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Der Israelit · 1903-01-22 · Heft 6 (22.1.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 6 (22.1.1903)
Date
1903-01-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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44. Jahrgang. \t M M 6 ö§S ,y§MWl Zettv«gS«achrrchLes a«d Ekorresporr-errzerr. Lefftm, im Jan. Die Frau Baronin C o h n - Oppenheim hat sich's nicht nehmen lassen, sich nach ihrem Tode in Gotha verbrennen zu lassen. Wer wird da nicht unwillkürlich erinnert — nicht dem Sinne und Geisse, sondern bloß dem Buchstaben nach — an das Wort der Schrift epem Bwa-fns P'k rat „Und die Tochter eines Priesters — Cohen — wird im Feuer verbrannt!" Wer wird da nicht erinnert an das Wort des Propheten Jecheskel .»»2 teKn.*]mnin „Und was von dir zurückbleibt, soll vom Feuer gefressen wer- . den. Solches geschehe dir, weil du den Völkern, nachbnhlteü. weil du dich verunreinigtest an ihren Götzen." lJecheskel 23, 25.) So reich an hohen Tugenden, so hoch die Heimgegangene Baronin in stttlicher Beziehung auch dagestanden, so rühmenswerth ihre Freigebigkeit, ihre Wobltb'ätigkcit gewesen sein mag, — den Wunsch, das . beiße" .Sehnen, nach dem Tode in unjüdischer, heidnischer Weise sich verbrennen zu lassen, können wir nicht anders „brandmarken", als mit dem Wortedes Propheten: „Weil d u d e n Völkern n a ch - buhltest!" Es ist nichts anders, als ein verwerfliches Bublen um den Beifall und die Gunst der Völker, als ein thorichtes Nachaffen der Sitten und Brauche der Volker, mit Hintansetzung und Verachtung der Religion, der Heiligthümer, der Ideale der Väter! Daß auch die Freigebigkeit und Mohltbätiakeit der Frau Baronin nicht das Gepräge jüdischer Barmherzigkeit an üch trug, beweist, daß sie von ihren ungezählten Millionen nickt einen Pfennig für die unglücklichen Brüder und Sckwestern in Galizien, Rumänien, Rußland Lhria hatte. Sie trägt ihre Millionen zu den Köchsten Höben des Glückes und Ruhmes empor, auf daß von diesem großen, weithin leuchtenden Glanze auch auf ste ein Strahl zurückfalle. In die lichtlosen, finsteren Tiefen des Elends und Jammers hinabzusteiaen. dort Tbränen zu trocknen. Balsam auf Millionen blutiae Wunden zu streuen, vermag ste nicht! Wer in ober an dieser Verirrung der armen, reichen, iüdiscken Frauen schuld? Die aufgeklärten Theoloaen. die ..Feuerbestattung" vrediocn. und dann stck selber in den Feuergluten entsündiaen. reinigen und läutern möchten. ' Aber nicht alle Theologen sind so. Dafür n«n Schlüsse noch eine kurze Mittheilung: ..Der Verband der Fenerbestattunas-Vereine Deutscher Sprache zu Hamburg" versendet Fragebogen nach allen Städten Deutschlands an den Magistrat. Die Fragen lauten z. B.: „dürfen auf den Friedhöfen. Aschenreffe mit Feuer Bestatteter beigesetzt werden?! Wie hoch sind die Gebühren für die Beisetzung eines Aschenbr^ hälters?" u. s. w. Der Magistrat schickt die Fragebogen gn die Geistlichen der' drei Confessioncn. . Zufällig kam mir ein solcher Fragebogen mit dendrel Antworten zu Gesichte und ich erlaube mir, dieselben in diesen geschätzten Blättern mitzuthnlen.; Der evangelische Geistliche schreibt: „Bei meinem^, prinzipiell ablehnenden Standpunkte der Leichenper-. j brennung gegenüber, lehne ich auch die Ausfüllung 'der .^ Anlage ab." ( ' (t c ■ Der katholische Geistliche schreibt deßgleicherü'^^ Der Mische Geistliche schreibt: „Ich verweise. a,üf *. meine wissenschaftlichen Arbeiten über Feuerbestattung,;;; die mir jede Erörterung fraglicher Leichenschändung - verbieten." - ' V'. Natibor, ln. Jan. Von einem schweren Vev^ .. luste ist, wie Sie in voriger Nummer bereits kurz be-^) richteten, unsere'Gemeinde betroffen worden.. Rab^ biner. Dr. Blumenthal wurde uns, nachdem, er nur ganz kurze Zeit krank gewesen, durch denTodent-- rissen. In der Vlüthe der Jahre stehend—erst ht, J der vergangenen Woche vollendete er sein 40. Lebens- V fahr — wurde er plötzlich von einer so schweren Darmkronkheit ergriffen, daß ein sofortiger operativer Ein- . , griff erfolgen mußte. Leider war. das Uebel nichts, mehr zu beseitigen.. Schon in der folgenden Nach!' .:, trat der Tod ein. Mit Dr. Adolf Vlumenthal schied eine Zierde des Judenthums aus dem Leben, ein Mann. auf den unsere Gemeinde stolz war. und der in hohem' Ansehen auch bei den anderen Konfessionen ..stand. Mit 26 Jahren schon wurde er an die hiesige Gemeinde - , berufen, in der er ununterbrochen 14 Jahre wirkte^ Während dieser Zeit bat er es wie festen?merb<»r/y standen, üch die Verehrung und Zuneig"na aller Kreise 2zu erwerden. Von glühender Liebe für das J''den--A thum erfüllt und mit wahrhaft zündender. Veredtsam-' keit wußte er seine Zuhörer mit fortzureißen, undfüv'^ unsere heiliae Religion zu begeistern. Seiner Festpredigten besonders, die man als Verlen der Rhetorik 7 - bezeichnen kann, werden wir uns stets Mit Wehmuth ' erinnern. Und welche Familie wird nicht mit Stölzl > an die geistreichen und liebenswürdigen Worte denken;' durch die der nunmehr Verklärte bei religiösen Familienfesten zur Erhöhung der Festesfreude, beitrug? ' . Sein tiefes Wissen und seine vielseitige., Belesenheit.' kamen ganz besonders im Litteratürverein zur Gel- % tuna, dessen Gründer und geistiger Führer er war^ A Daß alle Bedürftigen und Leidenden, alle Waisen und Wittwen auf feine thatkräftige Hilfe rechnen könnten, \ verdient noch besonders hervorgehoben zu werden.

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