Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1903)
- Date
- 1903-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Aentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von . Dehmsnn in . Do««erftag, de« FL- Iwet DAmM abonntrt man bei alle« Postanstalten für die Monate W&hvrw&s* WLÄ E2&rs auf den wlspoeilt". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchatter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem bei treffenden Landbrieftrüaer aufgeaeben werden. r*~?* Die Briefträger sind berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tage» deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. Die CrprdMon des .Israelit." Elischa den Abuja. Bon S. E., Frankfurt a. M. Talmud — heißt Israels Lebensbaum. Talmud sein Panier, sein Schwert in der Zeiten Kampf. Unzählige Gärtner pflanzten ihn und hegten ihn, lebten und starben für ihn. Und die Namen dieser Gärtner werden nimmer vergessen, so lange noch e i n Geist Israels Lebenslehre sich widmet. Und sie klingen, diese Namen, so eigen, so alt und doch so jugendfrisch. Nicht nur in trockener Historik, sondern im täglichen Leben und Streben richtet ein Volk sich nach diesen seinen Geistesfürsten, feinen „Weisen". Aber einer unter diesen Weisen — erzählt uns wehmüthig klagend der Talmud — einer der Größten unter den Großen, zweifelte, fiel ab und verführte andere zum Abfall von Gottes Wort. Und die Menge konnte, es nicht begreifen, sie nannte den abtrünnigen Elischa ben Abuja, Acker — einen Andern — er war ein Anderer, geworden. _ „ , 23. Thebet 5663 \ 22. Januar 1903. v > V „Warum wurde Elischa ben Llbuja ein Abtrünniger? Weil sein Vater ihn nicht aus reiner Absicht lernen ließ, weil er die Zunge des Rab Chuzpis im Kothe liegen sah, weil er die Bücher der Mnnim taS,; und weil er griechische Lieder sang." . (Babli und Jeruschalmi Chagiga Perek 2.) Heute gibt's keine Acher's mehr? Fragt heute Niemand mehr unsere Jugend, warum lernt Ihr, wenn es zu Eurem Vroderwerb nichts nützt, wie Acher den Schüler vom Lehrer hinweg lockte?. Eins hat. sich ge-, ändert seit jenem ersten Acher. Damals fand sich un- - ter tausend unserer echten, wahren, an Geist und Ge^ müth so großen „Talmide Chachomim" e i n Acher, und — heute findet sich unter tausend Acher's ein : „Talmid Chochom^ Waren es ja in der Mtte des 19. Jahrhunderts lauter Kenner der Thora, die als. Wortführer der Reform verrätherisch mißbrauchten, was ihnen hoch und heilig hätte sein sollen. Und Schulen wurden gegrün- ' bet, Seminarien gestiftet, deren Tendenz jener verderbliche Acher-Geist war. Eine dritte Generation steht schon da. nur wenige thatkräftig wirkend, und jeden Tag wird berechtigter der alte Sinai-Ruf: „Wehe, wehe ob der Schmach der Thora!" Da dürfte es denn - wohl am Platze sein, jene Gründe für Acher's Abfall etwas näher zu betrachten, zu prüfen, ob nicht auch noch heute da manches zu bessern oder Besserung wenig- - stens anzustreben ist. „Weil sein Vater ihn nicht aus reiner Absicht lernen ließ." Lernt man heute — wenn man noch lernt — aus reiner Absicht? Wenn heute ein Vater seinen Sohn, mit den dürftigen Schulkenntnissen nicht - zufrieden, nach der Schule in eine Privatanstalt schickt, wird es Niemanden einfallen, darin etwas Besonderes zu erblicken. Wenn aber der jüdische Vater seinem - Sohn jüdische Privatstunden geben läßt oder ihn gar ein Jahr auf die Jeschiwo schickt, kann man hören: