Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1903)
- Date
- 1903-01-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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103 schwer versündigt. Denn wenn auch nur ein ganz ge-, wohnlicher Mensch sich meldet, daß er die religiöse Unerläßlichkeit eines Schachet vor einem Bes Din Nachweisen will, mußte man ihm auch zuhören; um wie viel mehr, wenn dies der Rabbiner in seiner Gemeinde wünscht. Im rrr des Hamburger Rabbiners s. A. wird sogar die Norm ausgestellt, daß der Rabbiner . in seiner Gemeinde befugt ist, wenn er den Schachet in Verdacht hat, ihn ohne jede Motiviruna für untauglich zu erklären. Es ist erschreckend, was der Koßoner Rabbiner angestistet hat. Er hat seine Hand gegen die Thora erhoben. Man soll ihn meiden, daß man nicht mitgerissen werde mit seinen Sünden. Man kann ihm keine Entschuldigung finden. Man vertheidigt keinen Verführer, und wenn er Frevel auf Missethat häufen wird, durch Flugschriften noch weiter zu lästern-, wird er auch durch schärfere Verurtheilung gerichtet werden." Der Mann ist gerichtet, und man wird von diesem Verdikt in allen gesetzestreuen Kreisen Notiz nehmen. Die Mitglieder seiner eigenen Gemeinde und des Bezirkes müssen sich auch in Acht nehmen, nachdem seine rabbinischen Entscheidungen für null und nichtig erklärt wurden. In Galizien und auch anderwärts werden nunmehr seine Atteste für Koscherwein keinerlei Geltung haben, und es ist garnicht abzusehen, in welche Unannehmlichkeiten seine fanatischen Anhänger durch ihn verwickelt werden können, nvw xnW ipx! In welches erschreckende Stadium die zersetzende Krankheit am Thatorte selbst getreten ist. beweist der Umstand, daß die Despoten der Kultusgemeinde in N. Madä an einen Rückzug noch garnicht denken. Sie rühmen sich öffentlich, daß es ihnen durch Geld gelingen werde, Galizische Rabbiner für ihre Sache zu gewinnen. Die Vethörten schickten auch zu diesem Zwecke einen größeren Betrag ihrem gefallenen Helden. Es ist dies ein trauriges Symptom für die Gesinnung dieser Leute. Kein namhafter Rabbiner in Galizien wird den zweifelhaften Muth haben, gegen die Gesammtheit der ungarischen orthodoxen Rabbiner aufzutreten. Wird einer dies Unterfangen dennoch wagen, so hat er sich sebst das Urtheil gesprochen: ins fea iw btyi. Wie immer die Dinge sich weiter entwickeln werden, ist es tröstlich, die Wahrnehmung gemacht zu haben, drr-'v' p*?x »b v, daß Israel doch nicht verwaist, und daß rrrm ra im entscheidenden Moment von größter Bedeutung ist. Das Gerücht einer tiefverletzenden Ungerechtigkeit verbreitete sich durch Ungarn, und es standen edle Rabbiner auf, ö’P’K», die kein Ansehen schonend, nur Gottesfurcht, niw p und rrmn tcs vor Augen hatten und mit hohem Muthe es verhinderten, daß Finsterniß zu Licht und Licht zu Finsterniß gemacht werde. „Ihr sollt rein sein vor Gott und Israel!" Die Wächter und Beschützer des Heiligthums haben diese Satzung in erster Reihe zu befolgen. Rabbi Josef Rottenberg hat sich gegen diese Wahrheit umso schwerer vergangen, als er auch noch die ihm dargebotene Rechte der hervorragendsten Gaonim verschmähte. Er mußte gestürzt werden. Und dieses, seine rabbinische Autorität vernichtende Verdikt wird zu den Richterstühlen Israels sich einen Weg bahnen, damit man es weit und breit höre und solchen Frevel nicht wiederhole. Und diejenigen, die bisher der Gelehrsamkeit und Frömmigkeit dieses Mannes alle Verehrung zollten, werden besser begreifen die alte Wahrheit: w *paan fcxn w cäp rÄna ruwio tww fna pv "pro er» pmr rwj sreaVi. Nach solcher Verirrung gibt es nur einen Weg zur Rehabilitirung. Rabbi Meir hat nicht aufgehört, feinem Lehrer Elischa diesen Weg zu zeigen. Auch Rabbi Josef Rottenberg stützt sich vergebens auf das eitle Ansehen, das ein thörichter Haufe in blindem Wahne ihm zollt. Die wahren Männer der Thora rufen ihm zu:! ts "mn!*p *mn — orov. — ZerLmrgsNachriÄ-err tut* Gerresyorrdesreir. Deutschland. Berlin, 18. Jan. Die Vorträge deS Professors Delitzsch über „'Babel und Bibel", in denen er den Nachweis zu führen suchte, daß sowohl die monotheistischen Ideen, wie die Schöpfungsgeschichte der Juden auf babylonische Ursprünge zurückzuführen seien, haben in der auf orthod. Standpunkte stehenden christl. Presse lebhaften Unwillen erregt. Im liberalen Lager wird im Gegensatz hierzu mit Befriedigung hervorgehoben, daß die GLrlitzer Kaiserrede über „Weiterbildung der Religion" jetzt .ihre beste Illustration in der Bevorzugung liberaler Theologen, wie Harnack und Delitzsch, durch den Monarchen finde. Hier ist ein kleiner Jrrthum zu berichtigen. Professor Delitzsch ist allerdings der Sohn eines berühmten Theologen, aber selber nicht Theologe, sondern Assyriologe. Er gehört der philosophischen Fakultät der Berliner Universität an und ist Direktor der vorderasiatischen Abtheilung der Königlichen Museen. Während Professor Harnack aus der theologischen Fakultät hervorgegangen ist. und als' Kirchenhistoriker zwar eine berhältnißmaßig unabhängige Stellung einnimmt, ihr aber immer noch angehört, gehören die Vorträge des Professors Delitzsch in das Gebiet der reinen Kultur- und Jdeenforschung, und haben mit Theologie nichts gemein. Eine Protestkundgebung gegen Professor Delitzschs . Behauptungen in feinen Vorträgen über „Babel und Bibel" wurde übrigens dieser Tage in einer Versamm-