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Der Israelit · 1903-01-22 · Heft 6 (22.1.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 6 (22.1.1903)
Date
1903-01-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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120 „Louise von Wartenberg ist meine Frau nicht geworden; meine Eltern haben die Einwilligung versagt, und ich war so schwach, ihnen zu folgen, obwohl ich Louise die Ehe versprochen hatte. Es ist dies ein trüber, ich darf sagen, der einzige dunkle Punkt meines Lebens. Wenn wir noch einige Tage beisammen bleiben, kommen wir auf diesen Gegenstand wohl noch einmal eingehend zurück. Für heute mag es Dir genügen, daß ich mich lange mit dem Gedanken trug, überhaupt nicht zu heiraihen, daß ich erst seit ca. zehn Jahren in die Ehe getreten bin. Du wirst meine Frau morgen kennen lernen, sie ist nicht bester und nicht schlimmer, als viele andere Frauen, ich würde vielleicht auch ganz glücklich mit ihr leben, wenn mich nicht der Gedanke meines an Louise von Wartenberg begangenen Treubruches Tag und Nacht verfolgte und mir die Ruhe meines Lebens raubte. — Ich habe ein Vermögen, das nach Deinen mir gemachten Angaben das Deinige vielleicht um das Sechsfache übersteigt, und dennoch möchte ich gerne mit Dir tauschen, wenn ich Deine drei Kinder dagegen haben könnte. Unsere Ehe ist kinderlos; mein großes Vermögen wird lachenden Erben in den Schoß fallen. Das benimmt mir die Lust an der Arbeit, an jeder Thätigkeit, die geeignet ist, meinen Besitz zu vergrößern. Ich betäube meine Trübseligkeit durch Rennen, Jagen, Fischen, auch durch größere Reisen, aber es hilft alles nichts, jeder Schritt und Tritt erinnert mich an mein Unglück. Du stehst ja, wie eine harmlose, unschuldige Bemerkung die alte Wunde wieder aufreißt, in einem Augenblicke, in dem ich mich der Freude, Dich alten, treuen Jugendfreund wiedergefunden zu haben, hingeben möchte. Entschuldige Dich nicht. Du hast kein Unrecht und keine Taktlosigkeit begangen, es ist das Verhängniß, das Mich nicht zur Ruhe kommen läßt, und mich am schmerzlichsten auffchreckt, wenn ich die Ruhe gefunden zu haben glaube." Graf Dundukof sah seinen Freund theilnehmend D an, bewegt von dem Gedanken, wie der äußere Schein so lä leicht über das wirkliche innere Sein einem täuschen I könne. Er hatte den Baron nach seinem äußeren Auf- | treten für einen der glücklichsten Menschen unter der 1 Sonne gehalten, und sah nun, ein wie tiefer Kummer | an seinem Herzen nagte und sein Lebensglück vergällte. J „Von alledem," begann er dann zu seinem Freunde | gewandt, „konnte ich keine Ahnung haben; aber jetzt, wo 1 1 Du sie mir beigebracht hast, ist es doch nöthig, die Sache l — wie sie liegt — in's Auge zu fassen. Also, Dich bej wegt ein Doppeltes, der Gedanke an Louise, und die- | Erwägung, daß Du für Dein kolossales Vermögen ] keinen Leibes-Erben hast. Wie ein vernünftiger, ge-; setzter Mann Deines Schlages nach dreißig Jahren noch \ an einer solchen Jugendliebe hängen kann, das ist ganz schön poetisch und.romantisch; aber entschuldige die; Freiheit: Ich versieb' es nicht. Wo lebt denn Louise : fetzt?" 1 „Ja, das weiß ich eben nicht; sie ist so gut, wie . verschollen, vielleicht, wahrscheinlich sogar, habe ich ihren Tod verschuldet, und das ist es, was mich so un-! säglich drückt. Die Details, wie wir auseinanderkamen, und was damit zusammenhängt, will ich Dir später mittheilen. Für jetzt nur die Versicherung, daß ich seit zehn Jahren Alles gethan habe, um sie au^ufinden; bis jetzt war alles so umsonst, daß ich seit Jahr - und Tag keinen Schritt mehr in der Sache gethan und - jede Hoffnung aufgegeben habe.". (Fortsetzung folgt.) - Berichtigung. Im Wochenkalcnder vom jüngsten Montag fehlt für 'B dm tsnnn P“DQ, was hierdurch nachträglich bemerkt sei. Der „Israelis «scheint wSefaen&lScIa zweimal, Montage and ©«öHersings, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Bes? Tuchhandel verkehr! durch G. Steinackrev, Lrivzig, Rastplatz ZV. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezrile oder deren Kaum. 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(Fortsetzung.) Anwalt Drr er?.rn VrUaar: — Zeitungsnachrirbren und Corresyondenzen: Deutschland: Dessau. Ratibor. Worms. Schweiz: Zürich. Rußland: Petersburg. Odessa. Wilna. — VermisÄteS. . Anhalt dn rvekLN ÖrirLgs: Klarstellung zum Protokoll der letzten Sitzung des Kuratoriums der Verbands-Pensson-Kassr. — ZeitungSnaüriLten u. Eorrefvondemen; DeutiLland: Hamburg. Amerika: New-Iork. tilustralien: MÄbourne. . . Statistische Ueberstcht der jüd. Leyrerbmferenze» pro 1899t . CsSRsOcitßs*: «Lmjamin* von Dr. M. Lehmann. ° CseemtworWche Kedaetion: OLear Lehmann in Makuz. — Cxvedition des ^Jgraestf. SÄottstratze Nr. 2. Mainz. Druä und Verlag der F.oh. Wtrth'scheu HofbuchdruSeret Letiei>SefeMLatt ln Mainz. Hie^rr vier KeKsge«» -■ - / 1 "1

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