Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-01-19 · Heft 5 (19.1.1903) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 5 (19.1.1903)
Date
1903-01-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449896--57464-2520176
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kentrak-Hrgan für das orthodoLe IudenIHum. Begründet von Dr. Dehrns«« r« lMstry. 20. Lhedet 5SSS torrtag, de« Januar ISOs. Zunglsraet und seine Apologetik. Von M. Schweitzer, Glogau. Nicht treffender tonnten diese Gedanken eingeleitet werden, als mit dem alten Weisheitswort bv px üeb w'tren cpjn^ nv'.o ow txh ct G'pnnb tarn jeder Streit, der in reiner Absicht geführt wird, führt zum endlichen Sieg, wer aber aus anderem Motiv den Streit führt, gelangt niemals zum Sieg^^ - ' ~ Es ist ein wenig erfreuliches Zeichen, wenn die jüdische Gelehrsamkeit' -— im Sinne der Modernen — sich heute meist damit beschäftigt, die Schriften und Werke nichtjüdischer Gelehrten zu kritisiren, zu berichtigen. Fast täglich erscheinen solche das Judenthum betreffende Abhandlungen, und bald sind viele aus unfern Reihen wieder an der Arbeit der Widerlegung. Wird Harnack, der das Judenthum in seiner Schrift „Wesen des Christenthums" vielfach recht glimpflich darstellt, sich belehren lassen von den Gegenschriften eines Bäck, Perles, Vogelstein und Eschelbacher? Wird Schreiners „Die jüngsten Urtheile über das Judenthum", womit er die Vorurtheile gegen das Judenthum zerstören und sein Recht zur Geltung bringen will, die Männer wie Wellhausen und Schürer veranlassen, ihre Jrrthümer zu berichtigen? Hat das neueste Werk „Die Religion des Judenthums im neutestamentlichen Zeitalter", von dem Göttinger Professor der Theologie, W. Bouffet, Notiz genommen von den so oft jüdischerseits nachgewiesenen Jrrthümern, an denen seine Schöpfung überreich ist? Wir können nicht annehmen, daß diese nicht auch jüdische Schriften gelesen haben sollten. Aber sie lassen sie vöVg unbeachtet. Wir finden dieses Verfahren erklärlich und darum verzeihlich. Sie sind durchdrungen von christlichem Geist, von christlicher Anschauung, sind zuerst Christen, eifrige Bekenner ihres Glaubens, Förderer ihrer Anschauung. dann erst kommt der gelehrte Forscher. Seine Forschung ist beeinflußt von seiner religiösen Anschauung, er kann sich von ihr nicht losreißen, von seinem christlichen Gesichtspunkt aus überblickt er die Erscheinungen, und ohne es vielleicht zu wollen, heurtheilt er das seinem Wesen Fernliegende nicht mit Objektivität. Die größten Männer verstehen es sogar, sich großartig zu irren. Objektiv zu sein gerade in Dingen, die mit eingewurzelten Anschauungen der Religion in Beziehung gebracht werden, ist — tote man oft genug sieht — nicht so leicht. So bitter diese Wahrheit klingt, sie muß selbst jenen Männern der Forschung gegenüber ausgesprochen werden, um das Hhristenthum zu fördern, kann man ruhig dem Judenthum Eins versetzen. Es sind die schlimmsten Schläge noch lange nicht, die es erhalten hat und noch erhalten wird. Es hat auf seinem vieltausendjährigen Gang durch die Geschichte Zeit genug gehabt, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß es als „hinkender Bote" durch die Welt ziehen muß. (Siehe Jakobs Kampf mit Esaus Schutzgeist!) Diese Forschungen find doch zumeist nur für diejenigen Kreise, die in denselben Anschauungen leben, bestimmt. Sie werden nicht über die theologischen Kreise hinaustreten, für die große Masse ist es überhaupt unverdauliche Speise; ihr ist es völlig gleichgiltig, ob das Gebot der Nächstenliebe im Alten oder Neuen Testament zuerst steht; völlig gleichgiltig, ob die Ausbildung dieses Gesetzes in der „pharisäischen oder talmudischen Schule" erfolgt ist. Wir wissen aber sicher, daß die große Menge weit noch entfernt ist von der Liebe, wie sie das Evangelium predigt. Haben al? die Gegenschriften unsererseits auch nur im mindesten dazu beigetragen, die Hochfluth jener wissentlichen und unabsichtlichen Fälschungen einzudämmen? Selbst Eisenmengers „Entdecktes Juden-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.