Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1903)
- Date
- 1903-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Haas (Vez. Cassel), 17. Jan. Unsere Synagoge erhielt zu.Schabos Chanukoh ein prachtvoll ausgestattetes sowie prv und "vV- Decken. , Während dieses von der rri^n gespendet wurde, schenkte unser verehrtes Gemeindemitglied, Herr H. G o l d s ch m i d t, zwei äußerst elegante Thora- Mäntelchen, welche nebst elfterem aus dem Atelier des Herrn B. Grünebaum, Buchhandlung, Cassel, hrrvorgingen und durch feinste, eleganteste, sowie sorgfältigste Ausführung unsere vollste Zufriedenheit fanden. Moses Goldschmidt. . Freihurg i. B., 20. Jan. (Ermordung eines israelit. T rödlers.) Beunruhigenden Eindruck macht hier die Ermordung des israelitischen Trödlers Burkheimer, eines in den 7Oer Jahren stehenden kränklichen Mannes, der in kümmerlichen Verhältnissen lebte. Der allein wohnende Mann wurde am 13. Januar Abends in der ihm gleichzeitig als Geschäftslokal dienenden Wohnung in der Brunnenstraße — einem Seitengäßchen der Altstadt — von seinem hier zu Besuche weilenden Sohn, auf dem Boden liegend, todt aufgefunden. Außer einigen Nägelmalen am Halse trägt Burkheimers Körper keine Spuren äußerlicher Verletzung, er dürfte also erwürgt worden sein. Es erscheint unzweifelhaft, daß ein Raubmord vorliegt, da die Schränke und Schubfächer in dem als Geschäftsraum dienenden, wie in dem anstoßenden Zimmer, weit offen standen und theilweise gewaltsam erbrochen waren und ihr Inhalt sich bunt durcheinander gewürfelt zeigte. Der Thäter ist zur Zeit noch unbekannt.^ - Oesterreich. Lemberg, im Jan. Die vergangenen Tage waren bedeutungsvolle für unsere Gemeinde, da während derselben das große, mit allen hygienischen Behelfen erbaute Spital des Philantropen Direktor M. Lazarus sowohl, wie auch das Mädchenwaisenhaus und die renovirte Waisenhaus-Synagoge, die der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. S. Schaff und seine Gattin Frau M. Schaff, zur Erinnerung an die verewigte Tochter, Fräulein Rachel Schaff, errichteten, der allgemeinen Benützung übergeben wurden. ' " ' England. London, im Jan. (Ableben des Lord Pirbright.) Lord Henry Pirbright, nebst Lord Rothschild der zweite jüdische Lord in England, ist am 9. Januar, im Alter von 62 Jahren, einem schweren Lungenleiden erlegen. Der Verstorbene wurde 1840 in London als dritter Sohn des aus Frankfurt a. M. eingewänderten Salömon Worms geboren. Der Vater Salomon Worms', Benedikt Worms, hat eine Tochter des alten Meyer Amschel Rothschild geheirathet, und dadurch den Grund zu der Größe des Hauses Worms gelegt. Ihre Kapitalien legten die Worms frühzeitig in Ceylon an, wo sie eine umfangreiche Plantage „Rothschild* errichteten, und dadurch wesentlich zur Entwickelung Ceylons beitrugen. 1870 wurde Salomon Worms österreichischer Baron und zwei Jahre später gestattete die Königin Viktoria dem Mannes der sich um Ceylon so verdient gemacht hatte, diesen Titel in England führen zu dürfen. Dem jetzt verstorbenen -Lord Pirbright war es aber bestimmt, den Glanz des Hauses Worms noch weiter zu steigern. Ursprünglich Rechtsanwalt, that er sich zunächst im jüdischen Gemeindeleben Londons, und später im Leben der Londoner Commune hervor. Nach einigen mißglückten Versuchen, in's Unterhaus zu gelangen, wurde er endlich 1880 in Greenwich, und 1885 in Liverpool, als Mitglied der konservativen Partei gewählt. Seine glänzende Fähigkeiten brachten'ihn schnell vorwärts, so daß er 1888 Minister für die Colonien wurde. Gleichzeitig wurde er Mitglied des Geheimen Kabinets und Vertreter Englands an der internationalen Zuckerkonferenz, die im folgenden Jahre in London abgehalten wurde. 1895 wurde er unter dem Titel eines Lord Pirbright zum Mitgliede des Oberhauses erhoben, nachdem er durch eine ihm zugefallene große Erbschaft in den Stand gefetzt worden ist, als Peer von England zu leben. Als Jude hat sich Henry Worms in der ersten Zeit seiner politischen und öffentlichen Wirksamkeit hervorragende Verdienste erworben. Er war jüdischer Schulvorsteher, Synagogenvorstand, und viele Jahre hindurch Präsident der Anglo-Jewish-Affoziation. Als solcher hatte er öfters Gelegenheit, an der Spitze von Deputationen die jüdischen Interessen beim englischen Auswärtigen Amte wirksam zu vertreten; doch wirksamer und glänzender vertrat Henry de Worms die jüdischen Interessen im englischen Unterhause, wo er durch seine glänzende Beredtsamkeit als wahrer Vorkämpfer des Judenthums sich bewährt hat. Unvergessen soll ihm die machtvolle Rede sein, welche er 1882 gelegentlich der großen Judenverfolgungen in Rußland im Unterhause gehalten hat. Am 3. März 1882 brachte er im Unterhause die Resolution ein, wonach das englische Unterhaus, „indem es die Verfolgung und die Niedermetzelung von Juden in manchen Gegenden Rußlands tief beklagt, die Hoffnung ausspricht. daß die Regierung Ihrer Majestät Mittel und Wege finden wird, allein oder in Verbindung mit änderen Mächten, unter Benutzung der freundschaftlichen Beziehungen zur Regierung des Czaren, die Wiederholung solcher Vorkommnisse in Rußland zu verhindern.* ' Baron Henry de Worms wurde allerdings dazu bewogen, diese Resolution zurückzuziehen: er that es aber nicht eher, als bis der damalige Premierminister, Mr. Gladstone, seine lebhaftesten Sympathien mit den verfolgten Juden offiziell kundgegeben hatte. Als Lord Pirbright hat er später feine Beziehungen zum Juden-, s