeindlichen, im Geiste des weiland getauften Justus gehaltenen Artikeln. Zum Danke dafür wurde er zum jüdischen Religionslehrer', am Gymnasium zu Mohilew ernannt. Kurz däraüfi reichte Jakrin gegen den bisherigen Kronrabbinet Kagan eine Denunziation ein, in Folge deren dieser in Anklagezustand versetzt und einstweilen seines Postens , enthoben wurde. Die Denunziation erwies in der. Folge sich als durchaus erlogen und Kagan müßte vom ' Gericht freigesprochen und. in. sein- Amt wieder eingefetzt werden. Allein die untergeordneten Provinzial behörden benutzten diese Gelegenheit zu einem richtig^ , .Dummenjungenstreich, indem sie. den Bock, zum Gärt-'^ ner, resp. Monsieur Jakrin zum stellvertretenden' Rab--? Liner ernannten. In dieser Eigenschaft stellte er