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Der Israelit · 1903-01-22 · Heft 6 (22.1.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 6 (22.1.1903)
Date
1903-01-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Unb so wird das Andenken des Verewigten, uns so jäh Entrissenen, niemals in unserer Gemeinde erlöschen. ~ —19. Januar. Die Beerdigung des Rabb. Dr. Blümenthal fand ^ute Mittag statt. Im Trauerhause sprach Rabbiner Dr. Löwenthal- Tarnöwitz, ein Freund und Studiengenoffe des Verstorbenen, Worte des Abschiedes von den Raumen, in denen der Verewigte gelebt und gearbeitet hat. Der Träuerzug bewegte stch hierauf nach der Synagoge, die sterbliche Hülle des Verblichenen wurde in der Nähe der heiligen Lade aufgebahrt. Das geräumige Gotteshaus konnte die Menge der Erschienenen kaum fassen. Anwesend waren Vertreter der Behörden, u. a. Landgerichtspräsident Lindenberg, Landgerichtsdirektor Deittert, Oberbürgermeister Vernert, Bürgermeister Westram, ferner Gymnasialdirektor Dr. Radtke, Realgymnasialdirektor Dr. Knape und die Leiter der anderen Schulen. Nach feierlichem Chorgesang — die Mitwirkung der Orgel hatte sich Dr. Blumenthal, der der strengen Richtung,' angehörte — die Aufstellung der Orgel fand gegen seinen Willen statt — letziwillig verbeten — betrat Rabbiner Dr. Rosenthal-Breslau die Kanzel und rühmte in zu Herzen gehenden Worten die seltenen Vorzügedes so plötzlich aus seinem Schaffen herausgeriffenen Seelsorgers, an dem die Gemeinde mit verehrungsvoller Liebe hing, und der auch ihr mit ganzem Herzen und all' seiner Kraft zugethan war. Der Redner rühmte den sprühenden Geist des Dahinge- Wedenen, seine Liebenswürdigkeit gegen Jedermann, seiner unablässigen Fürsorge für alle Leidenden und Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession. Mit Dankesworten stir den Todten und Trostesworten an die trauernden Angehörigen schloß die Rede. Nach ergreifendem Gesang des Kantors wurde der Sarg wieder gehoben und zum Leichenwagen gebracht. Und nun ^gab ein kaum zu übersehendes Gefolge dem geliebten Seelsorger das letzte Geleit, hinaus zur Stätte , des Friedens. Voran gingen die jüdischen Schülerinnen und Schüler sämmtlicher hiesiger Schulen. In der .Leichenhalle des Friedhofes sprach der Schwager des . Verblichenen, Rabbiner Dr. Freund- Ostxowo, im. Namen der. Familie herzliche Abschiedsworte an den Todten und.gab dem Dank derselben an die. Behörden, .die Gemeindeverwaltung und alle Erschienenen Ausdruck. Als Vertreter des Oberschlesischen Gemeiydeverbandes sprach Amtsgerichtsrath L e w y - Beuthen^ Nach Chorgesang und Gebeten des Kantors wurde der. Sarg zum Grabe gebracht, woselbst der Vorsitzende des. .Vorstandes, Herr Hugo Schuck, mit bewegten'. .Worten von dem Freunde Abschied . nahm. Nach kurzen Worten der Rabbiner Dr. E l l g u t h.e r - Neiffe und Dr. Emmerrch-Beuthen schloß sich das .Grab. 7 V: n"3x:n. Worms, 19. Jan. Der Beschluß der II. Kammer. der hessischen Landstände, daß auch der Justizminifier bei Besetzung von Richterstellen Juden nicht mehr auSschließe, hat insofern einen günstigen Erfolg gehabt, daß nunmehr der Gerichts-Acceffist Dr. Max May von hier in Gießen zum Amtsanwalt ernannt worden ist. — Nachdem im vorigen Jahre ein jüdischer Accessist zum Oberlehrer im Gymnasium zu Offenbach ernannt worden ist, wurde auch in den jüngsten Tagen Accessist Simon in Bingen zum Oberlehrer an der Realschule daselbst ernannt. — Die hiesige israelitische Gemeinde hat von Herrn Salomon L o e b in New-Aork, einem geborenen Wormser, 23,000 Mark für eine Stiftung bekommen, deren Zinsen zu wohlthäiigen und gemeinnützigen Zwecken verwendet werden sollen. Schweiz Zürich, im Thebet. Sonntag, den 18. d. Mts., hielt im hiesigen Talmud-Thoraverein der Mitarbeiter Ihrer, geschätzten Zeitung, Herr Lehrer S. Schachn o w i tz aus Endingen, einen interessanten Vortrag über „Das Gebet der jüdischen Frau", zu dem sich ein zahlreiches und dankbares Auditorium versammelte. Der noch jugendliche und temperamentvolle Redner charakterisier zunächst das Wesen des Gebetes und seine naturgemäße Gestaltung bei den Völkern des Alterthums, entfaltete sodann in kurzer, übersichtlicher .Zusammenstellung ein Bild von der Entwicklung der Gebete in Israel, um sodann auf die spezielle Frage einzugehen: „Was hat die Frau in der jüdischen Geschichte zur Entwickelung der Gebete beigetragen?" Der Redner suchte namentlich die Stellung der Frau zur Synagoge und einige sich dabei ergebenden Eigenthümlichkeiten mit der Anschauung des Judenthums über Frauenemanzipation zu erklären und in Verbindung zu bringen, andererseits aber geschichtliche Beweise dafür anzuführen, daß gerade die jüdische Frau es war, die die größte Rolle in der Entwicklung unserer Gebete * eingenommen haben mußte. Der Redner verbreitete sich noch über die populäre Gebetlitteratur der Gegenwart, schloß aber mit dem Hinweis auf die Unersetzlichkeit des Urtextes und mit Lösung: „Betet hebräisch", und was dies bedingt: „lernt hebräisch." Worte des Dankes und der Anerkennung seitens des Präsidenten, wie lebhafte Ovationen seitens der' Zuhörer waren der wohlverdiente Lohn für die vorzügliche Leistung. -- M. Rußland. Petersburg. Zwei wichtige Senatsentscheidungen der letzten Zeit verdienen, weiten Kreisen bekannt ge-' geben zu werden. In einer Entscheidung vom 2. Ja-' nuar 1903 erklärte der Senat, daß der Magistrat einer' Gemeinde nicht berechtigt ist, dir Juden mit einer be-' sonderen Steuer zu belegen, und daß der Beschluß be§;

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