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Der Israelit · 1903-01-19 · Heft 5 (19.1.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 5 (19.1.1903)
Date
1903-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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thum*, das vor 200 Jahres geboren wurde, dann eingesargt war, feierte kurz vor Schluß des verflossenen Jahrhunderts schnell nochmals seine Auferstehung. Es liegt also nicht in unserer Macht, hier klärend und überzeugend zu wirken, und wir würden ebensoweit kommen, wenn wir jene Forscher in ihrem Behagen nicht stören. Vertrauen wir nur ruhig auf die endliche Erfüllung des prophetischen Wortes rrbc.-.N B’s:8 aH c’ca ran pxn. Bevor wir an die Belehrung fernstehender Kreise gehen, müssen wir in unseren Reihen Thorakenntniß verbreiten. Bei allem Streben, dieses Ziel zu erreichen, hat sich doch schon gezeigt, daß der vielfach eingeschlagene Weg keinen Fortschritt zeitigt. Die Unwissenheit, die Gleichgiltigkeit treibt weiter ihre Blüthen. In den Köpfen unserer Jugend tummeln sich lustig allerlei Begriffe: die Mischnah war der Vorläufer des Talmud, die babylonische Schule, das Sektenwesen, Jkarim und „Lehrer der Verirrten," Bechai und seine Herzenspflichten u. s. w., aber es sind nur Namen, die ebenso schnell verschwinden, als sie gekommen sind. Wie können wir fremde Kreise zu uns herüberziehen. wenn wir unseren engen Kreis nicht festhalten können? Tritt da vor einen großen Zuhörerkreis ein Universitätsprofessor, spricht von den Grundideen des Judenthums: . Einheit Gottes, messianische Zeit und Sabbat, sieht besonders in dieser letzten Institution die Gleichwertigkeit aller — auch der Sklaven — und er kommt selbst am Hellen Sabbat — Mittags 2 Uhr, mit dem Zuge angefahren. Unsere Pflicht ist es nicht und sie kann es nicht sein, die Ergebnisse unserer Thoraforschung, die festgelegten Normen derselben, die auf jüdischem Boden gereiften und nur auf ihm zur Geltung kommenden Anschauungen, anderen Kreisen aufzudrängen. Wie man uns gesellschaftlich und sozial zurückweist, nur den Juden und nicht den Menschen sieht, so wollen die Gelehrten aus jenen Kreisen von unserer Seite auch nicht belehrt sein. Wir sind darin freilich toleranter, wir nehmen das Gute und Wahre an, von welcher Seite cs auch immer kommen mag. Andererseits müssen wir aber auch zugestehen, daß wir auch in dieser Hinsicht die Toleranz zu weit getrieben haben. Ein Beispiel nur für viele: In Vorträgen, in Schriften, die die Bibel zum Gegenstand haben, werden zitirt: Reuß, Zittel, Hengstenberg, Bengerke. Olshausen, Wellhausen, Wette. Delitzsch, Hupfeld, Hitzig. Cheyne, als hätten diese wirklich am Sinai gestanden und die Thora aus erster Hand empfangen. Ohne Herder ist gar keine Poesie der Bibel mehr denkbar. Daß aber Raschi, Nachmanides. Raschbam. Siporno. Ihn Esra, Malbim. Mecklenburg, Hirsch, sich um die Erforschung der Bibel verdient gemacht haben, das wagt man gar nicht zu erwähnen. Kommt man heute mit der hausbackenen Anschauung, die Thora ist jo, sie und alle ihre Auslegungen rrnunx 'da rrn sind als nvsv r&br. tcs zu betrachten, dann wird man ausgelacht ob solchen naiven Glaubens. Und doch brauchen wir uns trotz all der gelehrt sein sollenden Ergebnisse der Bibelforschung nicht dieses naiven Glaubens zu schämen, und bleiben dabei, die ganze Thora, von jrsrjna bis da hat rae nach göttlichem Diktat, und nur das letzte Kapitel hätte Josua — nach anderer Meinung — auch ncc aber i?s-?a — unter Thränen niedergeschrieben. Jedenfalls ist dies die Wahrheit; eine Wahrheit braucht nicht, viel Aufputz, ihre Einfachheit bestätigt sie schon, legitimirt sie zur Genüge. Wie die ganze Thora in ihrer geschichtlichen und gesetzlichen Darbietung etwas Wunderbares ist, so ist es auch ihre Niederschrift, und wenn unsere Zeit hierfür kein Verständniß hat, so liegt es nur daran, weil sie sich nicht in jene fernliegende Zeit zurückversetzen kann. Sollen die Lehrer des Talmuds, deren kritifchprüfendem Auge nichts entging, sich nicht besser auf die Thora verstanden haben, als die Gelehrten viel späterer Zeiten? Sollten sie — die Meister der Sprache — nicht gefühlt haben, daß die Sprache des. iss eine andere als die im xwsna 'a ist? Sie zogen aber daraus noch lange nicht den Schluß, daß verschiedene Verfasser sie niedergeschrieben haben müssen. Sie sind nur der Meinung mr\- "wsta crsp» px, aus die chronologische Folge der Thgtsachen nimmt sie keine Rücksicht. Vielleicht haben sie vorausgeahnt, daß dieser Fundamentalsatz — awan ja rron — einst keine Gnade mehr finden sollte, und darum haben sie solche Winke gegeben. Die moderne jüdische Gelehrsamkeit nimmt aber davon ebensowenig Notiz, wie die nichtjüdische Gelehrsamkeit von der jüdischen. Der neueste Vortrag „Babel und Bibel", den Professor Friedrich Delitzsch in Berlin hielt, bestätigt nur zu sehr unsere Meinung. Ihm bleibt — trotz aller Gegenschriften — die Bibel eine Nachbildung alt-babylonischer Weisheit. Man hört vielfach Leute in unseren Reihen die Aeußerung machen: bei dem „Lernen" nach altem Stil kommt nichts heraus, es hat für die heutige Welt keine Bedeutung mehr. Wir finden sogar in manchen neueren Erzählungen, die sich besonders in der Kleinmalerei nicht genüg thun können. Vorgänge im Beth- Hamidrasch oder Cheder recht lächerlich dargestellt — Zangwill macht darin keine Ausnahme — als wäre „Lernen" nur eine Komödie, ein Possenspiel. Im Gehirn des Unerfahrenen wird dadurch gerade die Methode des Lernens, die die meisten Werthe zeitigt, von der unsere Alten sagen xrnna n~-r, daß selbst Gott Freude habe am Eindringen in den Stoff der Gesetzeslehre, verächtlich erscheinen. Wer aber mrr einmal eingeführt wurde in den Gang der talmudischen

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