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Der Israelit · 1903-01-15 · Heft 4 (15.1.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 4 (15.1.1903)
Date
1903-01-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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gerechte und uneigennützige Verwaltung rum Ausdruck kam. Möge dem Jubilar ein langes Leben in Gesundbeit beschieden sein! Elberfeld, 12. Jan. Der Mendelssobnverein bat am vorigen Donnerstag den Reigen der diesjährigen Vortrage mit dem Thema „Iudenthum und Christenthum" eröffnet, über welches Herr Rabb. Dr. Ackermann aus Brandenburg das überaus zahlreich erschienene Publikum in sehr geistreicher und fesselnder Weile zu belehren vermochte. Ausgehend von den Angriffen der Judenfeinde, die auch die iüdische Lehre in den Bereich ihres Kampfgebietes ziehen, kam Redner auf die iüngsten Bemühungen der Wissenschaft zu sprechen, die darauf ausgehen, den historischen Zusammenhang des Iudenthums mit dem Christenthum zu lockern und dem alten Satze, daS Christentbum bedeute die Nossendung des Iudenthums. neue Nahrung zu geben. Redner stesste in gemeinverständlicher Weise die Hauptmomente zusammen, auf die es in dieser fsraae ankommt. Er gab einen kurzen Ueberblick über das Wesen und den Inhalt der Evangelien, und führte an der Hand einer eingehenden Betrachtung der echten pharisäischen Lehre den schlagenden Nachweis, dass der Gegensatz Zwischen der Lehre des Stifters der christlichen Religion und der der Pharisäer nur ein künstlich konstrüirter ist. dass in Wahrheit aber die ursprüngliche christliche Lehre eine iüdische gewesen sei. . Interessante Schlaalichter warf Redner auf die leichtfertige, wissenschaftliche Tendenz eines Harnack, und anderer neuerer Historiker. Mit einer Zeichnung des wahren Berufes der christlichen Lehre und einem warmen Appess an die Zuhörer, trotz asser Ungerechtigkeit. die uns widerfährt, getreulich auszuharren, schloss der Redner seinen ausgezeichneten Vortrag, für den ihm die Versammlung reichen Beifall spendete. Die hierauf folgende Diskussion, an welcher stch hauptsächlich Herr Rabbiner Dr. Auerbach betheiliate, war eine sehr lebhafte und dauerte bis gegen Mitternacht. Herr Rabbiner Dr. Ackermann aber hat stch mit der Besprechung dieses wirklich zeitaemässen Themas ein grosses Verdienst erworben und sein Vortrag „Iudentbum und Christenthum" ist stcher für alle Litteraturvereine von höchstem Interesse. Wiesbaden. Ein würdige und gemütbliche freier des Chanukah wurde am Sonntag, 4. dls. Mts., Abends hier im Saale der Loge Plato veranstaltet. In der Einleitung derselben, dem Prolog, wurde vor allem unserem verehrten Herrn Rabbiner Dr. Kahn — anlässlich des 33. Jahrestages seiner segensreichen Thätiqkeit — eine Ovation darqebracht. Dann folgten die Aufführungen lebender Bilder, mehrere Lustspiele. Bankett. Das den Saal bis auf den letzten Platz füllende Publikum zeigte stch über die gebotenen Genüsse sehr erfreut und animirt. und brachte dem Veranstalter und Regisseur des Abends, Herrn Kastellan Leop. Herz, sowie den zum Theil noch jugendlichen Darstellern. reichen Beifall dar, der nach den lebenden Bildern: „Gott schütze unfern Kaiser" und „Die jüdischen Feste". in nicht endenwollendem Hurrah seinen Ausdruck fand. Besonders erfreulich bei den Betrachtungen über die Festivität ist die Tbatsache, dass die Theilnehmer an derselben stch aus Mitgliedern beider Gemeinden zusammensetzte, und spricht es u. a. für die allfeitiqe Beliebtheit des Herrn Rabb. Dr. Kahn ein beredtes Zeugnissdass in das Hoch auf denselben auch die Mitglieder der anderen Gemeinde begeistert emstimmten. Allseitiger Wunsch ist es, dass Herr Herz auch fernerhin stch bereit finden lässt, derartige Veranstaltungen zu arrangiren. Wie es sich zeigte, besitzt er dazu ein unschätzbares Talent, und da durch solche Festivitäten wohl am besten die zum Theil noch bestehenden Gegensätze ausgeglichen werden, so stellen stch dieselben als ein sehr verdienstvolles Werk dar. Oesterreich. Prag. Angesichts der auch bei uns zu Lande geschäftig fortgesetzten Agitation gegen das Schachten erhält jedes fachmännische Ilrtheil über unser rituelles Schlachtverfahren Bedeutung und verdient darum, verzeichnet zu werden. Eines der letzten Hefte der von dem ..Deutschen Verein zur Verbreitung gemeinnütziger Vorträge" enthält einen „lieber den Umgang mit Tbieren" betitelten Aufsatz des Herrn H. Derler. Vrofellors der Thierarzneikunde an der deutschen Universität zu Prag. Hierin äussert sich dieser sicherlich kompetente Veurtbeiler über das Schachten wie folgte „Das Schächten hält man für eine grausame Schlachtmethode, einmal, weil dies der allgemeinen Annahme entspricht, und dann, weil wir an. dem verwundeten' Tbiere heftige Bewegungen sehen, die wir uns als Ausdruck körperlicher Qualen übersetzen. Das Tödten der Thiere durch Genickstich dagegen erscheint weit besser, weil das gestochene Individuum „wie vom Schlage gerührt" niederstürzt und bewegungslos Uegen bleibt. Beide Schlüsse sind falsch. Die Kramvke verblutender ' Thiere beruhen auf keiner Bewusstfeinsreaktion; sie entstehen auch an Enthaupteten. Aber wenn auch der Zusammenhang zwischen dem Körper und dem Gehirne nicht aufgehoben wird, hgt man nicht das Recht, von einer bewussten Schmerzausserung zu sprechen, weil das Bewusstsein in dem Moment erlischt, in dem das Gehirn blutleer wird, was bei Eröffnung aller grossen Blutgefäße sehr rasch geschieht." Palästina. Jerusalem. (Der Winter in Jerusalein.) Dem Wiener „Vaterland" wird berichtet: Die heilige Stadt ist bisher noch immer von der Cholera verschont geblieben, doch ist jetzt nach allen vier Rich-

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