Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1903)
- Date
- 1903-01-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449896--57472-2520184- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
44* Jahrgang. möge zu M 3 des Die Kompetenz des Rabbiners. As p O'2 pcs hewmagesdei D'7n: ii klsgliril. In N. Mada, einer ansehnlichen, jüdisch-orthodoxen Gemeinde Ungarns, ereignete sich folgender, unerhörter Vorfall: Seit 12 Jahren wirkt dort z~r, “Sir rrrKCT ein in weitesten Kreisen renommirter n"r-. als gewählter und von der Kultusregierung bestätigter Rabbiner. Sein Vorgänger, gleichfalls ein hervorragender Talmid Chochom und berühmter Rabbi von Chaßidim, der längere Zeit in Debrezin wohnte und seither die Rabbinerstelle in Koßon bekleidet, hat aber die Beziehungen zu seiner früheren Gemeinde nicht abgebrochen, was für seinen Nachfolger und für die arme Gemeinde verhängnißvolle Folgen hatte. Unglücklicherweise wurde auch zur administrativen Leitung der Kultusgemeinde ein Vorstand eingesetzt, bestehend aus Anhängern des früheren Rabbiners, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, durch beispiellose Renitenz den rechtmäßig amtirenden Rabbiner zu verdrängen. Die verschiedenen Kränkungen, denen Rabbiner Brach Jahre hindurch ausgesetzt war, mögen vorläufig dahingestellt sein. Zuletzt handelte es sich um die Aufnahme eines Schochet. Der feinfühlende Vorstand wollte seine Schreckensherrschaft durch eine eklatante That demonstriren und wählte justament den Schwager des ehemaligen Madaer und nunmehrigen Koßoner Rabbiners zum Schochet. Als aber die Abgesandten des Vorstandes mit ihrem neugewählten Mann vor dem kompetenten Rabbiner erschienen waren, und die Ueberprüfung des Schochets verlangten, gab ihnen Rabbiner Brach folgenden Be-, scheid: „Aus religiösen Gründen, die sich auf die Funktionen der Schechita beziehen, kann ich die Aufnahme dieses Mannes als Schochet in hiesiger Gemeinde nicht gestatten." Um aber die Gewalthaber zu beruhigen, fügte der Rabbiner hinzu: „Ich bin auch geneigt. meine Entscheidung vor drei unabhängigen, gottesfürchtigen Männern zu motiviren und mich ihrem Urtheile zu fügen." Der Vorstand scherte sich nicht um diese Entscheidung, wollte auch dem Rabbiner keine Gelegenheit geben, sein Vorgehen zu motiviren, sondern bestellte eigenmächtig den Mann, der schon vor mehreren Jahren den Schechitadienst aufgegeben hat, als Schochet für die Kultusgemeinde. Die Herren haben sich aber ein wenig verrechnet. Als der Rabbiner, der den neugewählten Schochet autorisirte, und dessen Autorisation als religiöse Basis zur Aufnahme diente, vom frivolen Treiben des Vorstandes Kenntniß erhielt, erklärte er sein Attest für null und nichtig. Der Schochet konnte in seine Funktion gar nicht eingesetzt werden. So verzog sich diese Angelegenheit, bis sich der Vorstand genöthigt sah, eine friedliche Lösung dieser Frage anzuregen, beziehungsweise mit Zustimmung des kompetenten Rabbiners einen anderen Schochet zu bestellen. päm xsn. Da ereignete sich das Unerhörte. Der ehemalige Rabbiner dieses Ortes, der bei einer Chaßidimpartei im Nimbus eines Heiligen stehende Rabbi von Koßon, beglückte das Städtchen mit seinem Besuche, bethörte die Menge, ihn durch Massenunterschriften neuerdings als Rabbiner dieses Ortes anzuerkennen, bestätigte die Aufnahme seines Schwagers als Schochet und gab demselben sofort den verwegenen Auftrag, den Schechitadienst unverzüglich auszuüben. Als aber der heilige Usurpator wahrgenommen, daß ein großer Theil der Gemeinde vor dem Blute dieses Statarialverfahrens erschrak — in gesetzestreuen Kreisen weiß es doch Jedermann, daß ohne Zustimmung des kompetenten Rabbiners kein Schochet sein rj'bn ziehen darf — überredete er den Vorstand, ihn auch mit der Abhaltung einer Derascha zu beehren. Der offizielle, heimische Rabbiner feierte den Sabbat in seinem Stübchen zurückgezogen, während der Chassidimrabbi aus Koßon seine Kanzel betrat, und mißbrauchte vor dem umpr, px das Gastrecht und das Thorawort, um die in ihrem Gewissen beunruhigten Gemüther gegen den berufenen, amtirenden Rabbiner aufzustacheln. Im Verlaufe seiner Ausführungen verkündete er mit feierlichem Pathos ungefähr Folgendes: Ihr habt gesehen, daß ich s e l b st von der Schechita meines Schwagers gegessen habe. Was ich erlaube, wird kein Rabbiner wagen, zu verbieten. Ich bin ein mn . bn: und meine Autorität überragt die eines anderen Rabbiners, indem ich auch Rabbiner einer anderen Gemeinde bin. Ihr dürft getrost essen und Euch sättigen von der Schechita meines Schwagers. Ich erlaube e s Euch. Auf das Urtheil der ungarischen Rabbiner habt Ihr kein Gewicht zu legen. Ich werde mich auch nicht kümmern um ihre Meinung, und werde ihnen in jeder Beziehung gewachsen sein." Der Sabbat war vorüber. Einzelne Mitglieder und Anhänger aus der Gemeinde kamen noch mit allen möglichen Anliegen und zu seiner Heiligkeit. Allen wurde der Segen ertheilt und — der Gottesmann war frei. Nach diesem Rausch folgte aber ein Katzenjammer, der die unglückliche Gemeinde in einen Siedekessel verwandelte. Der heimische, schwergeprüfte Rabbiner war diesem Attentate gegenüber ganz ohnmächtig. Der Rabbi aus Koßon hat seine Autorität mit Füßen ge-