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Der Israelit · 1903-01-22 · Heft 6 (22.1.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 6 (22.1.1903)
Date
1903-01-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«Aber Herr N., soll denn Ihr Sohn ein Rabbiner werden? Jetzt sind die besten Jahre für's Geschäft. was hat er von all dem. wenn das Jahr zu Ende ist?" O, daß wir doch wieder die Zeit hatten, die keine Rabbiner kannte, jene Zeit, da unsere Tauro wirklich noch «Erbe der Gemeinde Jakobs* war. Haben denn nur Rabbiner Tefilin zu legen und Mesusaus an ihrem Haus zu haben, und lernen Thaurostudium, aller Mizwoth Krone, wäre Spezialität des Rabbiners? „Weil er die Zunge des Rab Chuzpis im Kothe liegen sah." Damals waren' blinde, fanatische Heiden, unter deren Händen Rab Chuzpis den Märtyrertod erlitt. Unsere Weisen s. A. erklären den VerS „Olecho hauragnu kol hajaum": „Für Dich (Gott) werden wir den ganzen Tag gelobtet" auf die Menschen, die für ihre Gottestreue sich ruhig allem Schimpf und Spott aussctzen. Ach, wie nahe stehen wir dann den- Heiden zur Zeit des Rab Chuzpis. Etwas weniger feinere Wäsche und etwa mangelhafte Aussprache, und der „Pollak" ist da. als willkommener Zielpunkt für alle so höchst seinen und gebildeten Witze der brüderlichen „Germanen." Und wenn das jüdische Herz dem Armen auch Speise und Trank reicht, die Thora in dem armen Manne, sie wird verachtet, und sie rächt sich bitter sie hat sich schon gerächt. Und den reichen Mann lobt man wahrlich nicht, daß er ein Thoragelehrter und auch dabei reich sei, sondern daß er reich und auch Thoragelehrter sei. Es gab eine Zeit, da wurde der Einzelne in Israel nicht geschätzt nach Reichthum, Würde und Ansehen. War er ein Thoragelehrter, so war er Alles, und war er's nicht, so wurde er als Amhoorez verachtet. „Und weil er Bücher der Minnim las." „Der hat ja kein?» Dr.." hörte ich jüngst spöttisch einen Parnes nach der Probepredigt eines Rabbinatskandidaten zu feinem Nachbar sagen. Und der arme Dr.-Lose ist Rabbinatskandidat geblieben. Was nützt es ihm, daß er seine Kufjud Simonim im Jore dea kann. Der Wahnsinnige, Rabbiner werden ohne Dr.! Fa, man hat's dekretirt, man muß die Bücher der Minnim lesen, bevor man entscheiden kann, ob ein Huhn koscher oder trefah. Und da feilte man sich wundern, wenn wirklich unsere Rabbiner statt zu lernen, wie's die Ahnen thaten, sich wenden zu nichtjüdischem Weisheitsborn, und wahres Thoralernen, jenes liebevolle Versenken in's Studium, immer seltener anzutreffen ist in unseren Kreisen., - „Weil er griechische Lieder sang." Und wir, glauben wir's nicht auch, wir müßten draußen suchen, wenn wir unser Gemüth stärken, unser Herz erheben wollen. Wie weit ist es doch in unserer Zeit gekommen, in unserer Zeit der jüdischen Weihnachtsbäume und Sylvesterabend-Feiern. Nein, auch unser Gemüth kann wahrlich »genug Stärkung und Erhebung aus unserer Thauro schöpfen. Aber lernen müssen wir sie, lernen. Alt und Jung, Klein und Groß, der^Kappenmacher wie der Seminardirektor.. Dann wird schwinden aus Israels Kreisen jener verderbliche Achergeist. ZeiturrgsrraHrtchLen urrd EorresNorrverrzerr. Deutschland. . Berlin, 18. Jan. Die heutige Repräsentanten- Versammlung eröffnete Herr Gustav Lowenberg mit der Mittheilung, daß das Polizeipräsidium die wiederbezw. neugewählten Aeltesten und Aeltesten-Stellvertreter bestätigt hat. Er erfolgt die Wahl der Vorsitzenden und Schriftführer, welche folgendes Resultat ergibt: Erster Vorsitzender: Herr Gustav Loewenberg, erster Stellvertreter Herr Commerzienrath Friedländer, zweiter Stellvertreter Herr Geheimrath Blumenthal; erster Schriftführer Herr Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn, die beiden Stellvertreter sind: Direktor Isidor Sachs und Julius Oliven. Bei Punkt 3 entsteht eine fast einstündige Debatte. Es ist ein Schreiben des Provinzial-Schul-Collegiums eingegangen, in welchem dasselbe die Aufnahme des Hebräischen in den Lehrplan für den jüdischen Religionsunterrichts in der Volksschule ablehnt. Das Schreiben lautet: 22. Dezember 1902. Konigl. Provinzialschul-Kollegium! Den uns überreichten Entwurf eines Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht an Gemeindeschulen haben wir zunächst der städtischen Schuldeputation zur Aeußerung zugehen lassen. Gegen die in dem Entwürfe vorgesehene Aufnahme des Hebräischen in den Religionsunterricht der Gemeindeschulen sind von der genannten städtischen Behörde grundsätzliche Bedenken geltend gemacht. In Würdigung dieser Bedenken können auch wir uns der Erwägung nicht verschließen, daß die Einführung des Unterrichts im Hebräischen über die Ziele, die der Volksschule gesteckt sind, hinausgreifen wurde. Wir verkennen dabei nicht, daß die Entscheidung der Frage, ob und inwieweit der Lezeichnete Unterricht als ein wesentlicher Theil des jüdischen Religionsunterrichts anzüsehen ist, nicht von uns, sondern von dem Vorstände der jüdischen Gemeinde zu treffen sein wird. Aber selbst wenn wir uns auf den Boden der dortseits

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