Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1903)
- Date
- 1903-01-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449895--57455-2520166- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
44. Jahrgang. £ Zettmrgsrrschrrchte» «ad Eorresporrdeazrn. Deutschland. Berlin, 12. Jan. Dieser Tage fand Hierselbst eine Sitzung des Kuratoriums der Pensions-, Wittwen- und Waisenkaffe des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche statt. Der Vorsitzende, Herr Hauff, eröffnet die Sitzung mit einem Dank an den Vorstand der jüdischen Gemeinde für die Ueberlaffung des Sitzungssatzes, begrüßt die Mitglieder des Verbandsvorstandes, welche als Gäste erschienen sind, und fordert sie auf, sich ebenfalls an der Debatte zu betheiligen. Das Wort erhalt Herr Direktor Dr. Adler zu seinem Referat über die auf dem Hamburger Verbandstage gefaßte Resolution betr. die Verbandskasse. Von der Thatsache ausgehend, daß das Zustandekommen des Verbandes der jüdischen Lehrervereine verhindert worden wäre, wenn man von dem Plane, die Bezirkskaffen zu vereinigen, nicht Abstand genommen hätte, legt Referent dar, daß ihm seitens der Direktoren der Grundfonds unter der Bedingung übergeben worden sei, daß eine Centralkasse begründet werde. Sicherlich wäre es verdienstlich gewesen, wenn aus den Ueberschüssen der Kaffe alljährlich eine größere Summe zur Unterstützung der Bezirkskaffen hätte vertheilt werden können, und er selbst würde eine Statutenänderung beantragt haben, daß ein Drittel, event. die Hälfte der Ueberschüsse vertheilt werden solle, wenn nicht bei dem gegenwärtigen Zustande der Kaffe eine solche Vertheilung geradezu eine Form wäre. Die Ueberschüsse betragen zur Zeit 1300 Mk., und selbst dieser Betrag würde bei den zahlreichen Anmeldungen sicherlich noch im Laufe des gegenwärtigen Geschäftsjahres verschwinden. Darum solle man der Kaffe zunächst Zeit lassen, ihre Grundfonds erheblich zu vermehren, dann würde man sich der Ueberzeugung einer Vertheilung der Ueberschüsse wohlwollend gegenübersiellen. Die Vermehrung des Grundfonds werde aber geradezu verhindert durch die unwürdige Agitation, die von gewisser Seite gegen die Kaffe getrieben werde, und die es zu Wege gebracht, daß größere Summen, die der Kaffe zugedacht waren, und über welche der. Referent des Näheren Mittheilung machte, anderen Institutionen zugeführt worden seien. Der Referent erklärte, er würde über diese Dinge geschwiegen haben, wenn die Gegner sich auf kritische Bemerkungen im Verbandsorgane beschränkt hätten. Aber diese gingen darauf aus, in anderen Blättern die Kaffe zu diskreditiren, und zwar vornehmlich in solchen, die dm Lehrerinteressen nicht, allzu freundlich gegenüberständen. Oder diese Angriffe erfolgten in Jahresberichten, welche dann'an Stellen verbreitet wurden,' die geneigt gewesen wären, der Verbandskasse größere Mittel zuzuführen,. aber durch diese Angriffe stutzig geworden wären. Diese Angriffe hätten zwar der Verbandskasse erheblichen Schaden zugefügt, aber den Beznkskassen nicht den geringsten Nutzen gebracht. Darum solle man vor allen Dingen von dieser unwürdigen Agitation ablassen, die nur dazu führen könne, dem Ansehen des Lehrerstandes in weiten Kreisen des Publikums zu schaden. Daneben würden aber auch ungerechte Anschuldigungen gegen die Kasse erhoben. Die Gegner gingen von dem Gedanken aus, daß das Bestehen der Verbandskasse die einzelnen Bezirkskaffen schädige, indem es die Lehrer vor dem Eintritt in die Bezirkskaffen zurückhalte. Das gerade Gegentheil sei der Fall. Das Kuratiorium lasse sich von dem Wunsche leiten, daß jedes Mitglied der Verbandskasse zugleich der betr. Bezirkskasse angehören solle, es fei also eine Schädigung weder beabsichtigt, noch thatsächlich eingetreten. Winn die Unterstützungskassen in den letzten Jahren an Spenden weniger erzielt hätten, als früher, so läge dies an der allgemeinen wirthschaftlichen Depression, unter der wir zu leiden hätten, und die in erster Linie die Wohllhätigkeitsinstitutionen treffe. — Den Lehrern müsse aber der Beitritt zur Kasse dadurch erleichtert, werden, daß man den Gemeinden empfiehlt, ihre Lehrer zu versichern. Lebhafter Beifall und Dank lohnte dem Referenten für seine ausführlichen und klaren Darlegungen. In der Debatte hebt Herr L u st i g hervor, daß man die Kasse mißgünstig beurtheile, ohne ihre Leistungen zu würdigen. Man müsse doch vor allen Dingen der Kasse einige Jahre Zeit lassen sich zu entwickeln, sie würde mehr leisten, als die Kassen, die bisher der Versorgung der Lehrer gedient hätten. Herr Steinhardt ftagte den Referenten an, wie e§ sich mit dem Briefe verhalte, auf den gestützt Herr Peritz auf dem Hamburger Verbandstage erklärt habe, daß Herrn Dr. Adlers Anschauungen sich mit den seinigen deckten. Der Referent erwiedert darauf, es sei ein Fehler gewesen, daß man damals nicht die Verlesung des ganzen Briefes verlangt habe, dann würde sich gezeigt haben, daß der Schreiber nur in dem Falle, wenn, die Kasse thatsächlich nichts leisten könne, dem Gedanken der Vertheilung an die einzelnen Kaffen freundlich gegenüberstehe. Herr Professor Dr. Bad erklärte kurz, daß er aus seiner Kenntniß der Verhältnisse heraus überzeugt sei, daß die Kaffe nicht reüssiren, da sie keine Mittel be-