Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1903)
- Date
- 1903-01-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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in der Frage vertretenen Auffassung stellen, müssen wir daran sesthalten, daß es nicht Aufgabe des Volksschulunterrichts sein kann, durch Aufnahme des hebr. Unterrichts Ziele zu verfolgen, die, so berechtigt und werthvoll fie an sich sein mögen, sich nicht mehr in den der Volksschule gezogenen Grenzen bewegen. Aus diesem Grunde wird es Sache der jüdischen Kultusgemeinoe sein müssen, für den Unterricht im Hebräischen, soweit sie ihn für erforderlich hält, durch Errichtung besonderer Kurse Sorge zu tragen. Daß der Besuch dieser Kurse von Seiten derer, die an ihnen Theil nehmen sollen, als eine schwere Belastung empfunden werden würde, glauben wir nicht befürchten zu sollen, da schon jetzt ein erheblicher Theil der jüdischen Kinder neben dem jüdischen Religionsunterrichte der Gemeindeschule, besonderen jüdischen Religionsunterricht erhält. Das würde sich auch in Zukunft nicht ändern; denn die Leistungen, die im Religionsunterricht der Volksschule auf dem Gebiete des Hebräischen zu erzielen wären, würden in jedem Falle so bescheidene sein, daß sich das Bedürfniß nach einer weiteren Ergänzung und Vertiefung Herausstellen würde. Es wird daher die religiöse Bildung der Kinder wirksamer gefördert werden, wenn die Arbeit der Schule durch Fortfall des Hebräischen zu Gunsten einer vertieften Behandlung der übrigen Reliaionsstoffe entlastet und zugleich für die Kinder, die das Hebräische erlernen sollen, ein besonderer, nur diesem Zweck dienender Unterricht' eingerichtet wird. Eine solche Einrichtung wird sich um so.mehr empfehlen, als in den jüdischen Kreisen selbst vielfach auf den Unterricht im Hebräischen kein Gewicht gelegt wird. Bei dieser Sachlage müssen wir Bedenken tragen, dem Antrag des Vorstandes betr. Aufnahme des Hebräischen in den Religionsunterricht der Gemeindeschulen zu entsprechen. Indem wir daher anheimstellen, durch Ausgestaltung und Unterstützung der jüdischen Religionsschulen das von einem Theile der jüdischen Bevölkerung anerkannte Bedürfniß einer Unterweisung im Hebräischen zu befriedigen, legen wir im Uebrigen entschiedenes Gewicht darauf, bei der Feststellung eines einheitlichen Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht der Gemeindeschulen uns der Mitwirkung des Vorstandes der jüdischen Gemeinve zu versichern. Wir überreichen daher den uns von der Städtischen .Schuldeputation vorgelegten Entwurf zur gefl. Kenntnißnahme mit dem Ersuchen, etwaige Bedenken geltend zu machen. Der Rückgabe des Entwurfs sowie der Aeußerung über denselben sehen wir möglichst bald entgegen und geben einstweilen den mit dem Schreiben vom 3. c. uns vorgeleFten Entwurf zurück. gez. Lucanus^' Referent Professor. Dr. Plaschke bittet die Versammlung, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Er schlägt vor, sich noch einmal an das Pro-, vinzialschulkollegium zu wenden und die Dringlichkeit des hebräischen Unterrichts zu betonen. Ihm schließt sich Prof. Baginsky an. Bewilligt werden 232.60 Mk. zur Reparatur von Oefen im Grundstück Oranienburgerstraße 30, und 15.000 Mk. für den Umbau des zweiten Waisenhauses in Pankow. — Eine äußerst erregte Debatte findet bei Punkt 8 statt. Referent Prof. Geiger bittet den Vorstand, welcher dem Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums 1000 Mark Beitrag bewilligt hat, diesen Beitrag auf 3000 Mark zu erhöhen. Redner schildert die Gefahren, welche aus der Unkenntniß des Judenthums besonders jetzt entstehen. Wer solle die Wissenschaft fördern? Die Rabbiner seien durch ihre Berufsthätigkeit in Anspruch genommen. Rur dadurch, daß man jungen Leuten die Mttel für das Studium auf Jahre hinaus ge-, währe, könne Hilfe geschaffen werden. Dies sei weit wichtiger, als andere Institutionen, für welche man Millionen ausgibt. Herr Prof. Baginsky tritt mit Eifer für den Antrag Geiger ein. Aber es frommte nichts! Vom Vorstandstisch wird erklärt, daß es vorläufig bei 1000 Mark bleibe. Man wolle erst sehen, was aus der Sache wird, später könnte vielleicht eine Erhöhung eintreten. — Für die Errichtung einer oberen Abtheilung der ersten . Klasse der Mädchenschule, in welcher Mädchen für den kaufmännischen Beruf ausgebildet werden sollen, werden 1500 Mk. bewilligt. — Um 12 Uhr fand die Amtseinführung der wieder bezw. neugewählten Nettesten und Aeltesten-Stellvertreter statt. — Herr Michael Rothschild in Grevenbroich hat der hiesigen Gemeinde ca. 160,000 Mk. vermacht. E. R. Hamburg, 18. Jan. Seit Kurzem ist zu der Zahl, hiesiger Lamdonim ein hervorragendes Mitglied hinzugekommen, indem die Testamentsverwaltung oer rjn dirw 12 yb i viv Klausstiftung den berühmten ibn pn& "i mno, Verfasser der nnn o’nB'im als Klausrabbiner hierher berufen hat. Derselbe hat sich mit einem Charifis-Vörtrage über eine vorher ausgegebene jw» eingeführt und damit nicht allein die vollzählig anwesenden Fachmänner entzückt, sondern auch die Bewunderung aller zahlreich erschienenen Zuhörer erworben. Herr Halevy wird hier zunächst sein ziemlich weit vorgeschrittenes Werk vollenden, um dann für die lokalen Thorabedürfniffe im Sinne des edlen Testators thätig zu sein. Hoffentlich wird sich Herr Halevy hier, der allseitigen Verehrung, die man ihm entgegenbringt, entsprechend, recht heimisch und behaglich fühlen. Die Verwaltung der Levy Salomon-Klaus, wie sie offiziell genannt wird — geht mit dem Plane um, diese vom Großen Neumarkt nach der Grindelgegend zu verlegen, wa- I selbst jetzt die meisten hiesigen Juden wohnen.