Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1903)
- Date
- 1903-01-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449895--57456-2520167- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
kommen werde. Der Vorsitzende erwrederte, daß, wenn die Kaffe nichts bekomme, was er allerdings bezweifle, die Agitation, die von den Gegnern gegen die Kaffe entfaltet worden sei, den größten Theil der Schuld daran trage; so sei besonders das Verfahren der Unterstütz- . ungstasse für Schlesien und Posen zu verurtheilen, die das Begleitwort zu ihrem 20. Jahresbericht zu unbegründeten Vorwürfen gegen die Verbandskaffe gemißbraucht habe. Man war schließlich der Meinung, es sei nothwendig, die Lehrer zu ermahnen, daß sie, soweit es in ihren Kräften stehe, auf das Gedeihen der Kaffe hinwirkten, und daß sie namentlich die Lauheit und Lässigkeit in Bezug auf ihre Versorgung für die Zukunft endlich ablegten und sich des großen Vortheils bewußt würden, der ihnen aus der Zugehörigkeit;u einer Lehrerkaffe erwachse. Die Debatte endete mit der einstimmigen Annah,ne folgender Resolution: „In Anbetracht, daß die Mittel der Verbandskasse, die zur Zeit noch keine rechtlich bindende Verwendung gefunden haben, so gering sind, daß dadurch eine wesentliche wirthschaftliche Verbesserung für die bestehenden Kassen nicht herbeigeführt werden kann, lehnt das Kuratorium es zur Zeit ab, der auf dem Verbandstage zu Hamburg gefaßten Resolution Folge zu geben." Zugeich wurde eine von Herrn Steinhardt eingebrachte Resolution angenommen: „Das Kuratorium spricht sein Bedauern über die in verschiedenen Jahresberichten enthaltenen, unberechtigten Angriffe gegen die Verbands-Pensionskasse aus, und ersucht die Lehrer, dahin zu wirken, daß solche Angriffe, die dem Gedeihen und Wachsthum der Kaffe nur hinderlich sind, in Zukunft unterlassen werden." Berlin, 7. Jan. Ueber den „Ritualmord" sollte gestern wieder einmal vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts 1 verhandelt werden, und zwar auf Grund eines s. Z. in der „Staatsbürgerzeitung" erschienenen Artikels über dieses Thema, welcher gegen den damaligen verantwortlichen Redakteur Dr. Vöckler und den Verfasser, Schriftsteller Paul Koch, eine Anklage wegen Beschimpfung der jüdischen Religion veranlaßt hat. Zum gestrigen Termin war nur der Angeklagte Dr. Böckler zur Stelle, der Angekl. Koch war ebenso, .wie schon bei zwei früheren Terminen, auch diesmal nicht erschienen. Er hatte brieflich angezeigt, basier sich unmöglich dem nach seiner. Meinung tigen Gutachten des als Sachverständiger geladenen Prof. Dr. Strack unterwerfen könne und daher den Pfarrer Krösell in Kloxin r. P. als Gegensachverständigen dafür geladen habe, daß alttestamentarische Vorschriften den Juden den „Ritualmord" zur Pflicht . machen. Pfarrer Krösell habe ihm nun gestern tele- ' graphiert, daß er durch eine Amtshandlung am Erscheinen im Termin verhindert sei. Der Angeklagte Koch beantragte daher die Vertagung des Termins. Der Gerichtshof entsprach diesem Anträge nicht, beschloß vielmehr auf Antrag des Staatsanwalts, den Angeklagten Koch wegen unentschuldigten Ausbleibens in Hast zu nehmen. Berlin, 9. Jan. Gegen die Steuerverwaltung ist die Berliner jüdische Gemeinde, vertreten durch ihren Vorstand, klagbar geworden. Der Thatbestand ist folgender: Von den Geschwistern Jaff6 waren der Gemeinde Legate in Höhe von insgesammt 7275 Mk. zugefallen. Hiervon beansprucht das Steueramt als Erbschaftssteuer vier Prozent. Die Gemeinde will nun die Frage zur prinzipiellen Entscheidung bringen, ob die Steuerbehörde befugt ist, derartige Beträge einzuziehen. Sie stützt sich in ihrer Klage auf die gesetzliche Bestimmung, nach welcher Zuwendungen an deutsche Kirchen und andere Religionsgemeinschaften, die Rechte juristischer Personen genießen, steuerfrei bleiben. In einer neueren Entscheidung des Reichsgerichts ist diese Bestimmung in einem der Gemeinde ungünstigen Sinne interpretirt worden. Bischheim, im Elsaß. Am Chanukahfeste waren es fünfundzwanzig Jahre, daß Herr Nathan Levy zum Vorsitzenden der hiesigen Gemeindeverwaltung erwählt worden war. Während dieses Vierieljahrhunderts hat Herr Levy dieses Ehrenamt in einer so gewissenhaften, gerechten und aufopfernden Weife verwaltet, daß er sich die Hochachtung und Verehrung aller Gemeindemitglieder in seltenem Maße erwarb. Unter seiner Leitung erstarkte die Gemeinde nicht nur in materieller Richtung, auch die religiösen Institutionen fanden durch ihn warme Pflege. Zwistigkeiten, die ja in so vielen Gemeinden leider an der Tadesordnung sind, gehörten hier zu den Seltenheiten. Außer feiner amtlichen Thätigkeit ist Herr L. aber auch als guter Jehudi hervorragend, besonders durch feine Liebe zur heiligen Gotteslehre, und seinen Eifer, seine Kenntnisse in derselben (heutzutage ein seltenes Ereigniß) täglich zu vergrößern. Mit Rücksicht auf seine Gesundheit sah sich Herr Levy zum großen Bedauern der hiesigen Gemeinde leider genöthigt, sein Amt niederzulegen. Man beschloß, ihm in der Synagoge eine öffentliche Ehrung zu Theil werden zu lassen, um ihm hierdurch den tiefgefühlten Dank auszudrücken. Da Herr L. jedoch in der rauhen Jahreszeit der Synagoge fern bleiben muß, begaben sich Herr Rabbiner Dr. Wolfs und der jetzige Präses, Herr Jules Klein, am Freitag, den 26. Kislew, zu ihm. um ihm' im Namen der Gemeinde Dank und Segenswünsche zu überbringen, bei welcher Gelegenheit demselben von Herrn Rabbiner Wolfs der Titel eines Chower übertragen wurde. Auch das israelitische Konsistorium des Unterelsaß beglückwünschte den Jubilar in sehr zu Herzen ' gehenden Worten, in denen besonders der Dank für die