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Der Israelit · 1903-01-22 · Heft 6 (22.1.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 6 (22.1.1903)
Date
1903-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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| thum allmählich gänzlich abgebrochen und in seiner letziwilligen Verfügung seine Beerdigung auf einem vichtjüdischen Friedhofe angeordnet. Der Beerdi- - gung wohnte kein Jude bei, und selbst sein eigener Bruder und Chef des Hauses de Worms, blieb derselben . fern. Lord Pirbright hat drei Töchter, aber keine - Söhne hinterlaffen, so daß die Peerschaft, welche nach dem Salischen Gesetz nicht auf die weibliche Linie über- : geht, mit ihm erlischt. . Rußland. Odessa. Am 2. Januar wurde zu Odessa unter großer Betheiligung der jüdischen Intelligenz ein ausgezeichneter jüdischer Gelehrter zu Grabe getragen, der ein langes, entbehrungsreiches Leben in uneigennützigster Weise in den Dienst der jüdischen Wissenschaft gestellt hat. Moses Basilewski war ein jüdischer Gelehrter aus der alten Schule, und als solcher durchaus Autodidakt. Da er niemals eine Schule besucht hatte, konnte er sein erstes Werk „Der Einfluß des Monotheismus auf die Entwickelung der Wissenschaft" erst im Alter von 40 Jahren veröffentlichen. Dies Erstlingswerk erregte aber gleich nach seinem Erscheinen großes Aufsehen, es wurde in zahlreichen Journalen besprochen und lenkte die Aufmerksamkeit der thoelogischen Gelehrten in so hohem Grade auf sich, daß dgs theologische Seminar zu Kiew dem bis dahin unbekannten jüdischen Autor einen Lehrstuhl unter der Bedingung anbot, daß er vorher zum Christenthum übertrete. Basilewski lehnte jedoch den ebenso ehrenvollen, als einträglichen Posten ab und zog es vor, nach wie vor ein armer, jüdischer Schriftsteller zu bleiben. Er schrieb noch eine ganze Reihe werthvoller Schriften rein jüdischen Inhalts, darunter auch „Ueber die Wissenschaft und die Poesie der Juden der Provence im 13. und 14. Jahrhundert," „Don Chasdai Crascas und Spinoza," Bar Kochba," „Die Niederlassung und die Emancipation der Juden in England," sowie 18 Biographien jüdischer Gelehrter, Dichter und Denker. Ein Versuch, den Talmud in's Russische zu übertragen, kam nicht über den Traktat „Baba Kama" hinaus, bei dessen Drucklegung der arme jüdische Gelehrte sein ganzes kleines Vermögen zugesetzt hatte. Seit diesem Versuch befand sich Basilewski stets in großer, materieller Roth, die ihn zwang, gegen ein klägliches Honorar von fünf Rubel pro Druckbogen, kleine Uebersetzungsarbeiten zu machen. Noch kurz vor seinem Tode schrieb er mit zitternder Hand und bereits unleserlich gewordener Handschrift den ersten Vogen Grätz „Geschichte der Juden," die er in's Russische übertragen sollte, zu Ende, damit seine Frau vom Verleger fünf Rubel erhalten könnte. So leben und sterben unsere jüdischen Schriftsteller, die, anstatt fremde Weinberge zu bearbeiten, ihr Leben und ihr Talent ausschließlich in den Dienst ihres eigenen Volkes stellen möchten. C l | I C M. Tiflis. (P e r sis che Ma r a tt rn.) Wie einst Spanien, so hat noch jetzt Persien eine große An-, zahl Maranen, die aber selbstverständlich nicht Märanen. d. h. Neuchristen, sondern Dshediden, d. h. ° Neubekehrte heißen. Die neue Bekehrung ist bereits Mitte des 18. Jahrunderts, und zwar an einem unglücksvollen Purimtage erfolgt. Dieser Festtag, an dem die Juden Persiens vor nunmehr 24 Jahrhunderten 75,000 persische Hamaniten, die man heutzutage Antisemiten nennen würde, hingerichtet haben, ist allmählich für die Juden Persiens aus einem Freudentage ein Tag des Schreckens geworden. Zwar wissen die Perser, deren beglaubigte Geschichte erst mit den Saffaniden beginnt, ebensowenig etwas von Hamän, wie sie von Cyrus, Darius und von dem ganzen glanzvollen und glorreichsten Abschnitt ihrer Vergangenheit, von Persiens goldenem Zeitalter der Achmaniden, etwas wissen. Allein die Thatsache, daß die Juden Persiens am Purimfeste eine Puppe, welche Hamän versinnbildlichen soll, ausstopfen, dieselbe arg malträtiren und schließlich unter Hohngelächter zum Tode am Galgen verurtheilen, war von jeher sehr geeignet, die fanatische Bevölkerung gegen sie aufzubringen. Dieses beuteten die mohammedanischen Priester auch weidlich aus, wie ihre christlichen Standesgenossen im fernen Spanien das Blutmärchen am Passahfeste auszunützen pflegten. Sie redeten dem Volke vor, die Puppe soll den Imam Risa, den größten Heiligen der Schiiten, darstellen, den die Giaurs in dieser Weise lästern und entweihen. Durch solche Mittel gelang es den Mulleys endlich, am Ausgange des 18. Jahrhunderts, an einem Purimtage, den Pöbel von Meschched und Choraffan derartig gegen die Juden zu fanatisiren, daß er unter ihnen ein furchtbares Blutbad anrichtete und die Ueberlebenden zwang, sich zum Mohammedanismus zu bekehren. Seitdem leben ca. 6000 Juden in Meschched als Dshediden. Sie heirathen aber nur unter einander und essen Fleisch nur aus eigener Schechita. Am Samstag haben sie ihre Läden zwar offen, verkaufen aber in denselben nichts, vielmehr wird etwaigen kauflustigen Kunden, wenn sie den Laden betreten, von einem Knaben mitgetheilt, daß der Besitzer dringender Geschäfte wegen sich auf einige Zeit entfernen mußte. Während des großen mohammedanischen Fastens nehmen sie sich sehr in Acht, in Gegenwart eines Muselmannes zu rapchen oder gar zu essen. Wie Kapitän Michaelow im „Askhabad" mittheilt, wohnen zahlreiche Dshediden auch in Merv, wohin sie lange, noch bevor man da von Russen etwas gehört hat, eingewandert sind. Während aber die wilden Turkmenen . diese Neubekehrten als Mohammedaner gelten ließen, beginnen die „Kulturträger' nach dem Osten" sie als Juden zu behandeln, resp. zu mißhandeln. Ihre Schule wurde schon längst ge-

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