Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1903)
- Date
- 1903-01-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Lehrweise, wird finden, daß die Abhandlung über 2°^ rrbvv rst'z nicht so langweilig ist, als etwa ein Vortrag: „Der Berliner jüdische Salon," oder «Der .große Kurfürst und die Juden." Durch diese apologetische Schriften entsteht mehr Verwirrung, als Klärung, und die ganze Thora wird zu einem i>22, die Bibel zu einem Babel. Wir sehen die Thora mit ganz anderen Augen an, lesen sie mit ganz anderem Verständniß, tragen nichts hinein, wir schöpfen nur heraus. Für uns ist sie etwas Fertiges, Vollendetes, ist kein Menschenwerk, an den» fortwährend herumgefeilt und ausgebessert werden muß, und deßhalb ist der Kampf ein völlig ergebnißloser. Rufen uns denn jene Forscher überhaupt zum Streit heraus? Liegt es in ihrer Absicht, unserer Bibel ihre Ursprünglichkeit nur deßhalb zu nehmen, um uns damit als die Verirrten zu kennzeichnen? Ueberlaffen wir ihnen ruhig den Ruhm, großartige Entdeckungen gemacht zu haben. Als einst den Verfasser „Der Herzenspflichten" ein Jude über mikrologische Forschungen im Ritualgesetz um seinen Rath fragte, antwortete ihm dieser: „Du mußt wohl schon sehr weit vorgerückt sein, mein Lieber, in der Ausbildung Deines Herzens! Bist Du wirklich schon so ganz mit Dir selbst im Reinen, daß Du solch Fremdartiges zu erforschen die Muße hast?" Die Häufung dieser Schriften und Gegenschriften schreckt uns ab, die Hauptsache kennen zu lernen. Unsere Thora ist eine erhabene Schöne, die ohne alle Schminke, ohne jeglichen Flitter, ohne Firlefanz eiteln Gepränges den Blick zu fesseln, Verstand und Herz einzunehmen gewohnt ist. Nur in ihrer offenen, schlichten und biederen Simplizität liegt die unüberwindliche Zaubermacht ihrer unsterblichen Reize, die Entfaltung ihrer allbesiegenden Glorie und die hehre Offenbarung ihrer himmlischen alles verklärenden Erleuchtung. Diese Ueberzeugung kann uns kein Professor Delitzsch rauben. . Beherzigen wir diesen Ausspruch eines Altmeisters, der ebenfalls mit dem vollen Bildungsgehalt seiner Zeit ausgerüstet war. und sich weder von griechischen noch arabischen Philosophen beirren ließ. Lassen wir die Apologetik gegen Andersgläubige und Andersdenkende ruhen. Wir wollen unsere eigenen Wege gehen, uns begnügen mit dem, was die Thora lehrt, wie wir in ihrer Erfüllung, in ihrer Erforschung unseren Lebensberuf sehen — wir haben damit genug zu thun. Tim nTn p"?x jpvb fcn '1. Zeitrmgsnachrrchten ucrv Äorrefpondenzeit. Deutschland. . Berlin, 14. Jan. „Jede Versammlung, die um eines höheren, göttlichen Willen stattfindet, hat am Ende Bestand." Diese Worte lagen der Festrede zu Grunde, die Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Höxter zur Feier des „23. Stiftungsfestes des Synagogenvereins Beth Zion," das am 11. d. Mts. in den Gesammträumen des Fürstenbräus stattfand, hielt. Die Worte des anerkannt guten Redners entfesselten die ' ■ Begeisterung der Zuhörer in einem Maße, und rissen die Herzen zu hohem Enthusiasmus fort, der der edlen Sache, der der Verein dient, wahrlich nur zum Nutzen gereichen konnte. „Nicht der Drang, sich hervorzuthun, nicht das Verlangen nach Außen zu glänzen, sondern wahre Frömmigkeit und innige Nächstenliebe, so führte Redner in trefflicher Weise aus, waren die Triebfedern, die die Gründer des Vereins Beth Zion vor nunmehr 23 Jahren anspornten, eine Gemeinschaft in's Leben zu rufen, die heute, Dank des eifrigsten Bemühens Aller zu so herrlicher Blüthe herangereift ist." «- Der langjährige Vorsitzende, Herr Heymann - sohn, ermangelte nicht, in seiner Begrüßungsrede dem Vorstande und den Mitgliedern, besonders aber dem verdienstvollen Seelsorger der Gemeinde, Herrn Rabbiner Höxter, dessen* unermüdliches Streben und hingebungsvoller Eifer ast Synagoge und Religionsschule den Löwenantheil an dem Wachsthume des Vereines tragen, den innigsten und herzlichsten Dank auszusprechen. Ein Rückblick, den Herr Heymannsohn ferner entrollte, gewährte einen tiefen Einblick in die hochedlen Ziele und die Errungenschaften der bisherigen Thätigkeit. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, beweisen die stattliche Zahl der Mitglieder des Vereins und die sich auf ca. 230 Schüler und Schülerinnen beziffernde Frequenz der Religionsschule wohl am besten, in wie weit Fortschritte zu verzeichnen sind. Der Festabend selbst verlief in schönster Harmonie. Die Kaffeetafel, die sich an die Feier anschloß, zeigte das auf den Beth Zion-Vergnügungen heimische Bild, nämlich Frohsinn und Zufriedenheit mit dem Gebotenen. Ein Prolog des Herrn H a l e v y wurde warm empfunden vorgetragen und war recht sinnig und durchdacht. Nach einzelnen Gesangs- und deklamatorischen Vorträgen betrat Herr Rabbiner Höxter das Podium, um die eingangs des Vorstehenden angedeutete Festrede, die mit Recht als Glanz- und Höhepunkt des Abends bezeichnet werden darf, und die einen ungeheuren Beifallssturm entfesselte, zu halten. ,,