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Der Israelit · 1903-01-22 · Heft 6 (22.1.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 6 (22.1.1903)
Date
1903-01-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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118 :r schloffen, und nun wird jetzt, wie eben derselbe „Askhabad, meldet, ihre Ausweisung geplant. Wo der russische Wolf hintommt, da wird das jüdische Lamm erwürgt. F e u i I i t 4 o «i Von ^loßcrt Käntein. lir Sinnend verließ der Graf die Stätte, schwang sich auf sein Roß und jagte die Anhöhe hinab der russischen Grenze zu, um seine Mannschaft einzuholen, die durch seinen. Aufenthalt auf der Höhe einen beträchtlichen Vorsprung hatte. Aber unablässig beschäftigte ihn der Gedcknke: „Wo kommen die drei Kreuze her?" Von Feiwel's Hand sicher nicht; das stand dem Grafen fest: Feiwel macht keine Kreuze. Es muß also Jemand an dieser Stelle gewesen sein, nachdem Feiwel das Kind dort gefunden hatte. Er muß das Zeichen als solches erkannt und eine Art Gegenzeichnung beigefügt haben. Merkwürdig, merkwürdig, wer hat die drei Kreuze hier eingefügt? Kurz vor der Grenze hatte der Graf seine Leute erreicht. Sie pastirten dieselbe ohne alle Schwierigkeit; ihre richtig gelösten Jagdscheine legitimirten sie ohne Paß und andere Formalitäten. Der Gutsbesitzer, der den Grafen zur Jagd eingeladen hatte, wohnte noch etwa dreißig Werst von der Grenze entfernt; ihn suchte der Graf mit seinem Gefolge zuerst auf. Bei scharfem Ritt wurde das Gut in wenigen Stunden erreicht. Dort hörte der Graf zu seiner Bestürzung, daß der Gutsbesitzer in vergangener Nacht schwer erkrankt sei, und zu: Zeit bewußtlos, in größter Lebensgefahr, darniederliege.' Es seien aber alle Vorbereitungen für die Jagd getroffen; die Treiber seien rechtzeitig vorausge- . schickt, um das Wild innerhalb des Jagdgebietes zu concentriren, und der Graf handle, so versicherte die Frau des Gutsbesitzers, sicher im Sinne ihres kranken Gatten, wenn er sich durch die plötzliche Krankheit seine Jagdfreude nicht stören lasse. Die Leute des Gutes stünden jeden Augenblick zur Verfügung. Hielt der Graf es schon nicht für schicklich, in dem Jagdgebiete eines Bekannten zu jagen, während dieser selbst zu Hause durch schwere Krankheit zurückgehalten wurde, so hielt er eS für noch weniger passend, seine Leute in einer solchen Zeit in Anspruch zu nehmen. Er entschloß sich daher auf dringendes Zureden der Gutsbesitzerin für die Jagd, nachdem er den weiten Weg bis dahin einmal zurückgelegt hatte, dagegen, lehnte er eS ab, von den Leuten des Guts Gebrauch zu machen. Er war in der Gegend allerdings wildfremd, ebenso sein Gefolge, aber sie wußten, daß sie in der Entfernung von einigen und zwanzig Werst mit den Treibern und Hunden des Gutsbesitzers zusammentreffen mußten und machten sich daher auf den Weg. Die Wälder dehnten sich viele Stunden weit aus, aber man hatte ihm gesagt, daß das Eldorado der Jäger im Herzpunkt der Wälder liege, daß dort die Sechszehnender in ganzen Rudeln hausten, wenn man sich den weiten Marsch nicht verdrießen lasse. Sie zogen daher aufs Gerathewohl weiter in der Richtung, in welcher man ohne Zweifel mit den vorausgehenden Treibern Zusammentreffen mußte. Aber ob sie die Richtung verfehlt, oder ob sie immer noch nicht weit genug in den Wald vorgedrungen waren, die Nacht brach herein, ohne daß sie auf irgend Jemand gestoßen wären. . Sie zündeten Fackeln an und drangen beim Scheine derselben immer tiefer in den Wald; die Hunde bellten, die Jäger riefen ihr Halloh! in den Wald hinein, Signalschüffe knallten, aber keine Spur von irgend einem Menschen. Der Wald wurde durch dichtes Gestrüpp immer unwegsamer, und um demselben nach Möglichkeit auszuweichen, kamen sie immer weiter von dem rechten Wege ab, bis sie gegen neun Uhr Abends an eine kleine, freie Lichtung, mit einer Quelle kamen, wie sie die Rehe für ihre Zusammenkünfte lieben. Hier ließ der Graf, von dem weiten, schweren Ritt übermüdet. Halt machen und beschloß, dort zu übernachten. Cs wurde ein großes Feuer angezündet, ein Zelt aufgeschlagen, warme Pelze, Decken und alle Utensilien ausgepackt, die für diese Möglichkeit schon von zu Hause mitgebracht waren. Auch den Samovar hatte man nicht vergessen, und nach einer kleinen, halben Stunde hatten die Jäger alle Beschwerden des langen Rittes bei ihrem dampfenden Thee vergessen. Da ertönten plötzlich von Ferne Jagdhörner, bald darauf hörte man Hundegebell und Pferdegetrappel; es mußte eine andere Jägerschaar in der Nähe sein. Der Graf ließ die Signale erwiedern, und in wenigen Minuten zeigte der Fackelschein einige Jäger, etwa zehn an Zahl, die von der entgegengesetzten Richtung daherkamen. . Diese hatten von einer nahegelegenen Anhöhe, die sie eben passirten, das Waldfeuer gemerkt und waren darauf losmarschirt, in der Erwartung, dort Jäger zu finden, die in dem dichten Walde die Richtung verloren hatten, ein Vorkommniß, das in dieser Jahreszeit nicht selten war. Der Graf war den herankommenden Jägern einige Schritte entaegengegangen. Der Reiter an der Spitze stieg ab, um sich dem Feuer zu nähern. Es war eine sympathische Erschei-

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