Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1903)
- Date
- 1903-01-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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lung des „Zentralvereins deutscher Staatsbüger jüdischen Glaubens" von Dr. Hirsch Hildesheimer angeregt. Prof. Delitzsch habe, so erklärte Dr. Hildesheimer, das Heiligste der Juden, die Bibel, angegriffen; auf Grund eines einzigen verwitterten Steintäfelchens, dessen Inschrift von jedem Gelehrten bisher verschieden ausgelegt wurde, werde der jüdischen Religion das Recht bestritten, sich als Mutter des Monotheismus , des reinen Gottesbegriffes, des Sabbats, der zehn Gebote und anderer grundlegender Lehren und Institutionen anzusehen. Alles solle den Babyloniern entlehnt sein. Professor Delitzsch habe vor brutalen Unwahrheiten nicht zurückgeschreckt und durch seine Behauptungen das gesammte Judenthum beleidigt. Könitz, 18. Jan. Sämmtliche hiesige Israeliten haben gegen Ahlwardt Strafantrag gestellt, wegen einer im Oktober v. Js. gehaltenen Rede. Natibor, 18. Jan. In der Nacht vom vergangenen Mittwoch auf Donnerstag, den 16. Januar, verschied plötzlich in Folge einer Darmverschlingung, die zu einer Operation führte, Herr Rabbiner Dr. Blumenthal dahier. Unsere Leser ersehen aus den Nachrufen im Inseratenteil dieser Nummer, welch' unendlicher Werthschätzung und Hochachtung sich der Heimgegangene erfreute, und von welchem Segen seine Thätigkeit begleitet war. Auch uns war der Heimgegangene länger denn zwei Jahrzehnte ein treuer und anhänglicher Freund. Schon als blutjunger Student, als die ersten Stöckerversammlungen ungeheures Aufsehen im ganzen Reiche hervorriefen, als noch kaum ein Jude sich hineintraute, da wagte er sich in die Höhle des Löwen und kämpfte mit Wort und Schrift gegen die Hetzreden, die uns damals noch furchtbar erregten. Damals gab es noch keine Abwehrblättcr, die politischen, selbst judenfreundlichen Zeitungen, wagten sich nur mit Widerstreben an den subtilen Gegenstand, da war es der Dahingeschiedene, der im „Israelit" das Wort ergriff und mit Donnerstimme den Feinden die Wahrheit sagte. Seine Ausführungen wunderten aus dem „Israelit" oft durch die gesammte deutsche Presse, ohne daß Jemand den bescheidenen Verfasser ahnte. Seit dieser Zeit ist uns der leider so früh Dahingeraffte treu geblieben, und manche Notiz aus Schlesien, Posen und den Nachbarprovinzen, stammte aus seiner Feder. Auch so manche größere Arbeit, die er aber in seiner Bescheidenheit nie mit Namen zeichnete, verdankten wir dem nunmehr Geschiedenen. Wir behalten uns vor, über das Leichenbegängniß ausführlich zu berichten. . Möge der Allgütige der trauernden Familie und Gemeinde Seinen Trost senden. Frankreich. Paris. (Fünfzigjähriges Jubiläum des Baron Rothschild.) Das Jahr 1902 war für das Pariser Haus der Familie Rothschild ein richtiges Jubeljahr. Nachdem im Mai desselben Jahres Baron Alphonse Rothschild sein 60-jähriges In-, biläum als Mitglied des Central-Konsistoriums, einige Monate darauf Baron Edmund de Rothschild, der große Chowaw-Zion, sein 26-jähriges Jubiläum als Mitglied des Pariser jüdischen Wohlthätigkeitskomitee gefeiert haben, fand am 30. Dezember, kurz vor Jahresschlutz, noch das 60-jährige Jubiläum des 72-jährigen Baron Gustav Rothschild als Vorstandsmitglied der Pariser jüdischen Gemeinde (Pariser Konsistorium) statt. Fast die gesammten Vertreter des französischen Judenthums, wie die Mitglieder des Central-Konsistoriums, der Gesammtvorstand der Pariser jüdischen Gemeinde, die Delegirten zahlreicher, sonstiger französischer jüdischer Gemeinden, die Vorsteher aller in Paris bestehenden jüdischen Institutionen, Vereine und Chewrath. sowie sämmtliche in Paris amtirenden Rabbiner, haben sich an diesem Tage in dem in der Avenue Marigny gelegenen Hotel des Baron Gustav Rothschild eingefunden, um dem greisen Jubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Der zweite Vorsitzende der Pariser jüdischen Gemeinde, Narcis Leven, beglückwünschte den Gefeierten, der als 22jähriger junger Mann in den Vorstand der Gemeinde eingetreten ist, um dann für eine lange Reihe von Jahren deren erster Vorsitzender zu sein, und wies auf den gewaltigen Aufschwung hin, den das Pariser jüdische Gemeindeleben unter lebhafter Betheiligung des Jubilars in dem letzten halben Jahrhundert genommen hat. — Darauf ergriff Großrabbiner Zadoc Kahn das Wort, um den Jubilar im Namen des Central-Konsistoriums zu beglückwünschen. Als ein Mann, der 25 Jahre lang als Grand rabbin de Paris mit ihm zusammen gearbeitet hatte, kann er das lebhafte Interesse bezeugen, das Baron Gustav Rothschild allen Gemeindeangelegenheiten, den großen sowohl, wie den geringfügigen, entgegengebracht hat. Redner wünschte dem Jubilar ein langes Leben, damit er mit eigenen Augen sehen könnte, wie die jüngeren Mitglieder feines Hauses dem von ihm gegebenen Beispiele nachahmend, sich für alle jüdischen Angelegenheiten begeistern. Nachdem auch der Grand Rabbin von Paris, Dreyfus und Henri Aron, als Mitglieder des Central- Konsistoriums, ihre Gratulationen dargebracht haben, ergriff der Jubilar das Wort, um tief gerührt für die ihm erwiesenen Sympathien zu danken. Das Wenige, was er gethan, habe er aus Pflichtgefühl gethan, um die von seinem hochverehrten Vater übernommenen Traditionen zu hegen. Er wolle auch seinerzeit sein Bestes thun, um diese Traditionen seinen Kindern zu überliefern, damit auch diese, seinem Spuren folgend, dem Judenthum und seiner Solidarität dienen mögen.